Schwarz stiftet Ordnung: Julia Schewalie „The Matter of Shadows“ in der Stiftung fürKonkrete Kunst Roland Phelps
Allein mit dem Pinsel lässt sich Ordnung herstellen. In Julia Schewalies Arbeit „Oily Drops“ definiert die Pinselbreite die Größe
Allein mit dem Pinsel lässt sich Ordnung herstellen. In Julia Schewalies Arbeit „Oily Drops“ definiert die Pinselbreite die Größe des Quadrats, aus dem sich das Bild zusammensetzt. In „Oily Tiles“ sind es fünf Striche eines schmaleren Pinsels. Zuerst erfolgt eine Setzung in der Mitte mit schwarzer Ölfarbe, dann vervollständigt ein Strich um den anderen im Uhrzeigersinn das Quadrat. Schewalie arbeitet mit Gitterstrukturen, die sie ihren Arbeiten zugrunde legt. Man erkennt zwischen den einzelnen schwarzen Quadraten das Weiß der Grundierung. Kaum zu glauben, dass Schewalie, die 1988 in Kasachstan geboren wurde und in München Kunst studiert hat, als figurative Malerin anfing. In der Stiftung für konkrete Kunst Roland Phelps in Zähringen korrespondieren die Quadrate mit dem Oberlicht. Ein Viereck ist eben immer auch ein Modul.
„Oily Tiles“ und „Oily Drops“ sind gebändigte Malgesten, die durch das Licht in Schewalies großformatigen Arbeiten markant hervorstechen. Oder andersherum: es sind Ordnungssysteme, die ein Mindestmaß an Freiheit erlauben. Das Grid findet sich in allen ihren Arbeiten, die derzeit in ihrer Ausstellung „The Matter of Shadows“ in Freiburg zu sehen sind, sei es dass, es in Ausnahmefällen aus einem großen Viereck besteht oder sich kleinere Formen zu einer bildfüllenden Arbeit aneinanderreihen. Es mutet nach einer meditativen Malerei an. Doch tatsächlich sind die einzelnen Quadrate unterschiedlicher als man glauben könnte. Es liegt nicht allein am Zusammenspiel mit dem Licht, sie variieren auch farblich. Mitunter gibt es Beimischungen von Braun und beim Großformat auf der Empore „Disk Black Landscape“, das sich aus lauter applizierten kleinen Vierecken aus Kunststoff zusammensetzt, stellt sich der schillernde Effekt eines Regenbogens ein. Übergänge zwischen Rot, Gelb, Grün und Violett verändern sich ständig mit dem Standort der Betrachtenden. Das hat auch etwas von der Vergrößerung eines Schmetterlingsflügels.
Schwarz ist die eigentliche Farbe Schewalies: so ruhig, so klar, so ordnungsstiftend. Zudem ist das schwarze Quadrat so etwas wie der Urmythos der konkreten Kunst. Schewalie jedoch bricht es herunter, in „Charcoal“ aus dem Jahr 2021 hat sie kleine viereckige Kohlestückchen zu einem Bild gefügt. Die Oberflächen sind mal glatter, mal durchlässiger und reflektieren dadurch unterschiedlich das Licht. Doch in ihrer Einzelschau „The Matter of Shadows“ zeigt sie auch frühere Arbeiten wie „Vinyl“ aus dem Jahr 2011, hier hat sie weiße Schallplatten zu Quadraten zerschnitten und neu zusammengesetzt. Je nach Standort sieht man die Rillen. Und bei einem silbrig schimmernden Bild sind die Kästchen in etwa so groß wie Mosaiksteine. Julia Schewalie reizt das schwarze Quadrat aus und das hier einmal ganz ohne Pathos.
Julia Schewalie, The Matter of Shadows. Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps, Pochgasse 73, Freiburg. Sonntags 11.30 bis 16 Uhr. Bis 26.04.26
Bild: Julia Schwalie: „Squares on Paper“, mixed media auf Aquarell-, Pastell-, und Leinwandpapier © Julia Schewalie, Foto: Kilian Blees



