Theater

Das Theaterkollektiv Raumzeit zeigt die Uraufführung von „Konradine und Effi – Die Geschichte einer Freundschaft“ im Cargo Theater

Deutsche Uraufführung mit Autorin: Im Juli feierte das Freiburger Theaterkollektiv Raumzeit seine von der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Kinder-und

Das Theaterkollektiv Raumzeit zeigt die Uraufführung von „Konradine und Effi – Die Geschichte einer Freundschaft“ im Cargo Theater

Deutsche Uraufführung mit Autorin: Im Juli feierte das Freiburger Theaterkollektiv Raumzeit seine von der Baden-Württemberg-Stiftung im Rahmen des Kinder-und Jugendliteratursommers geförderte Premiere von „Konradine und Effi – Die Geschichte einer Freundschaft“ im Cargo Theater, extra dafür angereist war die vielfach ausgezeichnete Dramatikerin und auch Schauspielerin Hanna Valentina Röhrich, deren 2021 in Graz zum ersten Mal aufgeführtes Stück für den Retzhofer Dramapreis nominiert wurde und den nbv-Dramatikerinnenpreis gewann. Lena Drieschners knapp einstündige Inszenierung funktioniert dann mit reduzierten Bühnenmitteln, viel Poesie und Witz für Jugendliche wie Erwachsene, erzählt Protagonistin Konradine (Nic* Reitzenstein) hier doch in der Rückschau von einer ganz besonderen Freundschaft samt existentieller Erkenntnis. Das schafft leise Melancholie…
„Geschichten sind wie Flecken, manche kleben an einem“ – so auch ihre mit Effi (Christiane Waak). Man sieht die beiden durch einen Bilderrahmen wie im Fotoautomaten lustige Grimassen schneiden. Und weil ihr Kennenlernen für Konradine im Nachhinein der Anfang einer Befreiung ist, passt David Hasselhofs „Looking für Freedom“ umso besser: In witzigen Insektenkostümen hüpfen sie bei der Faschingsparty ungelenk und ausgelassen dazu über die Bühne – eine Wanze mit rosa Punkten und ein Marienkäfer, wenn das mal ein Zufall ist! Die Granatäpfel in Omas Garten sind für Konradine Symbol ihrer Beziehung: süß und wild, voller Versprechungen, jeder Moment ein Diamant, einen viel zu kurzen Sommer lang. Erst werden die beiden Brieffreundinnen, meterlang schlängelt sich das Klopapier von der Rolle, während sie sich abwechselnd vorlesen. Dann die erste Verabredung…
Authentisch und immer mit einem funkelnden Zauber werden nun ihre kleinen Abenteuer schnell geschnitten in Szene gesetzt: Wie sie sich heimlich schminken, eine Bude bauen, im Garten übernachten, Streiche aushecken und Spiele erfinden.
Ein super Team, das es faustdick hinter den Ohren hat, voll verrückter Ideen steckt und aufregende Stunden erlebt, in denen auch stille Momente sein dürfen. Nähe prickelt, Vertrauen wächst. Berührend und mitreißend, wie das Nic* Reitzenstein und Christiane Waak zusammen zum Leben erwecken, ganz offenherzig, ohne Peinlichkeit und Pathos. Der Dritte im Bunde ist immer wieder Nachbarsjunge Viktor, hier per kleinem Objekttheater als Nussknacker. „Ihr zwei seid doch gaga und außerdem wissen doch sowieso alle, dass ihr verknallt seid!“, platzt er nach einem Streit heraus. Sein Ausruf verändert alles zwischen den Freundinnen, verschiebt für Konradine sämtliche Kontinentalplatten. Und so schreibt sie Effi einen Liebesbrief…
Eine flügelzarte Geschichte über erste Verliebtheit an der Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenwerden, die queeres Coming-Out – so selbstverständlich wie nahbar als mobiles Klassenzimmerstück auf die Bühne gebracht.

Foto: Nic* Reitzenstein & Christiane Waak Foto: Sévérine Kpoti

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Marion Klötzer