Ein später Nachruf auf die Künstlerin und Humanistin Pilar Buira Ferre: „Ich lebe, wie ich tanze”
Bereits im März dieses Jahres ist die 1961 in Lleida/Spanien geborene kosmopolitische Tänzerin und Philantropin Pilar Buira Ferre nach
Bereits im März dieses Jahres ist die 1961 in Lleida/Spanien geborene kosmopolitische Tänzerin und Philantropin Pilar Buira Ferre nach schwerer Krankheit verstorben.
Ihre kulturelle Heimat und Städte wie Buenos Aires, Cannes, Paris und in Deutschland die berühmte Folkwang-Schule in Essen mit Pina Bausch als Lehrerin zählten zu den Stationen ihrer profunden Tanzausbildung. Pilar, wie man sie wunschgemäß kurz und bündig nennen sollte, zog lange Zeit mit verschiedenen Tanzkompanien und Tanztheaterensembles, aber auch eigenen Produktionen in der Welt herum. Sie arbeitete als Dozentin für modernen Tanz an der Folkwang-Schule ihrer ehemaligen Ausbilderin und als Tanzpädagogin und Choreografin am Theater Total in Bochum. Sie hatte also sämtliche Seiten des Kulturbetriebs mit Erfolg durchlaufen und einer internationalen Karriere stand eigentlich nichts im Wege.
Und trotzdem: „Ich wollte frei von allen institutionellen Zwängen eine Stätte der kulturellen Begegnung und des freien Austauschs für Menschen ohne jede Abgrenzung oder Beschränkung schaffen.“
Sie suchte lange nach dem richtigen Ort für ihren Traum und fand ihn in dem Anwesen Rosenhof in Schwand, einem Ortsteil von Tegernau auf den Schwarzwaldhöhen des Kleinen Wiesentals.
1999 hielten Pilar und der Arzt Andreas Vogel mit ihren beiden Töchtern Einzug im Rosenhof, in dem noch viel Arbeit des Renovierens und Neubaus auf sie wartete.
Aber bald schon organisierte sie erste Konzerte und parallel zum Kulturbetrieb entstand eine naturkundlich-osteopathische Praxis, in der nicht nur Patienten behandelt wurden, sondern sie war auch Ziel von Ärzten und Therapeuten von überall her, die sich für diese spezielle Behandlungsmethode interessierten. Diese rasante Entwicklung konnte vor allem durch Pilars externe Arbeit als Choreografin, Tänzerin und Tanzperformerin finanziert werden.
2003 folgte dann der nächste wichtige Schritt: Pilar gründete mit anderen entschlossenen Kulturfreunden den Verein „Kulturraum Rosenhof“ und nach und nach entwickelte sich ein breites Spektrum von Veranstaltungen mit Kammerkonzerten, Theateraufführungen, modernen Tanzperformances, Kunstausstellungen, Tanz- und Malworkshops sowie Zirkus- und Theaterprojekten für Kinder.
Absolutes Highlight: Das alljährliche große Tanzfestival, wofür Pilar aus ihrem Bekanntenkreis Tanzkompanien und Solokünstler aus Europa und auch Übersee gewinnen konnte, die ihr eigenwilliges Projekt gerne unterstützen wollten.
So konnte sich der Rosenhof vom Insidertipp zu einer gut besuchten und beachteten Kulturstätte mausern.
Dann verließ sie und ihre gleichgesinnten UnterstützerInnen leider das Glück der Tüchtigen: Die für Veranstaltungen hergerichtete und ausgebaute ehemalige Scheune brannte 2010 komplett ab und mit ihr auch der Kostümfundus, die integrierten Ausstellungsräume und der Wintergarten. Dieser bittere Rückschlag konnte Pilar nicht entmutigen: Sie kreierte „In Zeit Sprung“ – ein Tanztheaterprojekt für Frauen und Männer über 40. Die Teilnehmenden erleben innerhalb von sieben Monaten einen Mix von Workshops in den Sparten Tanz, Malerei, Gesang und Bodypercussion. Das Experiment sollte die Beteiligten einladen, sich selbst als kreative Persönlichkeiten näher zu kommen, in sich selbst also „den Künstler zu entdecken“, wie Pilar gerne sagte. Am Ende wurden die Ergebnisse jeweils in Form von Tanzperformances vor Publikum dargestellt. In jedem Jahr waren die Klassen von „In Zeit Sprung“ gut besucht und allseits beliebt.
Die Entwicklung des Rosenhofs nach jenem Rückschlag war gekennzeichnet durch die Erweiterung des bisherigen Veranstaltungs- und Angebots-Spektrums. Im Haus der Gesundheit dreht sich alles um spezielle humanistische Medizin-Ansätze und durch den Bau von Mietwohnungen soll das solidarische Zusammenleben von Familien und Einzelpersonen bewusst generationenübergreifend ermöglicht werden. Den organisatorischen Rahmen setzt die zwischenzeitlich gegründete „Fondation Rosenhof“, die als „selbstlos tätige Stiftung“ nicht vorrangig eigenwirtschaftliche Interessen verfolgt. Bei all dem war Pilar immer kreativer Mittelpunkt und Motor. Sie lebte ihre oft geäußerte Überzeugung: „Es ist möglich, die Vision einer Insel der Freiheit zu realisieren.“
Der Rosenhof – aber auch die gesamte Region – hat eine vielseitige, selbstbewusste, überaus geistreiche und wirkungsvolle Akteurin verloren. Möge ihr Erbe in ihrem Geiste weitergeführt werden.
Foto: Ihr Leben widmete Pilar dem Tanz © Kulturraum Rosenhof




