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Der Wolf ist zurück und mit ihm die Frage nach dem Zusammenleben

Der Abschuss des besenderten Forschungswolfs „Mirco“ in Tirol hat Ende Juni europaweit Diskussionen ausgelöst. Während die Tiroler Behörden den

Der Wolf ist zurück und mit ihm die Frage nach dem Zusammenleben

Der Abschuss des besenderten Forschungswolfs „Mirco“ in Tirol hat Ende Juni europaweit Diskussionen ausgelöst. Während die Tiroler Behörden den jungen Rüden als Risikowolf einstuften, kritisierten Wissenschaftler:innen und Naturschutzverbände die Entscheidung scharf. Der junge Rüde trug einen Sender und war Teil eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts im Alpenraum. Er sollte helfen, mehr über Wanderungen und Verhalten von Wölfen zu erfahren. Der Fall macht deutlich, wie kontrovers der Umgang mit dem Wolf inzwischen geworden ist. Auch in Baden-Württemberg stellt sich diese Frage immer häufiger. Denn mit mehreren sesshaften Tieren gehört die Rückkehr des Wolfs in den Schwarzwald längst nicht mehr zu den Ausnahmen, sondern zu einer Entwicklung, auf die sich Mensch und Natur gleichermaßen einstellen müssen.
Im Nordschwarzwald hat sich mit GW 5057m ein weiterer Wolfsrüde angesiedelt. Seit September 2025 ist das Tier im Raum Seewald und Baiersbronn unterwegs, mittlerweile gilt es als territorial. Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Wolf vermutlich aus dem Alpenraum stammt. In seiner Nähe lebt bereits der sogenannte Enztalwolf GW 852m, der 2017 als erster sesshafter Wolf Baden-Württembergs bekannt wurde. Inzwischen hat sich ihm eine Wölfin angeschlossen. Ob daraus langfristig ein Rudel entsteht, beobachten Fachleute gespannt.
Dass Wölfe wieder durch Baden-Württemberg streifen, ist zunächst ein Erfolg des Artenschutzes. Über Jahrzehnte wurden die Tiere verfolgt und ausgerottet. Erst durch strengere Schutzregelungen und die Erholung europäischer Wolfspopulationen konnten sie ehemalige Lebensräume zurückerobern. Junge Wölfe verlassen regelmäßig ihr Rudel, um ein eigenes Revier zu finden. Dabei können sie täglich mehrere hundert Kilometer wandern. Für den Menschen bedeutet diese Bewegung eine neue Herausforderung, denn der Schwarzwald ist keine unberührte Wildnis, sondern eine Kulturlandschaft, wo Wälder, Landwirtschaft, Weidehaltung, Tourismus und Siedlungen aufeinander treffen.
Besonders für Weidetier-halter:innen bringt die Rückkehr des Wolfs neue Fragen mit sich. Ungeschützte Schafe und Ziegen können für Wölfe eine leichte Beute sein. Herdenschutzmaßnahmen wie elektrische Zäune oder Herdenschutzhunde spielen deshalb eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sind diese Maßnahmen mit Aufwand und Kosten verbunden, die vor allem kleinere Betriebe vor Herausforderungen stellt. Nun soll der Wolf durch Vergrämung wieder mehr Abstand zum Menschen halten. Ob solche Maßnahmen erfolgreich sind, wird von Fachleuten unterschiedlich bewertet.
Die Debatte zeigt, beim Wolf geht es längst nicht nur um ein einzelnes Tier. Es geht um die Frage, wie viel Raum wir der Natur in einer dicht genutzten Landschaft geben wollen. Der Wolf ist dabei weder romantische Wildnis-Ikone noch reine Bedrohung. Er ist ein Teil eines Ökosystems, in dem er als großer Beutegreifer eine Rolle spielt. Gleichzeitig verlangt sein Comeback einen neuen Umgang mit Natur. Ein Zusammenleben funktioniert nicht durch Verdrängung, sondern durch Wissen, Beobachtung und klare Regeln. Wissenschaftliches Monitoring, transparenter Umgang mit Entscheidungen und Unterstützung für betroffene Menschen sind entscheidend. Vielleicht ist genau das die eigentliche Herausforderung, die der Wolf mit sich bringt, er zwingt uns dazu, Natur nicht nur dort zu akzeptieren, wo sie bequem und weit entfernt ist.

Foto: Der Wolf ist auch im Schwarzwald wieder heimisch © Jesús Esteban San José/pexels

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