Musik

Inspiration oder Plagiat? Das Festival LIEDBasel lädt zur Spurensuche unter dem Motto „Alles nur geklaut“

Wenn Ende Mai die ersten Töne im Musik- und Kulturzentrum Don Bosco erklingen, verwandelt sich Basel erneut in das

Inspiration oder Plagiat? Das Festival LIEDBasel lädt zur Spurensuche unter dem Motto „Alles nur geklaut“

Wenn Ende Mai die ersten Töne im Musik- und Kulturzentrum Don Bosco erklingen, verwandelt sich Basel erneut in das Zentrum einer ebenso traditionsreichen wie modernen Kunstform. Das Festival LIEDBasel kehrt vom 26. bis 31. Mai zurück und hat sich für seine kommende Ausgabe ein Thema vorgenommen, das die Gemüter der Musikwelt seit Jahrhunderten bewegt. Unter dem provokanten Motto „Alles nur geklaut“ rückt die künstlerische Leiterin Silke Gäng die fließenden Grenzen zwischen Inspiration, Zitat und Plagiat in den Fokus. In einer Zeit, in der die Frage nach Originalität oft neu gestellt werden muss, untersucht das Festival, wie Komponistinnen und Komponisten sich gegenseitig beeinflusst, Werke transformiert oder sich fremdes Material zu eigen gemacht haben.
Das Festival beginnt am 26. Mai zwischen 14 und 16 Uhr im Don Bosco mit der Reihe „Wolke 7“. Hier erhalten Laiensänger die seltene Gelegenheit, mit dem erfahrenen Liedpianisten Tobias Schabenberger an ihren Lieblingsstücken zu arbeiten.
Am selben Abend beginnt ein neues, urbanes Format: Unter dem Titel „Schumann in der KLARA“ findet das Pre-Opening in der Basler KLARA statt. Abseits der klassischen Konzertsäle präsentiert Gerda Iguchi, Gewinnerin der Art Song Challenge 2025, ihr Programm „Wesendonck.Synthetisch“. Die zeitgenössische Auseinandersetzung mit Richard Wagners berühmten Wesendonck-Liedern zeigt, wie das Festival den Brückenschlag zwischen der Romantik und der modernen Klangwelt vollzieht.

Wolfram Rieger (Klavier) und Annette Dasch (Sopran) © LiedBasel/Daniel Pasche/Klaus Weddg

Diskurs und kammermusikalische Glanzlichter
Der offizielle Startschuss im Don Bosco fällt am 27. Mai, 19 Uhr. Anstatt eines klassischen Konzerts steht zunächst der intellektuelle Austausch im Vordergrund. Unter dem Titel „Kommt mir bekannt vor“ diskutieren die renommierte Musikjournalistin Eleonore Büning, der Germanist Philipp Theisohn und der Schriftsteller Alain Claude Sul zer über die moralischen und ästhetischen Aspekte des „Klaus“ in der Kunst.
Musikalisch geht es am 28. Mai, 20 Uhr weiter. Das Liedrezital „Une Soirée volée“ bringt die Sopranistin Carolyn Sampson und den Pianisten Tobias Schabenberger zusammen, verstärkt durch Dmitry Smirnov an der Violine und Alexandre Foster am Cello. Es erklingen Werken von Beethoven, Brahms und Schubert für Gesang und Klaviertrio.

Duo in Residence und eine Uraufführung
Ein Höhepunkt jeder LIEDBasel-Ausgabe ist der Auftritt des „Duo in Residence“. Am 29. Mai, 20 Uhr, stehen mit Annette Dasch (Sopran) und Wolfram Rieger (Klavier) zwei Weltstars auf der Bühne. Ihr Programm spannt den Bogen von Robert Schumann bis hin zu seltener gespielten Werken von Dora Pejačević und Kaija Saariaho. Beide Künstler fungieren auch als Mentoren für die Nachwuchstalente der LIEDAcademy.
Die Verbindung von Tradition und Innovation zeigt sich am 30. Mai, 20 Uhr. Im Zentrum steht die Uraufführung eines neuen Liederzyklus von David Philip Hefti mit dem Titel „Rottot“, ein Kompositionsauftrag des Festivals. Basierend auf Gedichten von Dragica Rajčić Holzner, wird das Werk von einem Bariton und Klavier interpretiert. Eingerahmt wird die Premiere von Vertonungen aus „Des Knaben Wunderhorn“ durch Mahler und Schönberg – ein Zyklus, der selbst eine der größten Inspirationsquellen (und „Steinbrüche“) der Musikgeschichte darstellt.
Den Abschluss bildet am 31. Mai, 17 Uhr, das Konzert der LIEDAcademy. Die jungen Stipendiaten, die eine Woche lang mit Annette Dasch und Wolfram Rieger gearbeitet haben, präsentieren ein von ihnen kuratiertes Programm. Auch hier zieht sich das Motto „Alles nur geklaut“ durch den Abend. Das Festival verspricht 2026 nicht nur musikalischen Genuss, sondern eine tiefgründige Reflexion über das, was wir „Originalität“ nennen.

Weitere Infos & Tickets: liedbasel.ch

Foto: Der LIEDSalon eröffnet am 27. Mai das Festival © Benno Hunziker

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