Schwebende Klänge, atmende Farben: Drei Fragen an … Gerda Iguchi, Mezzosopranistin (LIEDBasel 2026)
Sie studiert klassischen Gesang an der HfM Karlsruhe, ist mehrfache Wettbewerbspreisträgerin und lernte von Größen wie Brigitte Fassbaender oder
Sie studiert klassischen Gesang an der HfM Karlsruhe, ist mehrfache Wettbewerbspreisträgerin und lernte von Größen wie Brigitte Fassbaender oder Vivica Geneaux. Doch wer bei der Mezzosopranistin Gerda Iguchi an ein rein traditionelles Repertoire denkt, liegt daneben, denn seit 2023 sprengt sie Genregrenzen: Nach ihrem preisgekrönten Crossover-Bachelor DIDO?! (Purcell trifft Igorrr) und dem fulminanten OPUS BRAIN im Karlsruher Tempel, interpretiert sie nun Wagners Wesendonck-Lieder völlig neu. Auf ihrem Album Wesendonck.Synthetisch verschmelzen die Klassiker mit elektronischem Synth-Ambient. Die Single Träume brachte ihr bereits den Publikumspreis der ArtSongChallenge 2025 ein – und mit genau diesem Set, erweitert zu einer Meditation aus Klang, Bild und Räucherwerk, gastiert sie dieses Jahr bei LIEDBasel 2026. Elisabeth Jockers befragte Gerda Iguchi im Vorhinein.
Kultur Joker: Es heißt, dass durch Ihre Version die Texte von Mathilde Wesendonck eine ganz neue, fast „schwebende Zeitlichkeit“ gewinnen. Wie gelingt es Ihnen elektronisch, die Zeit in der Musik zu dehnen oder zu stauchen?
Gerda Iguchi: Da steckt ein sehr simples Prinzip dahinter: Looping. Unter Anderem entnehme ich den Noten von Wagner Motive, die mir auffallen und wiederhole sie, sodass sie zu einem Klangteppich verwoben werden. Das mache ich mit Midi-Spuren, heißt, die Töne können von jedem beliebigen Instrument, das ich in meinem Musikprogramm verwende, abgespielt werden. So entstehen unendliche Klangmöglichkeiten auf einem sehr einfachen Konstrukt. Das gleiche gilt natürlich auch für Effekte wie Reverb (Hall) oder Equalizer, mit denen ich die Frequenzweite des Klanges manipulieren kann. Was das Produzieren angeht, stehe ich noch ganz am Anfang, Wesendonck Synthetisch ist mein erstes digitales Projekt. Es ist unglaublich, was allein mit einem Computer alles möglich ist!
Kultur Joker: Sie arbeiten bei „Wesendonck.Synthetisch“ mit gezielt eingesetztem Räucherwerk und Düften. Welchen emotionalen Code oder welchen Raum öffnet der Duft, den die Musik allein nicht erreichen kann?
Gerda Iguchi: Räucherwerk bewusst für Meditation, Beruhigung oder Konzentration einzusetzen ist für mich Alltag. Auch beim entwickeln der Stücke habe ich zu Hause viel geräuchert, sodass diese Geruchserfahrung für mich einfach ein fester Bestandteil des Entstehungsprozesses ist. Diese Komponente mit in die Performance einzubinden ist nicht nur eine ganz persönlich Note, sondern auch eine Abrundung dieser immersiv ausgerichteten Performance. Ich wünsche mir, dass das Publikum bei meinen Konzerten gar nicht so sehr mich als Gerda wahrnehmt, sondern mit einer inneren Erfahrung nach Hause geht, umhüllt von schwebendem Klang, atmenden Farben und beruhigendem Duft.
Kultur Joker: Besonders das Lied „Träume“ und die Zeile vom „Sinken in die Gruft“ haben es Ihnen angetan. Warum fasziniert Sie gerade diese romantische Melancholie und Sehnsucht nach Endlichkeit so sehr?
Gerda Iguchi: Ich habe in der Tat eine andauernde Faszinatiom für den Tod und bin sehr überzeugt, dass er das Leben erst so richtig lebenswert macht. Ich halte es auch für sehr gesund sich immer wieder vor Augen zu führen, dass wir alle einmal enden werden. Das schafft Perspektive, Wertschätzung und Mut. Ich würde sagen, der Tod ist Ursprung meines alltäglichen Tatendranges. Ich habe eigentlich immer eine Stimme in mir, die sagt: „Du wirst nicht für immer hier sein, also träume und lebe, so gut und so viel du nur kannst!“
Kultur Joker: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Weitere Infos und Tickets: liedbasel.ch
Foto: Moritz Schläfer




