Kunst

Das Kunstmuseum Basel zeigt „The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869-1939“

Das Kunstmuseum Basel zeigt im Neubau rund achtzig Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Fotografien zum Thema gleichgeschlechtlichen Begehrens.

Das Kunstmuseum Basel zeigt „The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten 1869-1939“

Das Kunstmuseum Basel zeigt im Neubau rund achtzig Gemälde, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Fotografien zum Thema gleichgeschlechtlichen Begehrens. Dieses ist wohl universell und so alt wie die Menschheit. Im deutschen Sprachraum verwendeten erstmals 1869 ein Jurist und ein Journalist den Begriff „homosexuell“. Karl Maria Kertbeny prägte in zwei anonym verbreiteten Flugschriften die Begriffe „homosexual“ und „heterosexual“. Für ersteres forderte er Straffreiheit.
Der Journalist Karl H. Ulrichs beschrieb das „dritte Geschlecht“ den „Urning“, den Mann mit gleichgeschlechtlichem Begehren. Entsprechend ist „Urninde“, die Frau zu bezeichnen. Die erstmals 2025 in Chicago gezeigte Ausstellung zum Thema wurde von Jonathan D. Katz, der auch zur Eröffnung in Basel angereist ist, kuratiert. In Basel wurde die Ausstellung – wesentlich kleiner – doch ebenso mit globalen Leihgaben, von den Kuratorinnen Rahel Müller und Lea Schaller adaptiert. Sie zeigt Werke zum Thema im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre. In sechs Sektionen werden Werke bildender KünstlerInnen und SchriftstellerInnen gezeigt, die sich offen mit homosexuellen und trans-Identitäten auseinandersetzten. Dies mit Aktdarstellungen vornehmlich junger Männer im idealen Stil der griechischen Antike wie von Gustave Courtois und Ludwig van Hofmann und, ganz poetisch von David Paynter und Paul Camenisch. Außereuropäisch war gleichgeschlechtliche Sexualität weitgehend akzeptiert. „Frühlingsbilder“, die japanischen „Shunga’, zeigen oft auf demselben Blatt homo- und heterosexuelle Liebensszenen, zumindest bis zur Meji-Restauration 1968. Auch in Lima, der Hauptstadt von Peru galt Toleranz.

Ludwig von Hofmann: „Nackte Fischer und Knaben am grünen Gestade“, 1900 © Museum der bildenden Künste Leipzig

Ein diskretes Beispiel eines männlichen Paares zeigt „La Blanchisseuse, Die Wäscherin“, 1879 von Pascal Dagnan-Bouveret. Die Titel gebende Figur sitzt auf einer Bank während zwei Herren mit Zylinder und Mantel eingehakt vorbeispazieren. In inniger Verbindung präsentiert der Maler Jacques Emile Blanche 1890 sich und Raphael de Ochoa, dessen Hand auf der Schulter seines Freundes ruht. Homosexualität bei Frauen wurde gerne mit der Bezeichnung „Freundinnen’ bezeichnet. Da weilen die Schauspielerin Sarah Bernhard und Louise Abéma, Malerin des Impressionismus und der Belle Époque hoheitsvoll entspannt in einem Kahn während zwei junge Schwäne auf dem See treiben. Herausfordernd nackt blickt die Marchesa Casati vor einem dunklen Tuch aus dem Bild, das Romain Brooks von ihrer Freundin in Lebensgröße 1920 gemalt hat. Die Büstenplastik „La Confidance, das Geheimnis“ der Schwedin Ida Matton, vermutlich ein Selbstporträt mit ihrer Partnerin, der Opernsängerin Elyda Russel, bezeugt die physische Nähe der beinahe zu einer Einheit verschmelzenden unbekleideten Oberkörper.
Der 1975 in der Schweiz geborene Künstler Marc Bauer erweitert die Präsentation mit seinem großflächigen Projekt im Durchgang zum Altbau. „Fear Rage Desire, Still Standing“, in dem er Details von Werken eines Hieronymus Bosch (15. Jh.) und Nasta Rojc (20. Jh.) monumental integriert hat. Dazu zeigt er Fotos aus dem Internet und Archivmaterial. Damit lädt er zusätzlich zur Ausstellung zu Selbstreflexion und zum Austausch ein.

The First Homosexuals. Kunstmuseum Basel, St. Alban-Graben 8, CH-4010 Basel. Di ,Do-So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr. Bis 02.08.26

Foto: Nasta Rojc: „Selbstporträt in Jagdkleidung“, 1912. National Museum of Modern Art, Zagreb, Croatia. Foto: Goran Vranic © National Museum of Modern Art, Zagreb

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Andrea-S. Vegh