Mit Kugelschreiber auf liniertem Papier: Emil Ferris „Between Selves“ im Cartoonmuseum Basel
Im Cartoonmuseum Basel in der St. Alban Vorstadt, die auf der Großbasler Seite neben dem Rhein und dem Neubau
Im Cartoonmuseum Basel in der St. Alban Vorstadt, die auf der Großbasler Seite neben dem Rhein und dem Neubau des Kunstmuseums verläuft, zeigt die Comiczeichnerin Emil Ferris auf drei Ebenen zahlreiche unveröffentlichte Originalzeichnungen sowie Illustrationen für Kinderbücher, ihrem Metier bis 2017. Heute zählt Ferres, die 2017 Band I von „Am liebsten mag ich Monster“ veröffentlicht hat zu den bedeutendsten zeitgenössischen Comiczeichnerinnen. Das Werk hat mehr als 200 Seiten. Dafür erhielt Emil Ferres den renommierten Eisner Award und später weitere Auszeichnungen. Im Band I verwebt sie komplexe plastische Bilder mit einem mehrschichtigen Text, in dem sie inneres Erleben, kulturelle Einflüsse und soziale Ebenen von der Antike bis heute lebendig werden lässt. Die biografisch inspirierte Hauptfigur ihres Comicbandes ist Detektivin, träumt jedoch auch davon, ein Werwolf zu sein. Sie heißt Karen und hat große Freude an Verwandlungen. Die geschulte Texterin Ferris hat den Abschluss MFA den Master of Fine Arts in Creative Writing an der Schule des Art Instituts von Chicago gemacht.
Die Werbeplakate des Museums für die Ausstellung fallen in der Stadt Basel auf. Darauf hält ein ernst blickendes, doch konzentriert blickendes Monster mit spitzen Ohren, einer rüsselähnlichen Nase und zwei langen Eckzähnen (s)eine Maske, das Gesicht einer rund sechzigjährigen Frau. Beide, das beinahe ängstlich dreinschauende Monster und die, ach so lebendige Maske blicken uns an. Auffordernd das junge Gesicht, abgeklärt, beinahe traurig das ältere. Es gibt keine Nägel an den Händen, nur spitz zulaufende, beinahe elegante Krallen. Ein anderes Monster aus dem Band 1 der Fantagraphic Books zeigt eine Art Perchtenmaske wie sie im Frühjahr zur Winteraustreibung in Tirol auf den Straßen zu finden ist. Ein Gesicht zum Fürchten mit gedrechselten Hörnern, Glasaugen, Reißzähnen und einer langen roten Zunge. Figuren aus Dantes Hölle begegnen in großem Format an der Ausstellungswand im Erdgeschossraum des Cartoonmuseums sowie allerhand Fantasie- und Fabelwesen. Dazwischen finden wir im Blumenoverall eine schlanke, blonde junge Frau, Ferris Alter Ego mit dem handgemalten Plakat „Make Love not War“ aus dem Band 2 „Am liebsten mag ich Monster“. Zwei Köpfe flankieren die Aktivistin, erinnern an einen Beatle und einen Rastafari. Die Zeit von Ringo Star und Bob Marley. Doch auch eine Nonne aus dem noch unveröffentlichten Werk „Blemmy“ erweitert das Spektrum. Ein Video mit der 1962 in Chicago geborenen Künstlerin, die darin unentwegt in verschiedenen Farben schraffiert und von ihrem Schaffen erzählt, lässt BesucherInnen im Bibliotheksraum im ersten Stock aufhorchen. Sie erzählt von Vorlagen in der Schule wie dem Methodistenpaar vor seiner Kirche. Es war nebst zwei weiteren den Mädchen zum Ausmalen vorbehalten. Jungs hingegen konnten eine Vielzahl vom Helden zum Priester, Lehrer und Staatsmann bemalen. Mit Kugelschreiber auf liniertem Papier gezeichnet verbindet Ferres ihre poetische Ader mit einer radikal subjektiven Erzählweise. Ihr Stil ist so vielfältig wie ihre Themen: Tagebuchseiten wechseln mit ganzseitigen Porträts, Details klassischer Gemälde und freien Bildfolgen, was das Lesen nicht immer einfach, doch stets unterhaltsam macht. In Workshops mit Basler Comicschaffenden und im Druckwerk Basel kann, inspiriert von der Ausstellung, weiter entdeckt und experimentiert werden.
Emil Ferres: Between Selves. Cartoonmuseum Basel Zentrum für narrative Kunst St. Alban Vorstadt 28. Bis 15.11.26
Foto: Emil Ferris: „Selbstportrait“, 2002 © Emil Ferris




