Ewigkeitschemikalien im Körperkreislauf: PFAS, TFA und die Frage nach den Folgen für kommende Generationen
Sie ist unsichtbar, extrem langlebig und inzwischen in vielen Umweltbereichen nachweisbar: Tr ifluoressigsäure, kurz TFA, gehört zu den kleinsten
Sie ist unsichtbar, extrem langlebig und inzwischen in vielen Umweltbereichen nachweisbar: Tr
ifluoressigsäure, kurz TFA, gehört zu den kleinsten Vertretern der PFAS-Gruppe, jener Stofffamilie, die wegen ihrer außergewöhnlichen Stabilität auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet wird. Genau diese Eigenschaft, die PFAS für Industrie und Technik so wertvoll macht, wird in der Umwelt zum Problem.
Die europäische Chemikalienagentur ECHA hat nun eine neue Bewertung dieser Substanzen veröffentlicht. Ihr Ausschuss für Risikobewertung (RAC) hat empfohlen, TFA als reproduktionstoxischen Stoff der Kategorie 1B einzustufen. Diese Einstufung bedeutet, dass TFA die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das ungeborene Kind schädigen kann. Außerdem wurde die Substanz als sehr persistent und sehr mobil bewertet, also als Stoff, der extrem lange in der Umwelt verbleibt und sich leicht über Wasser verbreitet. Die Grundlage für diese Bewertung lieferten unter anderem Untersuchungen aus Tierversuchen. Dabei wurden nach TFA-Exposition unter anderem Entwicklungsstörungen bei Nachkommen, Auswirkungen auf das Immunsystem und die Schilddrüse sowie Hinweise auf Veränderungen der Spermienqualität beobachtet.
Die Debatte um TFA trifft dabei auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die Wissenschaftler seit Jahren beobachten: einen Rückgang der Fruchtbarkeit und der Spermienqualität weltweit. Die Ursachen dafür sind komplex und reichen von Lebensstilfaktoren bis zu Umweltbelastungen. Chemikalien mit möglichen Auswirkungen auf Hormonsystem und Fortpflanzung stehen jedoch zunehmend im Fokus der Forschung. TFA ist dabei nicht der alleinige Verursacher, aber ein weiterer Stoff in einer wachsenden Liste langlebiger Umweltfaktoren, deren Folgen erst langsam sichtbar werden.
Politisch führt die Bewertung zu einem bekannten Konflikt. Umweltbehörden argumentieren mit dem Vorsorgeprinzip, denn wenn ein Stoff dauerhaft in der Umwelt verbleibt und sich nicht wieder entfernen lässt, müsse seine Freisetzung begrenzt werden. Die EU diskutiert deshalb seit Jahren eine umfassende Beschränkung vieler PFAS-Verbindungen. Das Wirtschaftsministerium betrachtet ein vollständiges Verbot dagegen kritischer. Hintergrund ist die Bedeutung von PFAS für verschiedene industrielle Anwendungen, etwa in der Pharmaherstellung, bei technischen Spezialanwendungen oder als Bestandteil bestimmter Kältemittel.
Die Geschichte anderer PFAS zeigt allerdings auch, dass Regulierung Wirkung haben kann. Für besonders problematische Stoffe wie bestimmte langkettige PFAS wurden bereits Einschränkungen eingeführt. Messungen zeigen, dass deren Konzentrationen im Blut der Bevölkerung zurückgehen.
Die Frage nach PFAS ist auch eine Frage darüber, welche Belastungen eine Gesellschaft langfristig akzeptiert und welche Verantwortung sie gegenüber zukünftigen Generationen übernimmt.
Foto: Nach Angaben des UBA gelangt TFA unter anderem durch den Abbau bestimmter Pestizide in die Umwelt © pexels/Theo Felten





