Energiewende in Schieflage: Freiburger Forschung zeigt, warum Förderprogramme oft die Falschen erreichen
Die Energiewende gilt als eines der zentralen Projekte der Gegenwart. Doch während politische Programme weltweit den Umstieg auf klimafreundliche
Die Energiewende gilt als eines der zentralen Projekte der Gegenwart. Doch während politische Programme weltweit den Umstieg auf klimafreundliche Technologien vorantreiben sollen, profitieren davon bislang vor allem diejenigen, die ohnehin über ausreichend finanzielle Mittel verfügen. Eine neue Studie zeigt nun, warum das so ist und wie sich diese Entwicklung korrigieren ließe. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat untersucht, welche strukturellen Hürden einkommensschwache Haushalte daran hindern, an Förderprogrammen für erneuerbare Energien teilzunehmen.
Im Zentrum der Analyse steht die Frage, warum gut gemeinte Förderinstrumente häufig bestehende soziale Ungleichheiten verstärken. Die Forschenden identifizieren dabei drei zentrale Ebenen, auf denen Barrieren entstehen. Auf individueller Ebene fehlen vielen Haushalten Informationen über Fördermöglichkeiten oder der Zugang zu Krediten. Hinzu kommen strukturelle Probleme wie das sogenannte Mieter-Vermieter-Dilemma, bei dem diejenigen, die investieren müssten, nicht direkt von den Einsparungen profitieren. Auf kommunaler Ebene spielen Infrastrukturdefizite eine wichtige Rolle. Gerade in strukturschwächeren Regionen fehlen häufig die technischen Voraussetzungen oder verlässliche Informationsangebote. Falschinformationen können sich dort leichter verbreiten und hemmen die Bereitschaft, in neue Technologien zu investieren. Institutionelle Hürden, wie komplexe Antragsverfahren, bürokratische Anforderungen und historisch gewachsene Ungleichheiten verstärken diese Probleme.
Die Studie zeigt, dass viele bestehende Instrumente genau jene ausschließen, die Unterstützung am dringendsten benötigen. Steuerliche Vorteile etwa kommen nur Haushalten zugute, die überhaupt Steuern zahlen. Bei Investitionen in Photovoltaik oder andere Technologien sind die anfänglichen Kosten hoch, die finanziellen Vorteile machen sich oft erst langfristig bemerkbar. Für einkommensschwache Haushalte stellt dies eine kaum überwindbare Hürde dar. Gleichzeitig werden Kosten für den Ausbau der Energieinfrastruktur häufig auf alle Verbraucher:innen umgelegt, unabhängig davon, ob sie von den Technologien profitieren.
Aus ihrer Analyse leiten die Forschenden vier zentrale Prinzipien ab, die zukünftige Förderpolitik gerechter machen könnten. Programme müssten stärker auf die spezifischen Bedürfnisse benachteiligter Gruppen zugeschnitten werden, etwa durch einkommensabhängige Förderung oder regionale Anpassungen. Des Weiteren sei eine unmittelbare finanzielle Entlastung entscheidend. Direkte Zuschüsse oder Preisnachlässe wirkten deutlich besser als steuerliche Vorteile. Zudem eine deutliche Vereinfachung administrativer Prozesse durch u.a. automatisierte Verfahren oder Unterstützung bei Anträgen. Außerdem sollte die Umsetzung stärker auf kommunaler Ebene verankert werden, um die Akzeptanz und Wirksamkeit zu erhöhen.
Neben der Reform bestehender Programme plädiert die Studie für einen grundlegenden Perspektivwechsel. Die Energiewende müsse stärker als gemeinschaftliches Projekt verstanden werden. Öffentliche Investitionen in Solaranlagen auf kommunalen Gebäuden, in Ladeinfrastruktur oder in lokale Energiegemeinschaften könnten nicht nur technische Voraussetzungen schaffen, sondern auch Vertrauen und Sichtbarkeit fördern. Solche Ansätze hätten das Potenzial, sogenannte Spillover-Effekte auszulösen: Sichtbare Projekte können Interesse wecken und weitere Investitionen anstoßen.
Ein weiterer zentraler Punkt der Studie betrifft die Bewertung von Förderprogrammen. Bisher wird Erfolg häufig daran gemessen, wie viele Anlagen installiert oder wie viele Fahrzeuge zugelassen wurden. Die Forschenden halten das für unzureichend. Stattdessen schlagen sie vor, stärker auf Verteilungswirkungen zu achten. Entscheidend sei, ob Programme alle Einkommensgruppen erreichen und ob sie tatsächlich zu einer Entlastung bei den Energiekosten beitragen. Nur wenn Effizienz und soziale Gerechtigkeit gemeinsam berücksichtigt werden, könne die Energiewende langfristig erfolgreich sein.
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