Kultur Stadtleben

Zur Erinnerung: Franz Armin Morat. Ein „passionierter Ermöglicher“ hat uns verlassen

Der Freiburger Kunstsammler, Kurator und Mäzen Franz Armin Morat verstarb vor wenigen Wochen – er hinterlässt eine Lücke. Seine

Zur Erinnerung: Franz Armin Morat. Ein „passionierter Ermöglicher“ hat uns verlassen

Der Freiburger Kunstsammler, Kurator und Mäzen Franz Armin Morat verstarb vor wenigen Wochen – er hinterlässt eine Lücke. Seine Verdienste wurden schon vielfach gewürdigt, jüngst durch einen sachkundigen Nachruf aus kunsthistorischer Sicht in der lokalen Presse (V. Bauermeister, BZ, 13.10.2026). Es sei gestattet, einige ergänzende Bemerkungen beizusteuern.

Morat entstammte der gleichnamigen Unternehmerfamilie aus Eisenbach im Hochschwarzwald, bekannt für seine historische Uhrenindustrie, vor allem jedoch die vom Großvater gegründete Firma., die bis heute – inzwischen in vierter Generation – als Familienunternehmen im Bereich der Elektrotechnik und des Maschinenbaus reüssiert. Das bedeutete auch: Geldsorgen hatte er zunächst nicht. So konnte er sich bilden und studieren, wo er mochte, und es angesagt war: zum Beispiel Kunstgeschichte an der neuen Ruhr-Uni Bochum bei dem legendären und faszinierenden Max Imdahl, ebenso bei Gottfried Boehm und dem Philosophen Michael Theunissen. Eines universitären Abschlusses bedurfte es nicht. Alle seine späteren Gesprächspartner genossen die breite intellektuelle Bildung von Franz Armin und profitierten davon – hinzu kamen die multiplen Sprachkenntnisse (Französisch, Italienisch etc.). Die teilte er auch mit: Mir jedenfalls lehrte er zum Beispiel die korrekte Aussprache des rumänischen Bildhauers Constantin Brâncuși („Brânkusch“).
Und Morats Kunstinteresse ging über die Gegenwart und Moderne zurück: Nicht nur die Renaissance beackerte er intensiv: Davon zeugt die früh erworbene Kollektion wichtiger Renaissance-Medaillen und zahlreicher druckgrafischer Arbeiten (Dürer, Mantegna, Schongauer etc.) – auch die klassische Antike hatte es ihm angetan.

Morat hängt eigenhändig für die Auktion der Kulturliste 2009 Foto: Kulturliste Freiburg

Die Archäologische Sammlung der Universität
Er war von Beginn an seit 1981 Vorsitzender des Freundeskreises der Archäologischen Sammlung der Universität – und blieb dies bis 2019. Auch hier beharrte er nicht nur im Amt, sondern stiftete und gab über Jahre gewichtige Leihgaben. Mich selbst als einstigem Kurator der Sammlung animierte er mehrfach zum Ankauf spannender Objekte für das Universitätsmuseum – manchmal von ihm kofinanziert. Das hat mich stets inspiriert und bewundert zurückgelassen: Denn auch außerhalb seines eigentlichen Fachgebiets, der Neuzeit und Moderne, war ihm ein untrüglicher Blick für künstlerische Qualität zu eigen.

Die Literaten
Vor allem evozierte seine Vita, inspiriert durch Vater und Mutter, auch ein weites interdisziplinäres und kulturpolitisches Interesse. Anders wäre sein frühes Eintreten für Literaten wie den DDR-Dissidenten Peter Huchel (1903–1981) nicht erklärlich, dem er 1972, auf Bitten von Erhart Kästner, eine Heimstatt in Staufen ermöglichte. 1985 nahm er den chinesischen Autor Gao Xingjian auf, der dann, nach Jahren des Exils, 2000 den Literaturnobelpreis erhielt – begleitet durch eine Ausstellung von Gaos Tuschezeichnungen in Freiburg.

Das Ensemble Recherche
Ebenso die Musik und innovative Strömungen in dieser Kunstgattung lagen ihm am Herzen. Über Jahrzehnte pflegte er eine enge Freundschaft mit dem zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Rihm (1952–2024). In Freiburg förderte er aktiv das 1985 gegründete „Ensemble Recherche“, dem er für Proben und Konzerte in seinen Hallen über viele Jahre eine Heimat gab.

Die Kulturliste Freiburg
Früh, kurz nach deren Konstituierung, schloss sich Morat 2004 der „Kulturliste Freiburg“ an. Die parteiunabhängige Bürgerliste setze fortan über viele Jahre Akzente in der Freiburger Kulturpolitik – in und außerhalb des Gemeinderats. Morat kandidierte dreimal für den Stadtrat und ‚sammelte‘wichtige Stimmen ein. Vor allem jedoch war auch die Kulturliste lange Zeit Gast an der Lörracher Straße: Hier tagten unzählige Plena und Arbeitsgruppen, oft ergänzt durch einen italienischen Rotwein seiner Wahl. Hier fanden auch zwei Mal vielbeachtete Kunstauktionen statt.

All‘ dies gilt es mitzubedenken, wenn man sich der Person und seines Wirkens erinnert. Sein vorrangiges Credo war dies, wie er im Gespräch (KulturJoker Febr. 2014: /kulturjoker.de/2014/02/07/in-die-tiefe-der-geschichte-hinab/) formulierte: „Mir geht es darum, den Künstlern zu helfen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, von ihrer Arbeit leben zu können, anstatt irgendwelchen Nebenerwerbsjobs nachzugehen.“
Adieu, lieber Franz Armin!

Foto: Franz Armin Morat Foto: Elfie Semotan


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Martin Flashar