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Räume zum Denken und Neugierde schaffen: Zu Besuch auf der 61. Biennale in Venedig

Sie wurde am 9. Mai 2026 eröffnet. Seit 1907 werden in den Giardini Ausstellungsräumen 26 Länderpavillons gezeigt. Die Kuratorin

Räume zum Denken und Neugierde schaffen: Zu Besuch auf der 61. Biennale in Venedig

Sie wurde am 9. Mai 2026 eröffnet. Seit 1907 werden in den Giardini Ausstellungsräumen 26 Länderpavillons gezeigt. Die Kuratorin und Namensgeberin Koyo Kouoh starb 2025: „In Minor Keys“, was so viel bedeutet wie „mit leisen Tönen“, betitelte sie die Schau. Ihr Nachfolger P. Buttafuoco öffnete den russischen Pavillon. Das Künstlerkollektiv Pussy Riot ließ diesen 4 Tage lang hinter Rauchbomben verschwinden, die EU kürzte die Gelder um 2 Millionen, die Jury trat zurück und der Hauptpreis, der Goldene Löwe soll erstmalig zum Ende am 22.11.26 vom Publikum ausgerichtet, verliehen werden. Jetzt ist er geschlossen. Schon am Eingang begrüßte der Origamihirsch aus Pokrowsk in der Ukraine von Zann Kardirovs. Auf einem Lastwagen wurde er 3000 Kilometer weit nach Venedig transportiert. Der deutsche Pavillon ist ein bedrückendes Beispiel nationalsozialistischer Architektur. Sung Dieu, die drei Jahre in einem Plattenbau Ostberlins lebte, hat die Fassade mit einem Mosaik gegliedert. Innen zeigt Henrike Naumann Wohnobjekte der ehemaligen DDR. Japan hat viele Puppen produziert und will das Publikum zur Pflege samt windeln anleiten. Im kanadischen Pavillon „Entre Chien et Loup“ laden riesige Seerosen „Victoire“ genannt von Abbas Akhavan zum Schauen ein. Eine Menschenschlange möchte das Spektakel „Seaworld Venice“ der Österreicherin Florentina Holzinger sehen. Die Choreografin lässt nackte Frauen im Wasser Motorrad fahren und dahinter in einer Brühe von Klärwasser atmen. Mit der Glocke am Kran vor dem Eingang imitiert die Performerin ihren Landsmann Wolfgang Flatz. Dieser hat sich Sylvester 1990/91 in der Synagoge in Tiflis mit dem Kopf nach unten zwischen 2 Stahlplatten an einem Seil hin und her schwingen lassen: „Demontage IX“, sollte an Foltermethoden zur Zarenzeit erinnern.

Im deutschen Pavillion zeigt Henrike Naumann Wohnobjekte der ehemaligen DDR Foto: Jens Ziehe/Berlin


Das Arsenale kann gut mit dem Vaporetto angefahren werden. Zwei Wachtürme von 1574 schützten samt Steinmauer die Werften. Da und in der Tana, wo Seile geknüpft wurden, reiht sich ein Werk an das andere: Von Nick Cave zum Tonraum von Laurie Anderson und zahlreichen Kunstschaffenden aus dem afrikanischen Raum: wie Mmakgabo Mmapula Helen Sebidi und Warda Shabbir. Strahlende Farben leuchten in textilen Arbeiten, Thronsessel aus Naturmaterialien wie Luffaschwämmen, Stroh und bunten Bändern geschaffen, Bäume, die geheimnisvolle Schatten an die Wand werfen, begehbare farbige Paravents, Gottheiten und antiken Figuren gleichenden Zeichnungen zeigen eine große Fülle. Auf einer Platte, 50 cm x 10 Meter groß tummeln sich viele kleine Tonfiguren. Regelmäßig begegnen Mensch-Tier Abbildungen. An der Wand springt eine getupfte Figur in kleinem Rahmen, erinnert eine gemalte Frau an Frida Kahlo, daneben pocht ein gemaltes rotes Herz. Die gegenseitige Beeinflussung der Kunstschaffenden aus verschiedenen Erdteilen springt ins Auge. Es gilt viel aufzuholen. Afrikanische Kunst wird mehr und mehr in großen europäischen Häusern gezeigt. Der israelische Pavillon in den Giardini ist wegen Renovation geschlossen. Doch Belu-Simion Fainaru zeigt „Rose of Nothingness“ inspiriert von Paul Celans Todesfuge „Schwarze Milch…“ in einer kleinen Halle. Über dem rund 5 x 5 Meter großen schwarzen Spiegeltuch tropft Wasser in feinen Strahlen aus zehn Stangen. Unter dem Geräusch des Fallens werden Kreise gezogen. Meditation nach der Kabbalah. Über die Straße hat sich Saudi Arabien in drei großen Räumen eingenistet: „May your Tears never dry, you who weep over stones.“ Dana Awarti hat mit seinem Team Bodenmosaike geschaffen. Zum Abschluss ein süßer Gruß aus Malta, wo „Experiments in Love“ and „Revolution“, das Funkeln eines Heldendenkmals aus Schokolade zergehen lassen. Adrian MM Abele, Charli Cauchi und Raphael Vella haben sich von V. Woolf „A Room of One’s Own“ inspirieren lassen. Kollektive Empathie, Räume zum Denken und Neugierde ist ihr Ansinnen. Und es stimmt: Gespräche und Austausch ergeben sich beim Erleben der Werke von mehr als 100 Kunstschaffenden und auch beim Warten auf den Cappuccino.

Foto: Eröffnung von „Seaworld Venice“ der Österreicherin Florentina Holzinger © Helena Manhartsberger

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Andrea-S. Vegh