Feenstaub-Riffs: Die Freiburger Punkband „Tekknobier“ hat ihr erstes Album veröffentlicht
Punk ist Irokesenschnitt. Lederjacken. Metallene Accessoires. Provokativ, antiautoritär und antifaschistisch. Doch wie provokant kann Punk in Freiburg sein, dieses
Punk ist Irokesenschnitt. Lederjacken. Metallene Accessoires. Provokativ, antiautoritär und antifaschistisch. Doch wie provokant kann Punk in Freiburg sein, dieses sich als so linksliberal verstehende Städtchen woker politischer Korrektheit? „Freiburg ist nicht Thüringen, wir können hier Dinge tun, die dort undenkbar wären“, räumt Christoph Duepper von der Freiburger Punkband „Tekknobier“ ein, der dort für Drums & Loops zuständig ist. Eher unwahrscheinlich, dass ein Höcke-Mob hier Konzertbesucher:innen oder Punk-Bands auf dem Nachhauseweg auflauert. Was jedoch nicht heißt, dass es hier nichts zu kritisieren gäbe, Provokation nicht möglich wäre. „Wir wollen die Freiburger Blase empfindlich stören“, so Christoph mit einem Lächeln. „Von der wir selbst Teil sind und in der wir gerne leben“, ergänzt Thorsten Mozer, der zwischen Vocals und Bariton-Saxofon wechselt. Christoph scheint da etwas ambivalenter. „Jein, klar lebe ich gerne hier. Aber der Wohlstand ist schon sehr selbstgerecht, er ist meistens nicht erarbeitet. Man vertritt Ideale, die nur über Verzicht funktionieren würden, doch wer verzichtet denn wirklich? Ich nehme mich da gar nicht raus. Punk braucht Frustration, Wut.“ Thorsten ergänzt: „Wir hinterfragen uns selbst, wir haben ein konservatives Leben gewählt und wollen auch keine Abstriche machen.“ Damit geben sie dem Punk hier eine eigene, quasi Freiburger Existenzberechtigung. Christoph: „Wir sind alle gegen Nazis, aber das haben andere schon oft genug erzählt.“ Thorsten fügt an: „Und auch besser.“ Dieses Narrativ ist in Thüringen aktuell wichtiger und gleichzeitig gefährlicher zu vertreten.
Sie sehen sich eher als eine Art Till Eulenspiegel. Wenn die zwei Freiburger in der Selbstkritik vielleicht doch einmal zu heftig werden und der Schwank verloren zu gehen droht, dann bremst sie das dritte Bandmitglied aus Bern: Simon Weber, der Gitarrist. „Ich wollte mal den Begriff ‚verlogen‘ mit Blick auf die Freiburger Blase verwenden, den hat er mir nicht durchgehen lassen“, sagt Christoph lachend. Simon ist beim Interview nicht dabei, denn er muss YouTube-Videos schauen. Um Gitarre zu lernen. „Simon ist Feenstaubgitarrist. Als ich ihn bei einer Zugfahrt kennengelernt habe, hieß es, der kann noch gar nicht so richtig Gitarre spielen. Er bringt sich das aber sehr erfolgreich selbst bei.“ Christoph grinst und ergänzt: „Wobei das einfach eine Lügengeschichte sein könnte, die mir die zwei aufgebunden haben.“ Till Eulenspiegel lässt grüßen.
Vielleicht hilft den drei Musikern ihr eigenes Dazwischen-sein. Denn für eine echte, Ur-Punkband seien sie zu jung. Für ihr frisches Gründungsdatum im März 2024 jedoch schon fast wieder zu alt. Und was überhaupt soll „Tekknobier“ bitte bedeuten? „Tekkno steht für die Power, das Elektronische. Bier ist einfach klassisch für Punk, da muss man sich nichts vormachen“, stellt Thorsten fest. Wobei sie genau das in ihrem Song „Champagner Punk“ persiflierten. „Wir können ja gar keine Punks sein, wenn wir Sekt trinken“, schmunzelt Thorsten. Im KOHI in Karlsruhe war einer ihrer Auftritte unter dem Stichwort „EBM-Punk“ angekündigt, sie selbst haben schon von „Glitzer-Punk“ gesprochen. Große Ziele wollen die zwei nicht ausrufen, es sei einfach auch ein Ventil für ihr eigenes, bürgerliches Leben und das ist ihnen bewusst. Thorsten: „Der Sweet Spot wäre, nicht draufzahlen zu müssen.“ Der Traum: Eine Japan- oder China-Tour zu machen. In letzterem Land sollten sie dabei aufpassen: Im Vergleich dazu ist selbst Thüringen (noch) ein Ort antiautoritärer Freiheit.
Das Album „KÜNDIGEN” ist seit dem 22. Mai 2026 auf allen bekannten Plattformen verfügbar. Nächste Konzerttermine: 9.10., KOHI – Karlsruhe, 12.11., Waldsee – Freiburg.
Foto: Tekknobier v.l.n.r.: Simon Weber, Thorsten Mozer und Christoph Duepper © Tekknobier





