Ein Miteinander erfinden: Drei Fragen an … Julia Riedler (Schauspielerin, Regisseurin)
Die 1990 in Salzburg geborene Julia Riedler zählt zu den bekannten Gesichtern der aktuellen deutschsprachigen Theaterlandschaft. Nach ihrem Studium
Die 1990 in Salzburg geborene Julia Riedler zählt zu den bekannten Gesichtern der aktuellen deutschsprachigen Theaterlandschaft. Nach ihrem Studium in Hamburg sowie festen Engagements am Schauspiel Köln und den Münchner Kammerspielen wurde sie vielfach ausgezeichnet – u.a. mit dem Bayerischen Kunstförderpreis. Erst kürzlich kürte sie die Fachzeitschrift „Theater heute“ zur „Schauspielerin des Jahres 2025“, außerdem erhielt Riedler den renommierten Nestroy-Preis.
Seit 2020 arbeitet Riedler freischaffend, darunter für das Burgtheater Wien und die Salzburger Festspiele. Dem Publikum könnte sie zudem auch aus Film und Fernsehen bekannt sein, etwa durch ihre Rollen im Tatort oder internationalen Kinoproduktionen in Cannes. Mit ihrer Solo-Performance „Fräulein Else“ ist sie zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen.
Aktuell schlägt sie ein neues Kapitel ihrer Karriere in Freiburg auf: Am Theater Freiburg gibt sie mit einer eigenen Inszenierung von Shakespeares „Hamlet“ (Premiere am 20. Februar 2026) ihr Regiedebüt.
Kultur Joker: Was war die größte Überraschung, die Ihnen das Theaterpublikum jemals bereitet hat?
Julia Riedler: Am Volkstheater Wien habe ich zusammen mit Leonie Böhm den Monolog „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler erarbeitet, der dieses Jahr auch beim Berliner Theatertreffen zu sehen sein wird. Da stehe ich alleine als Schauspielerin auf der Bühne und spreche 90 Minuten lang mit dem Publikum, nehme sie mit in Elses Bewusstseinsstrom. Jede Vorstellung ist anders und die Zusehenden sagen oft völlig überraschende Sachen zu mir. Im Stück geht’s darum, dass die Eltern von Else Geld brauchen und ihre Tochter in die Situation bringen, dass sie es vom reichen Kunsthändler Dorsday erbitten soll. Der sagt zu, aber nur unter der Bedingung, dass er Else 15 Minuten lang nackt sehen darf. Manchmal rufen mir Leute aus dem Publikum zu: „Sag’ doch dem Papa, er soll sich selber ausziehen!“ oder „Zieh erstmal zu mir und verschaff’ dir Abstand zu der ganzen Geschichte“ oder sie schenken mir Rabattsticker vom Drogeriemarkt, um Geld einzusparen. Jede Vorstellung gibt es da neue Überraschungen zwischen Solidarität, Humor und Wut aus dem Publikum!
Kultur Joker: Wenn Sie nicht im Theater wären, in welchem Beruf würden wir Sie heute finden? Und warum?
Julia Riedler: Ich wäre wahrscheinlich Juristin! Ich habe nach dem Abitur nämlich erstmal mit einem Jurastudium begonnen. Ich fand die Vorstellung, die Regeln unseres Zusammenlebens zu verstehen und vielleicht mitgestalten zu können, sehr aufregend. Irgendwann hab ich verstanden, dass es im Theater eigentlich um etwas sehr Ähnliches geht: Man erfindet ein Miteinander.
Kultur Joker: Welche Frage, die Sie noch nie in einem Interview gestellt bekommen haben, hätten Sie gerne beantwortet?
Julia Riedler: Wie geht’s dir?
Ich finde, die Frage können wir einander nicht oft genug stellen. Aber ich mag sie nur, wenn sie ernst gemeint ist. „Wie geht’s dir?“ als Smalltalk-Eröffnung finde ich immer voll überfordernd. Ich weiß nie, ob ich ehrlich antworten soll oder nie. Aber danke jedenfalls für die Nachfrage: Ich bin so glücklich, gerade in Freiburg zu sein und mit meinem tollen Ensemble und Team an Hamlet arbeiten zu dürfen. Am 20.2. ist Premiere, das ist so aufregend.
Bonusfrage:
Kultur Joker: Haben Sie, neben dem Theater, einen Lieblingsort in der Stadt, den Sie uns verraten möchte? Und warum gerade dieser Ort? (Kultur, Nachtleben, Natur, …)
Julia Riedler: Es gibt ja ganz tolles gastronomisches Angebot in Freiburg, wow! Für richtig gutes, leckeres Essen aus der Region gehe ich gern ins Rothaus Schwarzwald Erleben gleich in der Bertoldstraße. Das gemütliche Bier trinke ich nach der Probe in der Kneipe Babeuf.
Bild: Theater Freiburg



