Der Mann, der das Licht sah: Zum Tod von David Hockney
Er war der ewige Lausbub der Kunstwelt, der Mann mit den zwei verschiedenen Socken, den markanten Hornbrillen und der
Er war der ewige Lausbub der Kunstwelt, der Mann mit den zwei verschiedenen Socken, den markanten Hornbrillen und der unerschütterlichen Weigerung, alt zu werden. Nun ist David Hockney im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Welt nicht nur einen der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern auch einen unermüdlichen Optimisten, der uns das Sehen neu gelehrt hat.
Hockney, 1937 im englischen Bradford geboren, war ein Befreier der Farbe. Während die Kunstwelt seiner Jugend in tiefe, konzeptionelle Ernsthaftigkeit und abstrakten Expressionismus getaucht war, entschied er sich für das Gegenständliche, das Greifbare – und das Vergnügen. Berühmt wurde er in den 1960er-Anjahren mit seinen ikonischen Bildern aus Los Angeles. In Kalifornien fand der bleiche Brite sein gelobtes Land: das flirrende Licht, die hedonistische Freiheit und vor allem das azurblaue Wasser der Swimmingpools.
Sein Meisterwerk A Bigger Splash (1967) fing ein ganzes Lebensgefühl ein: den flüchtigen Moment nach dem Sprung, die statische Architektur im Kontrast zum dynamischen, aufgespritzten Wasser. Hockney machte die Pop-Art nahbar, intim und zutiefst menschlich. Seine Porträts von Freunden und Liebhabern, oft im monumentalen Doppelformat wie Mr and Mrs Clark and Percy, sind Psychogramme einer Epoche, gemalt mit kühler Präzision und warmer Empathie.
Der ewige Avantgardist
Was Hockney von vielen seiner Zeitgenossen unterschied, war seine grenzenlose Neugier. Er weigerte sich, ein Markenzeichen zu verwalten. Als das Polaroid aufkam, schuf er monumentale Fotocollagen („Joiners“). Als das iPad auf den Markt kam, war der über Siebzigjährige einer der Ersten, der mit dem Finger auf dem Bildschirm malte. Diese digitalen Werke – oft leuchtende Landschaften seiner Heimat Yorkshire oder Frühlingsblüten aus der Normandie – zeigten eine fast kindliche Freude am Experiment. „Das iPad ist wie ein unendlicher Skizzenblock“, sagte er einmal schmunzelnd.
„Die Welt ist wunderschön, wenn man sie wirklich anschaut. Aber die meisten Menschen schauen nicht sehr genau hin.“ — David Hockney
Hockneys Kunst war nie elitär. Sie war eine Einladung, die Augen aufzumachen. Er kämpfte gegen die Zentralperspektive, die er als Gefängnis für das Auge empfand, und experimentierte bis zuletzt mit multiperspektivischen Ansichten, um die lebendige Dynamik des menschlichen Blicks auf die Leinwand zu bannen.
Ein Vermächtnis aus Licht und Farbe
In seinen letzten Jahren zog er sich in die Normandie zurück, rauchte Kette, ignorierte den Kunstmarkt und malte einfach weiter. Den Rekord als teuerster lebender Künstler, den er 2018 mit dem Verkauf von Portrait of an Artist (Pool with Two Figures) für über 90 Millionen Dollar aufstellte, kommentierte er mit einem Achselzucken. Ihn interessierte das Machen, nicht das Besitzen.
Mit David Hockney geht ein Titan, der die Kunst demokratisiert hat. Seine Bilder strahlen, sie trösten. Er hat uns gezeigt, dass Moderne nicht steril sein muss und dass die größte Rebellion in einer zynischen Welt manchmal darin besteht, schlicht die Schönheit zu feiern. Das Licht, das er auf seinen Leinwänden eingefangen hat, wird so schnell nicht verblassen.
Bild: Davd Hockney „Portrait of an Artist“ (1972) Foto: David Hockney Foundation



