Eine theatrale Unterwasser-Expedition: „Oktopus – eine Reise in die Tiefe“ ist das erste Kinderstück der Theatergruppe Tauchgang
Aus dem Off Wellenrauschen und Möwengeschrei – an einem langen Faden ziehen Marina Müller und Katharina Dunkel ganz langsam
Aus dem Off Wellenrauschen und Möwengeschrei – an einem langen Faden ziehen Marina Müller und Katharina Dunkel ganz langsam eine weiße Stoffbahn wie Gischt über den Bühnenboden des E-Werk-Kammer-Theaters. Willkommen am Meer! „Oktopus – Eine Reise in die Tiefe“, so der Titel ihres ersten, dank Indienforschung realisierten Kinderstücks, erst im letzten Jahr gründeten sie ihr Theater Tauchgang, das Geschichten für Jung und Alt mit Figuren- und Objekttheater erzählen möchte. Hier begeben sie sich auf Spurensuche nach einer abenteuerlustigen Oma, die im Leuchtturm lebt, das Meer und seine Bewohner über alles liebt – und spurlos verschwunden ist. Nur ihre Flossen und ein alter Koffer sind noch da – beides knall-orange.
Und schon beginnt die Verwandlung: Das weiße Tuch wird an einem Gestell zur Projektionsfläche, Schwimmflügel mutieren zu Fischen, der Koffer zur Krabbe, Federfische tanzen an einer Angel durch den Raum und Katharina Dunkel gibt bäuchlings auf einem Hocker liegend die schwimmende Oma mit Flossen und Taucherbrille. Das hat Witz und Zauber – wenn Erwachsene als Bühnenkinder auch hier nicht wirklich funktionieren, es eher aufgesetzt und steif wirkt, wenn Müller und Dunkel Omas Enkel spielen. Überhaupt ist das Tempo allzu bedächtig, bremsen die vielen Pausen und übertriebenen Gesten den Erzählfluß. Toll und Bilder-mächtig ist das Theater Tauchgang auf Tauchgang in Sachen Objekt-Theater: Per Schattenspiel zeigen sie die Bewohner im blau illuminierten Urmeer und damit die Anfänge von Omas Lieblingstier, dem Oktopus. Ein gefürchteter Räuber, bei Jules Verne ein sagenumwobenes Monster (da wäre eine Illustration eindrücklich gewesen), ein Tintenfisch mit neun Gehirnen, der mit den Armen sehen kann. Was die beiden auch gleich mal ausprobieren…
Mit kernigen Sprüchen erzählt nun Oma von einer ebenso spektakulären wie geheimnisvollen Begegnung: Wie ihr Boot in turmhohen Gewitter-Wellen kenterte, sie zum Meeresgrund sank, von einem Oktopus gerettet wurde. Dazu gibt es stimmungsvolle Musik (Sounds, Komposition: Bird Flick), ein fluoreszierendes Wesen im Reifrock und mit LED- Leuchtaugen beim poetischen Tanz im Schwarzlicht, leuchtende Regenschirme, ein Dampfgar-Einsatz im Schattenspiel. Ob Omas Verschwinden damit zu tun hat, dass sie seitdem Oktopusse aus den fiesen Fallen am Meeresgrund befreit? – Eine theatrale Unterwasser-Expedition über ein faszinierendes Wesen, das für die Zielgruppe der über Achtjährigen gerne mehr Story vertragen könnte…
Foto: Szene aus „Oktopus – eine Reise in die Tiefe“ © Theater Tauchgang




