Kunst

Alptraum und Wirklichkeit: „José Muñoz: Broken Voices“ im Basler Cartoonmuseum

Zur Eröffnung der reichhaltigen Retrospektive des mit dem renommierten Grand Prix des Comicfestivals Angoulème ausgezeichneten Künstlers kam der in

Alptraum und Wirklichkeit: „José Muñoz: Broken Voices“ im Basler Cartoonmuseum

Zur Eröffnung der reichhaltigen Retrospektive des mit dem renommierten Grand Prix des Comicfestivals Angoulème ausgezeichneten Künstlers kam der in harten Schwarz-Weißkontrasten Zeichnende mit seiner Übersetzerin aus dem Spanischen. Mit dabei waren die Ehefrau, die Tochter und der 17jährige Enkel des 1942 geborenen und in den 1970er Jahren aus der argentinischen Militärdiktatur nach Europa Emigrierten. Gemeinsam mit seinem Landsmann, dem Autor Carlos Sampayo schuf er einen Meilenstein in der Comicgeschichte: Hardboiled-Storys um den Privatdetektiv und Ex-Polizisten Alack Sinner, den „Sünder“. Er erfüllt alle Klischees seiner Zunft, ist desillusioniert, einsam und Alkoholiker. Die 1975 begonnene Geschichte geht über Jahrzehnte. Scharfe Gesellschaftskritik wie diejenige an Rassismus und Korruption ergänzt die Kriminalgeschichte und nimmt Bezug auf den Vietnamkrieg und den verheerenden Anschlag von 9/11. Sein Stil ohne Schraffuren hat keine Zwischentöne und vermengt Alptraum und Wirklichkeit. Weitere Themen sind „Joe’s Bar“ und „Sophie going South“, die mit herbem Humor Xenophobie, Drogen und Kriminalität zum Thema haben. In den Illustrationen der Texte von Albert Camus wie „Der Fremde“ und „Der erste Mensch“ wird der Strich weicher wie in der Darstellung eines Kindes und eines Greisen. Später entstehen Geschichten von Buonos Aires, der Pampa und vom Tango Leidenschaftlich tanzt ein schlangenartig sich umwindendes Paar in groβer Sanftheit miteinander: „Ohne Titel“, wurde es veröffentlicht in „la Pampa y Buenos Aires. De chair e de poussieres“. Besonders der Jazz hat es José Muñoz’ angetan. Das einfühlsame Porträt von Thelonious Monk am Klavier und aufsteigendem Rauch seiner Zigarette zeugt davon ebenso wie die singende Billie Holiday, 1991, deren Gesicht täuschend echt in Bewegung geraten ist. Sie singt mit der gebrochenen Stimme der Unterdrückten, der Frauen, der Ausgestoßenen, der Afro­amerikanerInnen. Eindrücklich sind auch die weniger bekannten malerischen Farb­arbeiten im oberen Saal, die von José Muñoz’ genauer Kenntnis eines van Gogh und dessen fahrigem Pinselduktus zeugen. Manche entfalten ihre Wirkung in Aquarell, Tinte und Ölpastellkreiden auf Papier.

José Muñoz: Broken Voices. Cartoonmuseum Basel, St. Alban-Vorstadt 28, 4052 Basel. Bis 21.06.26

Foto: José Muñoz: „Gentle Alack with a wild bison stampede inside his mind“, 2018–2022, Courtesy Bicocchi Collection © José Muñoz

About Author

Andrea-S. Vegh