Landwirtschaft ist die Quelle jeder Kultur: Im Gespräch mit Christoph Wasser, Initiator des Höfe-Festivals
Christoph Wasser, Landwirt und Begründer der 2022 gestarteten Online-Plattform Marktplatz LandKultur, ist auch Initiator der Höfe-Festivals. Bereits zum 5.
Christoph Wasser, Landwirt und Begründer der 2022 gestarteten Online-Plattform Marktplatz LandKultur, ist auch Initiator der Höfe-Festivals. Bereits zum 5. Mal stellt das Festival vom 25. bis zum 27. September bäuerliche Landwirtschaft ins Zentrum und baut eine Brücke zwischen Landwirten und Verbrauchern auf dem Gelände der Rainhofscheune in Kirchzarten. Elisabeth Jockers befragte Christoph Wasser im Vorfeld des Festivals.
Kultur Joker: Das Motto in diesem Jahr lautet „Zwischen Tradition und Zukunft, bäuerliche Landwirtschaft in Südbaden“. Warum ist Ihnen dieser Spagat so wichtig?
Christoph Wasser: Zum 5. Höfe-Festival von Marktplatz LandKultur möchte ich ein Zeichen setzen. Der Erhalt unserer bäuerlichen Landwirtschaft ist längst nicht mehr selbstverständlich. Die Rahmenbedingungen werden immer enger und gesellschaftlich werden Narrative entwickelt, die weit entfernt sind von Realitäten im natürlichen Zusammenleben mit der uns umgebenden Natur.
Kultur Joker: Erläutern Sie das bitte genauer.
Christoph Wasser: Unsere Landschaft ist eine reine Kulturlandschaft, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Damit reiht sich jeder landwirtschaftliche Betrieb in eine Tradition ein, auf die er seinen Betrieb als Basis aufbaut. Landwirtschaft ist aus sich heraus im positiven Sinne etwas Konservatives. Wenn beispielsweise ein Getreide-Züchter neue Sorten entwickelt, so kann es über Jahre gehen, bis er zu seinen Zielen kommt. Oder der Waldbauer, der die Arbeit seiner Großeltern erntet und den Wald für seine Enkel pflanzt und pflegt. Landwirtschaft ist damit entgegensetzt zu unserer schnelllebigen Zeit.
Bäuerliche Landwirtschaft wird nach wie vor für Werbung verwendet und soll ein glückliches Bild für den Verbraucher hergeben. Leider entsteht daraus kein Handeln im Einkaufsverhalten. Mir ist es ein Anliegen, auf unsere regionalen Betriebe aufmerksam zu machen.
Kultur Joker: Das LandKultur-Zelt ist ein besonderer Ort des Festivals, in dem persönliche Geschichten erzählt werden – von Wurmhumus über Aussteiger-Anekdoten bis hin zu Romanen von Landwirten. Was macht die Atmosphäre in dieser Erzählrunde so einzigartig?
Christoph Wasser: Nun ja, wir leben heute in einer Wissensgesellschaft. Mit dem LandKultur-Zelt möchten wir, dass bäuerliche Erfahrungen durch Erzählungen persönlich erlebbar werden. In Südbaden haben wir ein hohes Potential an Kreativität auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben. Das LandKultur-Zelt ist die Bühne, auf der diese Kreativität sichtbar wird und nebst den Vortragenden genügend Zeit für das Gespräch bleibt.
Kultur Joker: Ihre persönliche Devise lautet „Landwirtschaft sichtbar machen“. Ein Großteil der Angebote läuft auf Spendenbasis. Was treibt Sie persönlich an, jedes Jahr aufs Neue so viel Herzblut in dieses Festival zu stecken?
Christoph Wasser: Landwirtschaft ist die Quelle jeder Kultur und das schleichende Verschwinden der Betriebe ist ein riesiger Verlust. Ich bin selber gelernter Landwirt / Bauer, hatte keinen eigenen Landwirtschaftlichen Betrieb, sondern war, in meinen Wurzeln als „Ruhrpötter“, in meinem vorherigen beruflichen Leben in einer landwirtschaftlichen Selbsthilfeorganisation für Südbaden tätig. Seit dreißig Jahren begleite ich die Entwicklungen unserer Landwirtschaft in Südbaden und beobachte die ständige wachsende gesellschaftliche Entfremdung zu dem, was bäuerliche Landwirtschaft bedeutet. Immer weniger Menschen haben noch realen Kontakt zu landwirtschaftlichen Betrieben, weil es beispielsweise immer weniger Betriebe gibt, also auch familiäre Verbindungen weniger geworden sind. Wenn ich diese Zusammenhänge erlebe, dann ist es für mich als Landwirt selbstverständlich, mich weiterhin für den Berufsstand, aber auch für die Verbraucher, einzusetzen.
Kultur Joker: Lieber Herr Wasser, vielen Dank!
Foto: Christoph Wasser © Marktplatz Landkultur




