Letzte Chance: Die GEDOK feiert Geburtstag in den Morat-Hallen
Die höchst angesehene Kunstförderin und aktive Frauenrechtlerin Ida Dehmel gründete 1926 in Hamburg die „Gemeinschaft der deutschen und österreichischen
Die höchst angesehene Kunstförderin und aktive Frauenrechtlerin Ida Dehmel gründete 1926 in Hamburg die „Gemeinschaft der deutschen und österreichischen Künstlerinnen und Kunstfördernden“ (GEDOK). Heute im einhundertsten Geburtsjahr steht das unveränderte Kürzel für den Verband der „Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V.“ und bildet mit seinen 2750 Regionalverbänden europaweit das mit Abstand größte und einflussreichste Unterstützungsnetzwerk für künstlerisch tätige Frauen aus den verschiedensten Kunstgattungen.
Der Freiburger GEDOK-Regionalverband besteht nunmehr seit 64 Jahren und zählt über 200 Mitglieder beiderlei Geschlechts und feiert nun den runden Geburtstag mit einem umfangreichen und vielgestaltigen Festprogramm.
Den angemessenen Auftakt bildete die üppig besuchte Vernissage einer Ausstellung am 17. April mit dem programmatischen Titel „Häutungen“ in der Halle Nord der neu eröffneten Morat-Hallen in der Lörracher Straße 31. In einem ausgehängten Wandtext heißt es dort unter anderem: „Häutung bedeutet Veränderung und Erneuerung. Für engagierte Künstlerinnen ist Häutung ein stetiges sich neu erfinden im Kampf um Gleichberechtigung in der Wahrnehmung, Beachtung und Anerkennung gegenüber ihren männlichen Berufskollegen. Sowohl die Geschichte als auch persönliche Erfahrungen lehren, dass die Künstlerinnen im Ringen um die Verwirklichung ihrer Ziele immer wieder in besonderer Weise zur gesellschaftlichen Reflexion und Selbstreflexion herausgefordert sind. Dadurch entwickeln sich ihre Positionen ständig weiter – gleichsam wie Häutungen.“
Sämtliche Werke der 14 dort ausstellenden Künstlerinnen setzen sich auf unterschiedlichste Weise mit dieser leider immer noch andauernden Realität auseinander und zwei gelungene Performances bei der Vernissage mit den Titeln „einander“ und „ich bleibe, was fällt“ unterstrichen die Problematik, aber auch kollektive Lösungswege. Davon drei Beispiele: Eine besonders originelle Interpretation von „Häutungen“ stammt von Monika Schiwy-Jessen. Im Boden von 100 Fischdosen hat die Künstlerin Farbabfälle, die bei der Restaurierung des Holbeinpferdchens aus der Wiehre anfielen, befestigt und die Dosen in Reihen an der Wand angeordnet. Die Multi-„Häutung“ des Pferdchens durch seine vielfachen Farbschichten versinnbildlichen dessen permanente Erscheinungsverwandlung und die Anzahl 100 verweist auf das GEDOK-Jubiläum.
Die filigran-dünnschalig muschelartige Tonform von Michaela Höhlein-Dolde symbolisiert durch den gegensätzlichen Widerspruch von fleckig-dunkler unebener Außenseite und einfarbig glattem und hellem Inneren abgestreifte Haut und somit Metamorphose.
Die mächtige Rauminstallation von Dorothea Panhuyzen besteht aus mehreren von der Decke hängenden bis zu 12 Meter langen historischen Pianorollen, die in früheren Zeiten selbstspielende Klaviere zum Tönen brachten. Vertikal aufgerollt negieren sie ihre ursprüngliche akustische Aufgabe, obwohl in ihren tonbildenden Perforationen ihre Bestimmung perpetuiert ist.
Häutungen. 100 Jahre GEDOK. Morat-Hallen, Lörracher Str. 31, Freiburg. Do-Fr 16-19 Uhr, Sa-So 11-17 Uhr. Bis 31.05.26
Foto: Blick in die Ausstellung „Häutungen“ in den Morat-Hallen © Simone Rosenow





