Interview Musik Stadtleben

Musik verbindet und macht stark: Drei Fragen an … Alvva, Musikerin & Gründerin Feminale Freiburg

Mit der ersten Feminale Freiburg, die am 3. Dezember ab 18 Uhr ins Freiburger Vorderhaus einlädt, möchte die Gründerin

Musik verbindet und macht stark: Drei Fragen an … Alvva, Musikerin & Gründerin Feminale Freiburg

Mit der ersten Feminale Freiburg, die am 3. Dezember ab 18 Uhr ins Freiburger Vorderhaus einlädt, möchte die Gründerin Rebecca Sichtbarkeit und Vernsetzungsmöglichkeiten für FLINTA*-Musiker:innen schaffen. Dazu wird es einen Panel-Talk, ein Vernetzungstreffen sowie Live-Musik zum Ausklingen geben. Rebecca alias Alvva ist selbst Musikerin und Produzentin in Freiburg, kennt also die Problematiken der Musikbranche, insbesondere dann, wenn es um Repräsentation und fairen Umgang innerhalb der Szene geht. Elisabeth Jockers stellte Rebecca drei Fragen.

Kultur Joker: Du stehst nicht nur als Musikerin auf der Bühne, sondern schaffst mit der ersten Freiburger Feminale aktiv neue Strukturen für FLINTA*-Artists. Gab es in deiner eigenen musikalischen Laufbahn einen konkreten Moment der Frustration oder der Erkenntnis, der den Ausschlag gab, vom reinen Musikmachen ins Veranstalten zu wechseln?

Alvva: Strukturelle Benachteiligungen aufgrund von Geschlechteridentität prägen nach wie vor die Musiklandschaft. Dabei ist für mich das Wort „strukturell“ der wesentliche Punkt: Erstmal gibt es da die persönlichen Erlebnisse auf Mikroebene in Alltagssituationen: misstrauische Blicke des Technikers beim technischen Aufbau meines eigenen Set-ups oder auch die einzige FLINTA*-Person im Backstage zu sein und Garderobe und Dusche mit der gesamten männlichen Besatzung teilen zu müssen.

Viel offensichtlicher zeigt es aber ein Blick auf die Livebranche: der Trend bewegt sich tendenziell auf mehr Diversität in den Bookings zu, aber auf Festivalbühnen und in Förderprogrammen sind insbesondere intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans- und agender Artists deutlich unterrepräsentiert. Damit fehlen nicht nur Sichtbarkeit und Fördermöglichkeiten, sondern auch Vorbilder und Empowerment für die nachfolgende Generation.

Hinzu kommen Arbeitsbedingungen, die sich nur schwer mit familiärer Care-Arbeit vereinbaren lassen: Geringe und unregelmäßige Einkommen, schwer planbare Arbeitszeiten und finanzielle Einbußen während des Mutterschutzes, können künstlerische Laufbahnen erheblich erschweren.

Damit stoßen wir auf tiefsitzende Strukturen die für uns einzelne vermeintlich unerreichbar sind. Die Feminale Freiburg soll in dieser Hinsicht eine Möglichkeit sein, das eigene, lokale Netzwerk zu stärken, gemeinsam Kräfte zu mobilisieren und von den Expertisen vieler talentierter Menschen zu profitieren! Vielleicht kann ich heute nicht das System ändern, aber morgen mein eigenes erschaffen und übermorgen sehen es andere und machen mit.

Kultur Joker: Welcher Einfluss aus einer völlig anderen Kunstform prägt deine Ästhetik beim Schreiben und Produzieren? Gibt es überraschende Vorbilder?

Alvva: Das Verträumte von Debussy, die Synthiesounds von Tame Impala, Lyrics von Men I Trust… Alles was wir hören gräbt sich ja in unser Unterbewusstsein und wird dann unerwartet irgendwann wieder reproduziert. Oft sind es einzelne Details, in denen ich gewisse Einflüsse wieder erkenne und es ist spannend zu sehen, was mein Kopf daraus macht!

Am Ende ist meine Musik auch nur ein Konglomerat aus dem, was ich täglich erlebe und wahrnehme. Manchmal ist es auch ein Spaziergang in der Morgensonne oder irgendein Bass-Synth den ich in einem DJ Set beim feiern gehört habe.

Kultur Joker: Die Feminale bündelt nicht nur Diskurs und Panel-Gespräche, sondern mündet in Live-Konzerten. Wenn du selbst auf der Bühne stehst und die Energie des Publikums spürst: Was kann ein Live-Moment bewirken, das ein Talk über strukturelle Benachteiligung nicht erreichen kann?

Alvva: Musik verbindet und macht stark! Ohne Worte und ohne große Reden. Und genau das ist die Feminale: Ein Moment, der all die zahlreichen talentierten Musiker:innen zusammenbringt, die hier in Freiburg leben und vielleicht gar nicht voneinander wissen. Wenn all diese Menschen zusammen kommen, können starke Projekte entstehen! Und abgesehen davon gibt es nichts wertvolleres als ein aktives, vielseitiges Netzwerk. Die Feminale Freiburg lädt alle ein, die Musik machen, Musik lieben oder einfach Teil einer solidarischen Musikszene sein wollen.

Kultur Joker: Vielen Dank für deine Antworten.

Foto: Julius von Campenhausen

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