Isabelle Redfern bringt „Die Jane-Austen-Methode“ im Theater Freiburg auf die große Bühne
So ein englischer Landschaftspark ist eigentlich der perfekte Bühnenprospekt. Eine Menge Baumgruppen und Büsche, die nach Belieben verschoben werden
So ein englischer Landschaftspark ist eigentlich der perfekte Bühnenprospekt. Eine Menge Baumgruppen und Büsche, die nach Belieben verschoben werden können, ein Herrenhaus, ein Teich. In Jane Austens Romanen ist er Bühne, eigensinnige Frauen laufen durch ihn mit unpassendem Schuhwerk, Männer reiten hindurch und retten mitunter Frauen. Er bietet Privatheit, wenn sie erwünscht ist. Nicht zuletzt ist so ein englischer Landschaftspark Hinweis, ob der Besitzer eine gute Partie ist. Letztes Jahr wurde der 250. Geburtstag der Autorin gefeiert. „Die Jane-Austen-Methode“ von Golda Barton, die von Isabelle Redfern nun im Theater Freiburg uraufgeführt wurde, wirkt wie ein Nachklapp dieses Jubiläums.
In Bartons Komödie „Die Jane-Austen-Methode“ hat Bettina Meyer im Großen Haus des Theater Freiburg vor diese Landschaft eine Psycho-Seminar-Architektur gesetzt. Ein paar Stühle, ein Sitzball, links eine Teestation, rechts ein Regal mit Rattanboxen und mittendrin Katinka Stolzenbach-Tiefwasser (Anja Schweitzer), Erfinderin der Jane-Austen-Methode, mit der sie ihr Klientel von der romantischen Liebe befreien will. Sie ist Autorin zweiten Grades, kein Wunder, dass später Jane Austen (Riah Knight) auf den Plan tritt und ihr Werk verteidigt. Mariama Sow hat für sie ein bodenlanges hellblaues Kleid mitsamt Haube entworfen, deren Rock etwas von einem altmodischen Lampenschirm hat. Katinka Stolzenbach-Tiefwasser trägt ihr graues langes Haar so ausgestellt souverän, dass man dahinter große Verzweiflung vermuten kann. Ähnlich stereotypisch sind alle Figuren angelegt: da ist der nice guy, den keine Frau sexy findet, Urs Peter Halter in einem Pullunder mit Dackel zeigt einmal mehr sein komisches Talent, der ausgebrannte Finanzberater (Kei Muramoto), die Alleinerziehende mit Trennungsschmerz (Janna Horstmann), Erol Ersoy (Onur Kurtulmus), der im Seminar private Interessen verfolgt, Mojo Appiah (Elisa Lynn Dillier), die aus den heteronormativen Beziehungen ausbrechen will und die Influencerin Lilian Flores (Jana Baldovino). Ihre Sicht auf Jane Austens Werk, den Feminismus und die Politik in den Vordergrund zu rücken, entspricht einem zeitgenössischen Blick auf die Romane. Isabelle Redferns Inszenierung übertragt allenfalls den ironischen Blick Austens auf die heutige Therapiegesellschaft und wirkt im Vergleich zu Austens Romane geradezu altbacken.
Man könnte sich das alles mit mehr Substanz vorstellen. Isabelle Redfern inszeniert die künftigen Paare in Schlüsselszene der Romane, jeder bekommt seinen Song (Reddym, Riah Knight), der den Figuren etwas Tiefe gibt, die Nähe zum Musical ist offensichtlich. Ute Pliestermann überträgt mit ihren Choreografien die Line-Dances der Regency-Zeit ins Zeitgenössische. Und wie beim englischen Landschaftspark findet sich auch in der kodifizierten Sprache des Tanzes Freiraum in der Synchronizität der Körper. Offensichtlich liegt die Stärke dieser Figuren nicht in der Sprache, also lieber etwas tun, „wo wir nicht sprechen müssen“. Elisa Lynn Dillier, der früheren Eiskunstläuferin, schnallt sie Rollerblades an. Sie ist es, die die Freiheit ganz ohne Pferd erreicht, während alle anderen dem romantischen Gefühl erliegen. Da ist die Inszenierung ganz Romcom, die das Erbe von Jane Austen angetreten ist, ohne ihr Vorbild zu erreichen.
Weitere Vorstellungen: 6./7./15. und 27. November, 15. Dezember, Theater Freiburg.
Foto: Anja Schweitzer, Kei Muramoto, Urs Peter Halter, Riah Knight, Janna Horstmann, Onur Kurtulmuş, Elisa Lynn Dillier © Sandra Then




