Kunst

In ihren Bann gezogen: Bodo Korsig „Edge of Perception“ in der Galerie Albert Baumgarten

“Am Rande der Wahrnehmung“, so kann der englische Ausstellungstitel der aktuellen Präsentation von Bodo Korsig in der Galerie Baumgarten

In ihren Bann gezogen: Bodo Korsig „Edge of Perception“ in der Galerie Albert Baumgarten

“Am Rande der Wahrnehmung“, so kann der englische Ausstellungstitel der aktuellen Präsentation von Bodo Korsig in der Galerie Baumgarten übersetzt werden. Wie zutreffend dieser Titel ist, davon können sich die Besucher in den kommenden Wochen selbst überzeugen.
Es ist das erste Mal, dass der international agierende und weitgehend in Trier lebende Künstler seine Arbeiten in Freiburg zeigt. Aus diesem Grund erhält man die Gelegenheit, sich einen Überblick über seine Objekte und Bilder aus den letzten 25 Jahren zu verschaffen. Die Werkauswahl schlägt einen Bogen von den ausgehenden 1990er Jahren mit den sogenannten Pulp-Paintings, bis hin zu den aktuellen Cut-Outs aus Aluminium und Cortenstahl.
Bei den Pulp-Paintings bedient sich Bodo Korsig einer Technik, die auch David Hockney bis zur höchsten Perfektion getrieben hat. Man könnte es als Zellstoffmalerei bezeichnen, da das verwendete Material ein Brei (Pulp) aus Pflanzenfasern ist, der im Zusammenhang mit der Papierherstellung entsteht. Dieser Brei wird eingefärbt und mit dem Pinsel oder mittels eines Siebs auf den Untergrund aufgetragen. Untergrund und Zellstoffbrei verbinden sich, wobei eine haptische, leicht raue Oberfläche entsteht.
Bodo Korsig konzentriert sich in seinen Pulp-Paintings auf puristisches Schwarz auf Weiß. Abstrakte Kreisformen bilden eizellenartige Anhäufungen und Kettenstrukturen. Sie erinnern entfernt an Abbildungen aus dem Biologiebuch und tragen ausdrucksstarke Werktitel wie: color of exhalation (Farbe der Ausatmung), coir of exhalation (Chor der Ausatmung), Emergence (Entstehung). Ihre Bildsprache ist abstrakt und organisch zugleich Bis hin zu seinen aktuellen Arbeiten bewegt sich der Künstler in dem gleichen bildnerischen Themenkomplex, die gestalterische Umsetzung ist jedoch über die Jahre eine andere geworden. Die amorphen Formen werden nun aus Aluminium oder Cortenstahl schablonenhaft ausgeschnitten und in einem Abstand von ca. 8-10 Zentimetern vor der Wand platziert, eine Raumwirkung entsteht. Die oft schwarz gehaltene Vorderseite wird auf ihrer Rückseite mit leuchtend rotem Neonlack pulverbeschichtet, so dass sich auf der weißen Wand ein dezent magisch wirkender, rötlicher Schatten bildet.
Bodo Korsigs Faszination gilt Fragen der menschlichen Entwicklung, der Entstehung und den Äußerungsformen von Denken und Fühlen, den Abläufen im Gehirn. Diese Themen werden naturwissenschaftlich, vor allem in den Neurowissenschaften untersucht und auch mit fotografischen Abbildungsverfahren sichtbar gemacht. Die Wissenschaftsbilder von mikroskopischen Vorgängen im Inneren des Körpers, Querschnitten des Gehirns, der Möglichkeit mit optischen Mitteln, Gefühlsvorgänge sichtbar zu machen, ist beeindruckend.
Diese Vorgänge im Inneren des Menschen auch in eine künstlerisch eigenständige ästhetische Form zu übertragen ist Bodo Korsigs Anliegen. In seinen Cut-Outs sehen wir die Verkörperungen von so komplexen Gefühlszuständen wie „Luck of Desire“ (Glück des Begehrens) oder „hidden mind“ (verborgener Geist). Zeichenhaft, in gestalterischer Verdichtung, ziehen sie uns in ihren Bann.

Bodo Korsig: Edge of Perception. Galerie Albert Baumgarten, Kartäusserstr. 32, Freiburg. Bis 24.10.26

Foto: Bodo Korsig: „hidden mind“, 2016 Foto: privat

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Christiane Grathwohl