Nachhaltig Stadtleben

Warum Badeunfälle im Sommer zunehmen und immer weniger Menschen sicher schwimmen können

Während Deutschland unter Temperaturen von über 35 oder sogar 40 Grad leidet, suchen Millionen Menschen Abkühlung in Seen, Flüssen

Warum Badeunfälle im Sommer zunehmen und immer weniger Menschen sicher schwimmen können

Während Deutschland unter Temperaturen von über 35 oder sogar 40 Grad leidet, suchen Millionen Menschen Abkühlung in Seen, Flüssen und Baggerseen. Doch die ersehnte Erfrischung endet für viele tödlich. Allein seit Beginn der aktuellen Hitzewelle kamen innerhalb weniger Tage mindestens 15 Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) registrierte 2024 insgesamt 411 tödliche Badeunfälle.

Dabei passieren die meisten Unfälle nicht im überwachten Freibad, sondern an unbeaufsichtigten Gewässern. Gerade Seen, Flüsse und Baggerseen bergen Risiken, wie kalte Tiefenzonen, Strömungen, steile Ufer oder unbekannte Wassertiefen, die auf den ersten Blick kaum sichtbar sind. Auch geübte Schwimmer:innen unterschätzen häufig, wie schnell sich eine Situation verändern kann. Ein Krampf, eine unerwartete Strömung oder eine falsch eingeschätzte Entfernung zum Ufer können im Wasser lebensgefährlich werden.

Eine weitere Ursache ist die sinkende Schwimmfähigkeit in Deutschland. Laut DLRG können rund 3,5 Millionen Menschen ab 14 Jahren nicht schwimmen. Besonders problematisch ist die Entwicklung bei Kindern. Bei den 6- bis 10-Jährigen gilt etwa jedes fünfte Kind als Nichtschwimmer. Gründe dafür sind unter anderem ausgefallene Schwimmkurse während der Corona-Pandemie, lange Wartelisten und der Rückgang von Schwimmbädern, besonders in ländlichen Regionen. Schwimmhilfen wie Schwimmflügel oder aufblasbare Tiere können dabei keine Sicherheit ersetzen. Sie vermitteln häufig ein falsches Gefühl von Kontrolle und schützen nicht zuverlässig vor dem Ertrinken. Auffällig ist außerdem, dass die große Mehrheit der Ertrunkenen männlich ist. Die DLRG weist seit Jahren darauf hin, dass Männer häufiger Risiken eingehen, ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen oder alleine in unbekannte Gewässer gehen. Auch Alkohol spielt bei vielen Badeunfällen eine Rolle, weil er die Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt. Durch die zunehmenden Hitzewellen verschärft sich die Situation zusätzlich. Je heißer die Sommer werden, desto mehr Menschen suchen Abkühlung, oft auch an Orten, die nicht für das Baden vorgesehen oder überwacht sind. Der Sprung ins kalte Wasser nach stundenlanger Hitze kann zudem den Kreislauf stark belasten und einen Kälteschock auslösen.

Doch viele Badeunfälle lassen sich vermeiden und schon einfache Regeln können entscheidend sein. Wer lange in der Sonne war, sollte sich vor dem Schwimmen langsam abkühlen und nicht direkt in kaltes Wasser springen. Unbekannte Gewässer sollten zunächst vorsichtig erkundet werden, besonders, wenn Wassertiefe und Strömungen nicht einschätzbar sind. Auch vermeintlich kurze Strecken können gefährlich werden, wenn die eigenen Kräfte nachlassen. Besonders wichtig ist, die eigenen Grenzen realistisch einzuschätzen. Wer müde ist, gesundheitliche Probleme hat oder Alkohol getrunken hat, sollte nicht ins Wasser gehen. Gerade an Seen und Flüssen gilt außerdem, besser nicht alleine schwimmen. Eine zweite Person kann im Ernstfall Hilfe holen und bemerken, wenn etwas nicht stimmt. Wer in Not gerät, sollte nicht gegen Strömungen anschwimmen, sondern Ruhe bewahren und versuchen, kontrolliert ans Ufer zu gelangen.

Die steigenden Zahlen der Badeunfälle zeigen auch ein gesellschaftliches Problem. Wenn weniger Kinder schwimmen lernen, Schwimmbäder fehlen und Hitzewellen immer mehr Menschen an Seen und Flüsse locken, braucht es mehr Bewusstsein für den sicheren Umgang mit Wasser. Denn Ertrinken passiert häufig leise und schneller, als viele denken. Manchmal reichen ein Moment der Unachtsamkeit, eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten oder eine unerwartete Strömung. Wer die Gefahren kennt, schützt nicht nur sich selbst, sondern kann auch anderen helfen. Der Sommer soll ein Ort der Leichtigkeit bleiben. Damit die Abkühlung im Wasser nicht zur Tragödie wird, braucht es vor allem Aufmerksamkeit, Schwimmfähigkeit und Respekt vor der Kraft des Wassers.

Bild Copyright: Richard King/pexels

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Alisa Guschker