Kunst

Die forschende Künstlerin: Mo Diener zeigt „Hologramm“ im Rehmann-Museum im schweizerischen Laufenburg

“Spurensuche“ lautet der Begriff, der einem beim Besuch des Rehmann-Museums in Laufenburg/Schweiz unweigerlich in den Sinn kommt. Der Ort,

Die forschende Künstlerin: Mo Diener zeigt „Hologramm“ im Rehmann-Museum im schweizerischen Laufenburg

“Spurensuche“ lautet der Begriff, der einem beim Besuch des Rehmann-Museums in Laufenburg/Schweiz unweigerlich in den Sinn kommt. Der Ort, hoch über dem Rhein gelegen, wurde keineswegs als white box zur Präsentation einer Sammlung konzipiert. Vielmehr diente es dem expressionistischen und später abstrakten Bildhauer Erwin Rehmann als Atelier. Schwere Gusskessel und andere Werkstatteinrichtungen sowie einige Werke im Garten erinnern wie archäologische Fragmente noch heute an die Anwesenheit des 2020 verstorbenen Hausherren. Gerade so, als habe er sich nur zurückgezogen, um anderen Ort und Zeit zu überlassen.
Womit wir wieder bei der Spurensuche wären, denn die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Hologramm“, eine erste Werkschau der Zürcher Video- und Konzeptkünstlerin Mo Diener, befasst sich dezidiert mit Archäologie, mit Recherche, aber auch mit Zeitschichten und deren Freilegung mit den Mitteln der Kunst.
Als Bezugspunkt für den ersten Abschnitt der Ausstellung dient eine 4000 Jahre alte Doppelaxt, die bei archäologischen Forschungen am Zuger See zutage gefördert wurde. Programmatisch wird eine Replik dieses Objekts gleich beim Eingang ausgestellt. Dieser wunderschöne Gegenstand mit dem glatt geschliffenen Kopf und dem kunstvoll in Birkenrinde gehüllten Stiel hätte durchaus eine bessere Inszenierung verdient, zumal er als gedanklicher Ausgangspunkt für das titelgebende Werk „Hologramm – Die Archäologin“ dient.

MoDiener: „Hologramm: Die Archäologin“, 2026 Foto: Andrea Luca Ammann


Mo Diener bezieht sich bei dieser Arbeit auf einen mehr assoziativen Ansatz der Archäologin Eda Gross, die ganz allgemein Wasserwelten als verbindendes Element früherer Kulturen interpretiert, und im Speziellen die im See gefundene Axt nicht als Werkzeug oder Waffe, sondern als kultisches Objekt interpretiert. Wenn man so will als ein frühes Kunstwerk, das nach dieser Interpretation abstrakte Begriffe wie Wehrhaftigkeit, Schutz, Ernährung und Wohlergehen greifbar machte – und wovon das Objekt noch heute erzählen kann. Eda Gross hat dies in einem – ebenfalls etwas unter Wert präsentierten – „Lied an die Doppelaxt“ niedergeschrieben, und Mo Diener hat sich davon zum besagten Hologramm inspirieren lassen. Dieses lässt sich in einem separaten Raum des Rehmann-Museums bewundern. Land, Wald, Wasser und die darin verborgene Doppelaxt befinden sich in einer Metamorphose, so dass neben den drei räumlichen Dimensionen auch die Zeit als weitere Kategorie sichtbar wird.
Kunst als Methode kulturaler und anthropologischer Forschung setzte Mo Diener auch bei frühen Video-Arbeiten aus den 1990er-Jahren ein. Die Ausstellung präsentiert ein Video mit dem Titel „emmetropie“, was so viel wie Normalsichtigkeit bedeutet. Das Bild zeigt einen archaisch anmutenden Frauenkörper mit lichttechnisch verfremdetem Blick und leuchtender Zunge. Auf der Tonspur erzählen fiktive gesellschaftliche Typologien (Jäger, Geschäftsleute, Sportler, eine Braut und so weiter) über ihre Tätigkeiten. Dieses in seiner unmittelbaren Wortwirkung verstörende Soziogramm hat Mo Diener später zur Installation „Vestiga Vitae“ (Spuren von Leben) ausgebaut – visuell potenziert auf fünf Monitoren, dafür ohne Worte.
Fotos, Programmhefte und eine nachgebaute Rauminstallation beschreiben im Weiteren verschiedene Performances und gesellschaftskritische Interventionen von Mo Diener. Unter anderem setzte sie sich aufgrund familiärer Betroffenheit mit dem Roma Jam Session Art Collective für die Sichtbarmachung fahrender Minderheiten in der Schweiz ein. Die Situation von Sinti, Roma und Jenischen beleuchtete sie auch mit dem weniger artifiziellen, dafür aber griffigeren Format der filmischen Dokumentation. Mehr journalistischer als künstlerischer Natur sind auch die Mitschnitte von Gesprächen mit dem indischen Kulturanthropologen Masatoshi Konishi. Auch wenn diese aus dem typischen Ausstellungsrepertoire herausfallen, liefern sie zum Abschluss des Rundgangs doch eine programmatische These zu Mo Dieners Œuvre: Keine Kunst ohne Kontext zu Zeit und Gesellschaft.
Willi Adam

Mo Diener: Hologramm. Rehmann-Museum Laufenburg/Schweiz. Am 18. Oktober stellt Mo Diener die erste Monografie über ihr Werk vor. Bis 13.12.2026.

Foto: Mo Diener: „Sommersprossen“, Orgatron 1998 Foto: Andrea Luca Ammann

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