„Ich male einfach Striche“: Das Zentrum Paul Klee in Bern zeigt die Künstlerin Anne Loch
Rund siebzig Werke zeigt die Ausstellung „Anne Loch. Malerei: Na und?“ im Paul Klee Zentrum Bern. Anne Loch wurde
Rund siebzig Werke zeigt die Ausstellung „Anne Loch. Malerei: Na und?“ im Paul Klee Zentrum Bern. Anne Loch wurde 1946 in der Kreisstadt Minden, im Bezirk Detmold geboren. An der Kunstakademie Düsseldorf war sie Meisterschülerin des humorvollen Konzeptkünstlers Klaus Rinke, reiste nach Ravenna und Venedig, lebte vier Jahre in Neapel, wo sie im Goetheinstitut ausstellte. Anfang der 1980er Jahre zeigte sie ihre Werke unter anderen mit Peter Fischli und Rosemarie Trockel. Sie malte monumental: Blumen und Landschaften, hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Köln, Aachen und Bonn. Die Neuen Wilden wie Günter Förg und Martin Kippenberger sind ihre Kunstkollegen. 1988 nach der Trennung von Ehemann und zwei Adoptivkindern zieht sie ins schweizerische Thusis, das 700 Meter hoch im Kanton Graubünden liegt.
Sie malt weiterhin großformatig: See- und Berglandschaften wie AL221, die sie wie alle ihre Bilder numeriert. Sie betitelt keines ihrer Werke. Erinnerungen an E.L. Kirchners Davoser Landschaften der 1920er Jahre werden wach, wenn sich auch die Farben diametral unterscheiden. Acryl auf Nessel und auf Leinwand wird Anne Lochs bevorzugtes Malmaterial. Überdimensional große Rosen füllen den Malgrund und, so wie sie im Paul Klee Zentrum gehängt sind, tauchen sie den Raum zwischen den Stellwänden in ein unausweichlich rotes Farbenmeer. Die Berner Galerie Friedrich stellte ihre Werke mehrmals aus. Kein Wunder, haben sie doch die Landschaft, die Blumen und manchmal auch die Tiere der Schweizerischen Alpenlandschaft zum Thema. Sie fotografierte in dieser, vergrößerte ins Monumentale und näherte sich so auch einer Warholschen Bildauffassung. Dabei betonte sie: „Ich male einfach Striche und ihr Verhältnis zueinander“. „Na und?“ „Im Fokus der Ausstellung steht Lochs Umgang mit Größe, Nähe, Leere, Fläche und Durchlässigkeit …“, so die Kuratorin Amelie Joller. Anne Loch hat während ihrer Zeit in der Schweiz rund 500 Werke gemalt, insgesamt rund 1400 Gemälde sowie Papier- und Fotoarbeiten. 1994 folgten Ausstellungen in Trento u. a. mit Karin Kneffel, 1995 Filmskizzen Anarche und Der Tag, darunter wenige Selbstporträts. Zurück in Duisburg entstanden eine Art Sehnsuchtsbilder mit weißem Hintergrund: Schafe, Rehe, Bäume, Blumen und Landschaften.

Anne Loch: „AL 1431“, 2010, Acryl auf Leinwand, Nachlass Anne Loch Foto: Dominique Uldry, BernDer Permanentmarker wurde ein weiteres Malutensil. Sie schrieb an ein fingiertes und geliebtes Gegenüber und fotografierte viel. Ihre Texte liegen handschriftlich vor. Ihr letztes Lebensjahr verbrachtet Anne Loch im Bergell in der Schweiz, umgeben von Freunden. Aus der Schau seien einige Werkgruppen herausgegriffen: die zu einem Viereck komponierten Früchte wie Traubendolden, Birnen und Zwetschgen, garniert mit Rosen, die von der Grundstruktur Viereck und Quadrat ausgehen aus den Jahren 1990 und 1991. Kontaktabzüge des Films „250 Selbst“ von 1992, auf denen sich die Künstlerin im Brustporträt en face und im Profil zeigt. Und schließlich kleinformatigere Arbeiten in Lack und Gouache auf Papier aus dem Jahr 1997. Gleich einer empathischen Forscherin hat Anne Loch jeweils einen Schmetterling oder eine Heuschrecke auf einem Blumenblatt dargestellt. Der Hintergrund besteht aus einer abstrakt gestalteten Farbwand, deren Pinselstriche sich nestartig um das Geschehen legen. Und schließlich vor grell rosarot, gelbweiß und blau leuchtendem Hintergrund 15 x 21 cm kleine Fotoarbeiten. Eine zeigt einen kapitalen Hirsch auf einer Lichtung: Synapse 4 1/3 1995. Auf einer anderen schlingt sich übergroß eine orangerote Rose über ein moosfarbiges Hirschgeweih und dem Waldstück dahinter: Synapse 5, 1/3 1995. Die Abbildungen im reichbebilderten Katalog lassen staunen, die Originale in Bern laden darüberhinaus zur Diskussion ein. Am besten vor den Originalen. Der Nachlass, rund 1500 Werke befindet sich in privater Hand in Bern und in Bondo in Graubünden.
Anne Loch. Malerei: Na und?. Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, Bern, Schweiz. Bis 20.09.26
Foto: Anne Loch: „AL 235“, 1987, Acryl auf Nessel, Nachlass Anne Loch Foto: Dominique Uldry, Bern




