Stadtleben Theater

Kubus³-Theatergruppe spielt das Stück „Es passt nicht – DIN 61x30x32 cm“ in der Haslacherstraße

Jeder Umzug ist ein Anfang – und dem soll ja bekannterweise sogar ein Zauber inne wohnen… Was aber, wenn

Kubus³-Theatergruppe spielt das Stück „Es passt nicht – DIN 61x30x32 cm“ in der Haslacherstraße

Jeder Umzug ist ein Anfang – und dem soll ja bekannterweise sogar ein Zauber inne wohnen… Was aber, wenn zum Abschiedsschmerz auch geballte Sorgen kommen? Weil noch gar nicht klar ist, wohin die Reise geht? Weil der Umzug im schlimmsten Fall auch der Anfang vom Ende sein könnte? Darüber haben zwölf junge Menschen der Kubus³ – Theatergruppe seit März eine leichtfüßige und doch auch berührende und kämpferische Theatercollage entwickelt und bei drei bestbesuchten Aufführungen in der Haslacherstraße gespielt (Regie und theaterpädagogische Leitung: Priska Girrbach) – mit jeder Menge Kartons und noch mehr Herzblut und Kreativität.
Denn Fakt ist: Der Verein für Kunst, Bildung und Schule muss nach zwanzig Jahren spartenübergreifender und inklusiver Projektarbeit die Werkstatthalle und das Atelierhäuschen aufgeben, denn die Freiburger Ergon Immo GmbH der Familie von Kulessa hat das Nachbargrundstück zugekauft und plant hier eine Kulturmeile mit viergeschossigem Neubau. Deswegen werden im Sommer 2027 die von Kubus³ genutzten Gebäude sowie das Auditorium des ArTik e.V. abgerissen. Seit diesen Juni ist auch klar, dass Kubus³ im erweiterten Kulturpark-Neubau nicht eingeplant ist. Seitdem sucht der Verein nach neuen Räumlichkeiten: „Gesucht werden etwa 450 Quadratmeter mit großer Halle, Atelierräumen sowie Büros, Sozialräume. Wenn möglich – barrierefrei, zentral gelegen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Auch nutzbare Außenflächen wären sehr wichtig und notwendig. Bisher konnte kein geeignetes Objekt gefunden werden“, so Mit-Geschäftsleiterin Rosi Schüle-Grünert. Damit würde Kubus³ eigentlich passgenau in das mit 500 Quadratmetern veranschlagte Fitness-Studio im Erdgeschoss des Neubaus passen, aber der Drops ist wohl gelutscht… Trotzdem: „Kubus³ e. V. bleibt hoffnungsvoll und ruft die Freiburger Stadtgesellschaft dringend dazu auf, bei der Raumsuche behilflich zu sein, dem Verein eine Spende zukommen zu lassen und einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Stadt zu leisten um diese zu bewahren!“. Und natürlich hängt auch viel vom städtischen Doppelhaushalt 2027/28 ab…
Doch zurück zur Kunst und der Theaterperformance „Es passt nicht – DIN 61x30x32 cm“, die das ganze Wirrwarr rund um das drohende Damoklesschwert auslotet und in originelle Kurzszenen gießt: Von rechts und links kommen sie im schnellen Wechsel und tragen ihre Umzugkartons mit viel Slapstick über die Bühne – federleicht, tonnenschwer, tanzend, schlurfend, eine stiftet Chaos, der andere sortiert die Kisten akribisch. Bis dann der ganze Berg ruckzuck abgeräumt ist – und sich in der nächsten Szene leider als überflüssig erweist: Denn statt 130 Quadratmeter gibt’s nur 30, also werden liebgewonnene Begleiter nun ans Publikum verschenkt, bevor sich die Freunde in eine dreistöckige Pappmaché-Torte quetschen. Eng! Aus dem Off nun ein paar Infos über Jürgen Lange-von Kulessa von der Ergon Immo GmbH, der erst im Juni das “Alte Schloss“ samt Orangerie in March-Hugstetten gekauft hat. „Das muss alles weg!“ befiehlt der König auf der Bühne und schiebt noch einen Abriss-RAP hinterher. Persönliche Kubus-Erinnerungen münden in eine Demo, das Haus spricht und Widerstand formiert sich: Denn „Kreativität kann man sich nicht erkaufen“. Und überhaupt „Die Stadt gehört denen, die in ihr leben. Nicht denen, die sie besitzen!“ , so der vielstimmige Schrei gegen Profitmaximierung und Gentrifizierung. Großer, solidarischer Applaus.

Foto: Großen Applaus erntete das Stück der Kubus³-Theatergruppe © Kubus³ e.V.


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Marion Klötzer