Theater

In diesem Sommer hat das Theater Harrys Depot „Die lustigen Weiber von Windsor“ auf dem Programm

Wie es sich im Windsor des 17. Jahrhunderts mit der Streetcredibility verhielt, ist nicht bis ins Letzte geklärt, aber

In diesem Sommer hat das Theater Harrys Depot „Die lustigen Weiber von Windsor“ auf dem Programm

Wie es sich im Windsor des 17. Jahrhunderts mit der Streetcredibility verhielt, ist nicht bis ins Letzte geklärt, aber Falstaffs Handlanger Pistol (Finnegan Melchior) und Nym (Paul Willmann) sehen mit Paisley gemustertem Kopftuch, etwas Leder und sehr viel Rüschen abenteuerlich aus. Ihr Chef hält ihnen gerade eine Standpauke, ihre Betrügereien zu seinen Gunsten könnten besser ausfallen. Doch clever sind sie, sie werden es Falstaff büßen lassen und ihm seine Tour vermasseln. Denn der macht Frau Page und Frau Fluth Avancen, der Sex ist eher der Bonus, die beiden Frauen haben die finanzielle Verfügungsgewalt über ihre Männer. Kurz, es geht hier auch um Geld.
Falstaff, den Jakob Stöckeler mit einiger Schmierigkeit ausstattet, ist von dem einen so weit entfernt wie dem anderen, die Frauen sind ihm weit überlegen. Und das gibt Barbara Zimmermanns Inszenierung von Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ den sommertheatertauglichen Tumult und ihre Dynamik. Und vielleicht hatte Windsor im 17. Jahrhundert sogar selbst etwas von einem Falstaff. Zwei Residenzen gab es in der Kleinstadt, da konnte man sich in seiner Bedeutung leicht überschätzen. Doch den beiden Frauen den gleichen Liebesbrief zu schreiben, war schon sehr selbstverliebt und setzt in der Spechtpassage die Komödienmaschine in Gang. Als ob sie schon immer beste Freundinnen gewesen wären, stehen Frau Page (Cheyenne Fliehler) und Frau Fluth (Marie-Charlotte Bonfiglio) tuschelnd in ihrer Animal-Print-Kleidung nebeneinander und fassen einen Plan, mit dem sie dann auch gleich ihre eigenen Männer (Stefan Kosakiewicz-Dorer, Kevin Francisco Cabral Rocha) düpieren. Denn das ist ja Shakespeares Steilvorlage: zwei Ehemänner, die krankhaft eifersüchtig sind und zwei Frauen mit Mutterwitz, von denen eine wiederum von einer noch clevereren und jüngeren Frau übers Ohr gehauen wird. Und natürlich Falstaff: eine ambivalent-komische Figur, die nicht nur in einem weiteren Drama Shakespeares auftreten, sondern überhaupt ein literarisches Eigenleben bekommen wird.
Die kleine Freiluftbühne vom Theater Harrys Depot ist vor allem Wohnraum, die Metalltreppe führt zum Haus der Pages, in der Gasse steht ein Grill, an dem sich alle – als eine Art Runing Gag – bedienen. Barbara Zimmermann hält das Setting schlank, schließlich braucht es Platz für neun Schauspielerinnen und Schauspieler, die teilweise mehrere Rollen übernehmen. Dafür setzt Kostümbildnerin Katja Weeke am Ende in Windsors Wald, der auch im 17. Jahrhundert schon ziemlich alt war und archaische Waldgottheiten kannte, ein wirkliches Fanal. Mit einem Geweih, sehr viel Moos, Laub und Rupfen sieht es aus wie im „Sommernachtstraum“.
„Die lustigen Weiber von Windsor“ sind eine kurzweilige Unterhaltung, mit der Barbara Zimmermann wie jeden Sommer ihr Publikum findet. Da wird wild gestikuliert und ein bisschen grimassiert, doch es gibt eben auch die Details, die den Abend auszeichnen, etwa ein Wäschekorb, dem Beine gemacht werden und das th in Fluth, das sobald Falstaff diesen Namen ausspricht, zielsicher das Auge der schlauen Frau Hurtig (Jasmin Fuchs-Perez) findet. Schön, dass man sich darauf verlassen kann.

Weitere Vorstellungen: 11./12./13. sowie 18./19. und 20. September im Ebneter Schlosspark, jeweils 18 Uhr.

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Annette Hoffmann