Was will ich der Welt eigentlich sagen? Freiburger Rapperin Tina Turnup hat ihre erste Solo-EP „PARAdies“ veröffentlicht
Kurzer Einblick in die Rap-Enzyklopädie: Der Begriff „Para“ wird als Synonym für „Geld“ verwendet – und ist titelgebend für
Kurzer Einblick in die Rap-Enzyklopädie: Der Begriff „Para“ wird als Synonym für „Geld“ verwendet – und ist titelgebend für die erste EP der Freiburger Rapperin Tina Turnup. Nachdem sich das Rap Duo Palas getrennt hat, kehrt Tina Turnup mit „PARAdies“ als Solointerpretin zurück auf die Bühne. Insgesamt fünf Tracks haben es auf ihre erste Solo-EP geschafft. Ein überraschend politisches wie persönliches Werk. Mit „PARAdies“ reißt die Rapperin dem turbokapitalistischen Schwindel die Maske vom Gesicht. Stirbt („dies“) die Mär des Geldes („Para“)?
Nach der Trennung des Duos Palas fehlte Sarah zunächst die Orientierung. „Ich habe überlegt, mit der Musik aufzuhören und diese Frage lange auf mich wirken lassen. Ich bin eine sehr intuitive und spirituelle Person und habe gemerkt: oh, du musst Musik machen! Das fühlt sich wirklich existenziell an“, verrät sie bei einem Kaffee unweit der Fischerau. Auf die Sinnkrise folgten Stunden im Studio. Gemeinsam mit dem Produzenten Young Frenchy habe sie diese Blockade lösen können. „Die Zusammenarbeit mit Frenchy hat mich ausgeglichen. Dabei habe ich auch gemerkt, dass ich mich künstlerisch weiterentwickeln muss, um das, was ich mit meiner Musik zeigen möchte, auch verkörpern zu können.“ Dabei ist eine EP entstanden, die weit hinter die Kunstfigur der Tina Turnup blicken lässt – unbequem, laut, politisch.
Auf dreckigen Trap-Beats skizziert sie in „Wir Sind Laut“ die zunehmende Polizeipräsenz im Freiburger Stadtbild („Ich bin keine Snitch, mach eine Ausnahme bei Cops“) und den Konflikt zwischen „Culture“, Anwohnern und Bürgermeister („Glaub mein Bürgermeister ist toxic“). Wie verwoben sind Sarah und Tina eigentlich miteinander? Ein Schluck Kaffee vor der Antwort. „Das frage ich mich auch immer. Tina Turnup ist eine Facette von Sarah. In dem Track „Lovestory Gone Wrong“ verarbeite ich das, was mir wirklich passiert ist: häusliche Gewalt“, reflektiert sie. „Lovestory Gone Wrong“ bleibt im Gedächtnis, berührt, sticht heraus. Nicht zuletzt durch die Weite des Arrangements, das durch die gesamte EP hinweg auffällt: Gesang und Rap kommen in ein harmonisches Zusammenspiel, das zugleich den musikalischen Backround der Künstlerin unterstreicht. Weniger Übersteuerung und Bearbeitung und mehr Vertrauen auf das eigene Können dürften zukünftige Erscheinungen noch einmal spannend werden lassen. Nicht zuletzt, weil „PARAdies“ als Bereitschaft zur Entwicklung, zur selbstständigen Reflexion und zum Ausloten eigener und musikalischer Grenzen verstanden werden muss. Das geht (hörbar) über Trap hinaus. Müssen Musiker:innen eigentlich politisch sein? „Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass man politisch sein muss. Diese Verantwortung spüre ich“, räumt Sarah ein. „Kinderhände näh‘n es“, „Du weißt wo das Cash liegt, weiße Männer zähl‘n es“, „Wenn wir reich sind, kommen wir ins PARAdies“. Tina Turnups erste EP ist kein leichter Spaziergang – die Themen unbequem, weil real, während der Sound nach vorne treibt und das Tempo hochhält. Die Reduktion auf fünf Tracks macht aus der EP eine Gesamterzählung ohne Überlänge. Was Sarah alias Tina Turnup während ihrer Arbeit an der EP gelernt hat? „Gelassener mir und meiner Kunst gegenüber zu werden.“
Die EP „PARAdies“ kann auf allen bekannten Streamingplattformen gehört werden. Insta: kommindietrap
Foto: Zurück aus der Pause: Tina Turnup kehrt mit ihrer ersten Solo-EP zurück © Tina Turnup




