Virtuos und farbenprächtig: Kerry James Marshall zeigt sein Werk im Kunsthaus Zürich
Im Interview zur Ausstellung sagt der einundsiebzigjährige Kerry James Marshall: „Wir gehen in Museen und Galerien, um bemerkenswerte Dinge
Im Interview zur Ausstellung sagt der einundsiebzigjährige Kerry James Marshall: „Wir gehen in Museen und Galerien, um bemerkenswerte Dinge zu sehen und über sie nachzudenken. Ich versuche einige dieser bemerkenswerten Dinge untrennbar mit der Darstellung Schwarzer Menschen zu verknüpfen…“. Rund 70, meist monumentale Werke werden im zweiten Stock des Neubaus im Kunsthaus Zürich und im obersten Stockwerk des Moser Altbaus gezeigt. Marshalls Gemälde sind farbenprächtig und virtuos. Sie zeigen Themen wie transatlantische Sklaverei, Bürgerrechtsbewegungen, kulturellen Transfer und Schwarze Alltagskultur. Ausgebildet an Kunsthochschulen in westlicher Bildtradition, transferiert Kerry Marshall diese in seine Werke: „Still Life in Wedding Porträt“, 2015. Hier strahlt uns die Verbundenheit des Hochzeitspaares, das aneinander lehnt, an. Es ist nicht das strenge Nebeneinander westlicher Porträts der Kunstgeschichte seit dem Mittelalter. Eher erscheint uns Rembrandt mit seiner Saskia vor Augen. „Untitled (Painter)“, 2008 zeigt sich mit extrem vergrößerter und farbbekleckerter Palette. „Past Times“, 1995 mit Acryl und Collage auf Leinwand, 287,7 mal 408,9cm groß. Die Szene der Menschen auf dem Rasen lässt an Eduard Manets „Dejeuner sur l`herbe“, 1863 denken. Auch vermag der Künstler Abstraktion und Figuration im Gemälde zu verbinden: „Untitled“, 2017, das zwei Schauende, deren Körper schwarze Schatten werfen vor einer Art fließender Farbfläche in Orangetönen zeigt. Marshall setzt verschiedene schwarze Pigmente ein, um Hautfarben darzustellen. Er greift zu Tönen wie Elfenbeinschwarz, Marsschwarz und Rußschwarz. Diese überlagert er, setzt sie nebeneinander oder mischt sie mit anderen Farben, um Schwarz vollchromatisch wiederzugeben. Wie er es ausdrückt: „Wenn man Schwarz sagt, sollte man Schwarz sehen“. Großformatige Wandbilder in Innen- und Außenräumen vervollständigen Marschalls Oeuvre. An die Reise versklavter AfrikanerInnen erinnert das schwarze Schiff „wake“ auf schwarzem Sockel im schwarzen Meer, das Marshall erstmal 2003 an der Biennale in Venedig gezeigt hat. Eine Barke in der Raummitte verweist auf die wachsende Macht schwarzen kulturellen Ausdrucks. Mit Medaillons auf dem Boden und an der Wand, die bei jeder Ausstellung mehr werden, verweist der Künstler darauf. Die Idee der Anhäufung stammt von den nkisi nkondi, einer Art Kraftfigur aus dem Kongo, die durch das Einschlagen von Nägeln an spiritueller Kraft gewinnt. Ein Memento zeigen die Werke mit Phillis Wethley-Peters, der afrikanischen Dichterin (1753-84) in Amerika. Wichtig in Marshalls Schaffen sind, wie die Hauskuratorin Cathérine Hug im Katalog ausführt, Holzschnitte. Ein Selbstporträt und der Original Acht!farbenholzschnitt „Untitled“, 1998/99 sind abgebildet. Denken wir an Käthe Kollwitz, Elizabeth Catlett oder Ernst Ludwig Kirchner mit ihren anklagenden und kämpferischen Themen. Drei Tafeln monumentaler Kohlestiftzeichnungen auf Papier beeindrucken mit vitalen Traum-, Tanz- und Vergnügungsszenen. James Kerry Marshall ist der erste lebende schwarze Künstler, dem jeweils drei Ausstellungen in Folge ausgerichtet wurden. 2016 in Chicago, seinem Wohnort, in New York und Los Angeles. Und diesmal in Europa: London, Zürich und von da nach Paris. Drei Häuser und mehrere KuratorInnen haben dafür länderübergreifend zusammengearbeitet.
Kerry James Marshall. The Histories. Kunsthaus Zürich, Heimpl. 1/5, Zürich. Bis 16.08.26
Foto: Kerry James Marshall: „Vignette #13“, 2008, Acryl auf PVC-Platte. Susan Manilow Collection
© Kerry James Marshall. Image courtesy of the artist and Jack Shainman Gallery, New York




