Letzte Tage: Victor Schoelcher – Reisender und Abolitionist im Museum Fessenheim
Im Zuge mehrerer Reisen durch britische und französische Kolonien lernte Victor Schoelcher (1804-1893) die Sklaverei kennen, hat sie anklagend
Im Zuge mehrerer Reisen durch britische und französische Kolonien lernte Victor Schoelcher (1804-1893) die Sklaverei kennen, hat sie anklagend beschrieben und dann politisch bekämpft; 1848 initiierte er in der französischen Nationalversammlung das „Dekret zur Abschaffung der Sklaverei“ („Décret d’abolition“), als Mitglied der demokratisch-sozialistischen Fraktion „Montagne“. Im Sinne der Bürger- und Menschenrechte von 1789 wurden die freigelassenen Sklaven zu wahlberechtigten Staatsbürgern, die Kämpfe waren aber nicht beendet.
Ein kleines Museum im elsässischen Fessenheim, aus dem Schoelchers Eltern stammen, beleuchtet den Lebenslauf dieses Politikers und zeigt momentan die Sonderausstellung „Le Mexique vu par Victor Schoelcher“. Er wuchs in Paris auf, verkehrte dort nach der Schulzeit in künstlerischen Kreisen, lernte aufgeklärte Denker:innen wie George Sand und Franz Liszt kennen. Als Erbe eine Porzellanfabrik begab er sich auf Geschäftsreise nach Mexiko und in die amerikanischen Südstaaten (1829-31), begann anschließend in Frankreich für die Abschaffung der Sklaverei zu kämpfen und verkaufte seine Fabrik. 1840/41 bereist er Guadeloupe, Martinique und Haiti (das einzige damals seit rund vierzig Jahren von den Ketten der Knechtschaft befreite Land); auf dem Weg von Puerto Rico nach Kuba verfasste er die Schrift „Des colonies française. Abolition immédiate de l’esclavage“. Zwar erreichte er 1848 das „Dekret zur Abschaffung der Sklaverei“, doch ein Staatsstreich torpedierte 1851 vorerst seine Ziele, wie u.a. Victor Hugo ging er ins Exil, nach Belgien und England. Erst 1870, am Herrschaftsende von Napoleon III., kehrt er nach Paris zurück und vertritt in der Nationalversammlung nun Martinique. 1875 zum Senator ernannt, verteidigte er auch Frauen- und Kinderrechte.
Über seine Reise nach Mexiko, der momentan eine Sonderausstellung gilt, berichtete er im Jahr 1829 u.a. in Briefen; mit europäischem Blick beschreibt er Mexiko-Stadt sowie Aspekte der mexikanischen Kultur, Essensgewohnheiten, Volksfeste, Rituale sowie ein feierliches Verhältnis zum Tod, das Europäer heute noch erstaunen kann. Bald danach wird er zum vehementen Abolitionisten. Das Museum Schoelcher in Fessenheim ist in der Region „Grand Est“ eine von fünf Stationen auf der „Straße zur Abschaffung der Sklaverei“ (w.abolitions.org), zu der auch die „Maison de la Négritude“ in Champagney gehört. Es befindet sich in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert und zeigt Originalausgaben von Büchern, Zeitungen sowie Briefe, Karten, Bilder, Porzellan und verschiedene Objekte, mit denen Sklaven befehligt und gequält wurden. Saaltexte und digitale Medien führen in der Thematik weiter.
„Le Mexique vu par Victor Schoelcher“. Musée Victor Schoelcher, 21 rue de la Libération. F – 68740 Fessenheim. Bis 20.09.26
Foto: Portrait Victor Schoelcher: Ein Gemälde von Henri Decaisne, 1833 © Ville de Fessenheim




