Raum für das Werk: Das Schaulager in Münchenstein bei Basel
Wie der Name schon sagt erfüllt das Schaulager zwei Bedürfnisse. Es beherbergt Werke der bildenden Kunst und es stellt
Wie der Name schon sagt erfüllt das Schaulager zwei Bedürfnisse. Es beherbergt Werke der bildenden Kunst und es stellt diese gleichzeitig für Studierende und Forschende zur Verfügung. Den Werken wird viel Raum gegeben, da sie unter optimalen konservatorischen Bedingungen fachgerecht gelagert sind das heißt auch offen einsehbar und nicht in Kisten gelagert. Auf Anfrage sind diese zur Forschung und Lehre in den einzelnen Räumen zugänglich. Sammlung und Neuankäufe der Emmanuel Hoffmann-Stiftung aus dem Kunstmuseum und dem Museum für Gegenwart Basel werden im Hause gezeigt. Das 2003 von den weltbekannten Architekten Herzog und de Meuron entworfene und an einer Ausfahrtstraße, nur wenige Tramstationen vom Bahnhof SBB entfernt, und leicht von der Straße zurückgesetzte Schaulager bringt auf vier Ebenen die nötigen Erfordernisse für einerseits öffentliche Ausstellungen auf zwei Ebenen, andererseits nur auf Anfrage zugängliche Kunst mit. Die Räumlichkeiten im Unter- und im Erdgeschoss sind weitläufig und hoch, schlieβen mit einem großen Vortragssaal auf der Schmalseite und einer angrenzenden verglasten Vielzweckhalle an einer Längswand ab.
Die Räume in den beiden oberen Geschossen gehen von einem umlaufenden Gang ab. Der erste Stock wurde 2012 speziell für Skulpturen und Installationen ausgebaut. Die Bibliothek wurde vergrößert, ein Lesesaal und zwei Seminarräume neu eingerichtet. Finanziert wurde der Bau von der Laurenz-Stiftung, bis heute Trägerin des Hauses. Die Präsidentin der beiden Stiftungen Emmanuel-Hofmann und Laurenz Dr. h.c. Maja Oeri hat die Tradition ihrer Großmutter Maja Sacher-Stelin weitergeführt. Beiden ging und geht es um die Förderung von Gegenwartskunst.
Bereits 1933 hat Maja Sacher-Stelin nach und trotz dem Unfalltod ihres Mannes und dem frühen Krebstod ihres Sohnes „die Bejahung der Gegenwart und die Zuversicht auf die Zukunft“ trotz erstarkenden Faschismus in den umliegenden Ländern zu ihrem Leitmotiv gemacht. Und damit auch entgegen einer großen Anzahl von Skeptikern zeitgenössischer Kunst in Basel gehandelt. Die Enkelin führt in ihrer Philosophie die Idee ihrer Großmutter weiter, wenn sie sagt: „Wandel kann nur stattfinden, wenn wir der Gegenwart mit all ihren Widrigkeiten und Problemen ins Auge schauen und sie akzeptieren … die Gegenwart anzunehmen, bedeutet auch resilient zu sein. Dies ist die Voraussetzung, um weiterzukommen“. Auch die Laurenzstiftung wurde nach dem frühen Tod des Kindes Laurenz von dessen Eltern Maja Oeri und Hans U. Bodenmann 1999 gegründet.
2012 wurde die Schaulager-Professur für Kunsttheorie von der Laurenz-Stiftung errichtet, in der es um Lehre und Durchführung wissenschaftlicher Projekte geht. Auch ist das Schaulager mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt „Bildkritik. Macht und Bedeutung der Bilder“, der an der Universität Basel angesiedelt ist und ein Stückweit die Lehr- und Forschungsstelle im Alten Universitätsgebäude erweitert, verbunden. Im Kontext der öffentlichen Ausstellungen und Veranstaltungen wurden seit Beginn mehr als 20 Künstlerbücher und Reader veröffentlicht. So über Tacita Dean, Bruce Naumann, das Kammerstück von Katharina Fritsch, 2025 mit dem Goslauer Kaiserring ausgezeichnet, gemeinsam mit Alexej Koschkarow aus New York. Das Schweizer Künstlerpaar Fischli und Weiss erfreute 2015 mit „plötzlich diese Übersicht“. Die Stiftung hat weltweit die gröβte Bruce Naumann Sammlung. Und vor kurzem schloss das Licht- und Klangerlebnis „Bass“ des oscarprämierten Filmregisseurs Steve Mac Queen, eine öffentliche Ausstellung, die viele Menschen, die sich Zeit dazu nahmen, begeisterte.
Der Hype wird sich fortsetzen mit einem zweiten Schaulager, das für 2030 geplant ist. Es soll explizit für die Präsentation von Installationskunst und neuen Medienwerken dienen. Und wie Dr. Noam M. Elcott, Professor für moderne Kunstgeschichte an der Columbia University und im Vortrag zur Ehrung von Maja Oeri am 15. 12. 2025 ausführte, das „herausragendste Kunstkabinett des einundzwanzigsten Jahrhunderts sein“. Kunstkabinett in Fortsetzung des Amerbachkabinetts, das 1661 von der Stadt Basel angekauft worden und mit Werken von u. A. Konrad Witz und den Holbeins öffentlich zugänglich gemacht worden ist. So ist Maja Oeri in bewährter Tradition zum Abschluss ihrer 38jährigen Tätigkeit in der Kunstkommission als „Gärtnerin der Kunst“ mit einem Porträt von A. Koschkarow auf der Einladungskarte, in der Museumsstadt Basel gewürdigt worden. Denn auch den Neubau des Kunstmuseums verdankt die Stadt dieser großzügigen Mäzenin.
Das Schaulager I in Münchenstein wird 2027 dem vielseitigen albanischen Künstler Anri Sala eine Einzelausstellung ausrichten. Der in Paris Lebende ist bestrebt, dem Intervall, dem Augenblick zwischen zwei Momenten, dem Dazwischen seine ganze künstlerische Aufmerksamkeit zu widmen. Sein Hauptmedium sind Videoinstallationen. Dazu Maja Oeri: „Seit zwanzig Jahren verfolgen wir seine künstlerische Entwicklung“. Wir können gespannt sein.
Eine „Grosszügige Schenkung“ an die Emmanuel Hofmann Stiftung besteht aus 21 Werken der Künstlerin Meret Oppenheim, die deren Neffe Martin Bühler und seine Frau Charlotte Bühler der Stiftung vermachen. Als Bestandteil des Depositumsvertrages mit der Öffentlichen Kunstsammlung Basel, können sie vom Kunstmuseum im Kontext seiner Sammlungspräsentationen gezeigt werden. Ansonsten werden sie im Schaulager für Studierende, Schulklassen und Forschende zugänglich sein. Die Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen bleiben bis zum Tode der Schenker in deren Besitz. Meret Oppenheim (1913 Berlin – 1985 Basel) gilt, nicht nur durch ihr „Frühstück im Pelz“, der Pelztasse von 1936 als bedeutende Vertreterin des Surrealismus. In Basel, besuchte sie die Kunstgewerbeschule, wurde Mitglied der Gruppe 33 und ehelichte Wolfgang La Roche. Mit Maja Sacher-Stehlin, der Gründerin der Emmanuel-Hofmann Stiftung war sie viele Jahre befreundet.
Foto: Das Schaulager bei Münchenstein/Basel Foto: Robert Rieger




