Universitätsklinikum Freiburg: Entdeckung macht Krebsimmuntherapie verträglicher
Forschende des Universitätsklinikums Freiburg haben herausgefunden, wie sich schwere Nebenwirkungen von Krebsimmuntherapien mit einer speziellen Zelltherapie mit behandelten weißen
Forschende des Universitätsklinikums Freiburg haben herausgefunden, wie sich schwere Nebenwirkungen von Krebsimmuntherapien mit einer speziellen Zelltherapie mit behandelten weißen Blutkörperchen lindern lassen. Eine klinische Phase II Studie mit 30 Patient:innen unter Freiburger Leitung zeigt, dass bei 96 Prozent der auswertbaren Teilnehmenden eine Besserung der Beschwerden innerhalb von zwölf Wochen stattfand, zum Teil sogar vollständig. Die Ergebnisse wurden am 23. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht und die europäische Zulassung durch das BSI des eingesetzten Medizinprodukts auf die Behandlung von Nebenwirkungen bei Immuntherapie erweitert.
„Unser Ziel war von Anfang an, schwere Nebenwirkungen der Krebsimmuntherapie zu behandeln, ohne die erwünschte Wirkung gegen den Krebs zu beeinträchtigen. Dass unsere Forschung innerhalb so kurzer Zeit zu einer zusätzlichen zugelassenen Behandlungsoption beigetragen hat, ist ein großer Erfolg – vor allem für Patient:innen, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend helfen“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Robert Zeiser, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Freiburg.
Wenn die Immuntherapie Entzündungen auslöst
Moderne Krebsimmuntherapien helfen dem Immunsystem, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Doch die verstärkte Immunreaktion kann auch gesundes Gewebe angreifen. Mögliche Folgen sind schwere Entzündungen des Darms, der Leber oder der Haut. Diese können so stark sein, dass die Krebstherapie unterbrochen werden muss. Normalerweise erhalten Betroffene Kortison, um die Entzündungen einzudämmen, dass jedoch bei etwa 40 Prozent der Patient:innen nicht ausreichend wirkt. Andere Medikamente können wiederum die Immunabwehr gegen den Krebs beeinträchtigen.
Hier setzt die sogenannte extrakorporale Photopherese (ECP) an, eine Art Zelltherapie mit behandelten weißen Blutkörperchen. Dabei werden weiße Blutkörperchen entnommen, mit einem lichtempfindlichen Wirkstoff und UV-A-Licht behandelt und anschließend zurückgegeben. Ziel ist es, die überschießende Immunreaktion zu beruhigen, ohne das Immunsystem umfassend zu unterdrücken.
Die neue klinische Phase-Ib/II-Studie wurde an den Universitätsklinika Freiburg, Essen und Regensburg durchgeführt. Nach zwölf Wochen hatten sich die Beschwerden bei 26 von 27 auswertbaren Patient:innen teilweise oder vollständig zurückgebildet. Der größte Teil konnte auf Kortison ganz verzichten. Schwere Nebenwirkungen, die der Photopherese zugeschrieben wurden, traten nicht auf. Begleitende Untersuchungen zeigten zudem, dass entzündungsfördernde Immunzellen und Entzündungsmerkmale während der Behandlung zurückgingen.
Von der Forschung zur zusätzlichen Therapieoption
Im Oktober 2026 bestätigte die zuständige Prüfstelle BSI dass ein Photopherese-Systems, das als Medizinprodukt zugelassen ist, nun auch bei erwachsenen Patient:innen mit immunvermittelten Nebenwirkungen einer Krebsimmuntherapie eingesetzt werden darf. Damit steht insbesondere für Betroffene, bei denen Kortison nicht ausreichend hilft, eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung. Allerdings war die bisherige Studie mit 30 Teilnehmenden relativ klein und hatte keine direkte Vergleichsgruppe. Größere, randomisierte Studien müssen deshalb noch zeigen, wie wirksam die Photopherese im Vergleich zu anderen verfügbaren Behandlungen ist.
Originaltitel der Studie: Extracorporeal photopheresis for the treatment of steroid-refractory immune related adverse events from immune checkpoint inhibitor therapy: a multi-center phase Ib/II clinical trial
Link: https://www.nature.com/articles/s41467-026-78897-9
Foto: Darmgewebes eines Patienten mit starken Entzündungen im Darm vor (links) und nach der Therapie. Die Immunzellen sind in der Immunfluoreszenz-Färbung grün, orange, rot und gelb. Bildquelle: Universitätsklinikum Freiburg



