Interview Tanz

Liebe folgt keinen festen Regeln: Drei Fragen an … Cosima Dudel und Frieda Wagner, Tänzerinnen („Horsey“)

In dem Tanzstück „Horsey“ erforschen Cosima Dudel und Frieda Wagner in Zusammenarbeit mit der Sounddesignerin Karlotta Frank durch Körper,

Liebe folgt keinen festen Regeln: Drei Fragen an … Cosima Dudel und Frieda Wagner, Tänzerinnen („Horsey“)

In dem Tanzstück „Horsey“ erforschen Cosima Dudel und Frieda Wagner in Zusammenarbeit mit der Sounddesignerin Karlotta Frank durch Körper, Bewegung und Bildsprache die Dekonstruktion von Heteronormativität. Dabei eröffnet das Stück neue Perspektiven auf Identität und unser menschliches Miteinander. Wie die Tänzerinnen den Blick auf den eigenen Körper verändern möchten und welche Vorbilder sie dabei in der Natur gefunden haben, beantworten Sie im Interview mit Elisabeth Jockers. Am 13. Juni feiert „Horsey“ Premiere im E-Werk Freiburg.

Kultur Joker: Euer Stück möchte das Fundament für Gleichberechtigung ebnen. Welchen Blick auf den eigenen Körper oder die eigenen Mitmenschen wünscht ihr euch für eure Zuschauer:innen?

Cosima Dudel und Frieda Wagner: Wir wünschen uns, dass sich Personen bestärkt fühlen, sich auszuleben und zu verhalten, wonach auch immer sie streben. Dass die Wandelbarkeit eines Wesens ein Normzustand ist und Mitmenschen sich wertfrei und immer wieder mit offenem Blick begegnen. Die Beziehung zu seinem eigenen Körper ist so vielfältig, individuell und verschieden. Für uns ist es eine Sehnsucht, sich ohne Intention wahrnehmen und berühren zu können. Auf diese Weise begegnen wir uns in horsey und fühlen uns befreit.

Kultur Joker: Der Pressetext erwähnt, dass ihr euch von Lebewesen aus der Natur für alternative Beziehungsbilder habt inspirieren lassen. Welche Dynamiken aus der Tier- oder Pflanzenwelt können uns Menschen als Vorbild für ein vorurteilsfreieres Miteinander dienen?

Cosima Dudel und Frieda Wagner: Die Natur und ihre Lebewesen sind unglaublich queer, und wir Menschen sind darin eingebettet. Ein Tier, mit dem wir uns intensiver auseinandergesetzt haben, sind die Seepferdchen. Sie begrüßen sich täglich mit einem gemeinsamen Tanz, und bei ihnen tragen die Männchen die Babys aus. Generell finden sich in der Tierwelt viele unterschiedliche Lebens- und Beziehungsformen, die weit über unsere westlichen, heteronormativen und binären Vorstellungen hinausgehen. Sie zeigen uns, dass es nicht eine „richtige“ Art zu leben oder zu lieben gibt. Vielfalt ist ein natürlicher Teil des Lebens – und Liebe folgt keinen festen Regeln.

Kultur Joker: Das Stück verspricht einen „sinnlichen Raum, in dem Vielfalt und Verbundenheit erfahrbar werden“. Wie schafft ihr es, dass das Publikum im E-Werk nicht nur zuschaut, sondern diese Intimität physisch mitempfindet?

Cosima Dudel und Frieda Wagner: Wir schaffen Intimität, indem wir die Grenzen zwischen Bühne und Publikum bewusst aufweichen. Durch die Nähe der Körper, klaren und rohen Bewegungen laden wir die Zuschauenden dazu ein, nicht nur zu beobachten, sondern mitzufühlen. Das kann bewirkt werden durch Elemente im Tanz, die sehr haptisch sind. Greifen, drücken und streicheln sind sehr nahbare Bewegungen, welche leicht nachempfunden werden können. Das bewusste Im-Moment-Sein und die Ehrlichkeit, mit der wir unsere Intimität teilen, schaffen dabei eine besondere Verbundenheit.

Kultur Joker: Herzlichen Dank für die Antworten.

Weitere Infos & Tickets: ewerk-freiburg.de

Foto: Johanna Brummack

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Elisabeth Jockers