Kunst

Eine Ausstellung in der Bibliothek des Kunstmuseums Basel feiert zehn Jahre „Edition 51“

Fünf Freunde – Freunde der Kunst, des Lehrens und des interkulturellen Dialogs – kamen vor zehn Jahren bei einer

Eine Ausstellung in der Bibliothek des Kunstmuseums Basel feiert zehn Jahre „Edition 51“

Fünf Freunde – Freunde der Kunst, des Lehrens und des interkulturellen Dialogs – kamen vor zehn Jahren bei einer Wanderung durch den Schwarzwald auf eine handfeste Idee. Am Deutsch-Französischen Gymnasium in Freiburg wurde dann die „Edition 51“ geboren – eine Kunstmappe im LP-Format mit zwei Gedichten auf Französisch und Deutsch, einer Illustration und per QR-Code abrufbarer Musik. Dass alles handgemacht ist, verdankt dieses originelle Kunstprodukt Philipp Rehage, der sich das heute kaum noch praktizierte Handwerk des Bleisatzes angeeignet hat und eine Druckwerkstatt in Horben besitzt. Einmal im Jahr erscheint ein neues Album, gestaltet von den bildenden Künstlern Gilles Dupas und Alexander Schönfeld mit der Begleitmusik von Mathias Schillmöller am Flügel und dem literaturwissenschaftlichen Kommentar von Olaf Hildebrand. Für den etwas rätselhaften Namen gibt es gleich mehrere plausible Erklärungen: Gedruckt wird die Edition in 51 Exemplaren, es gibt immer einen Menschen, der dazukommt – meist ist es Sophie Marest mit Klangperformances – und die Freunde lieben, ah la France!, Pastis.
Zum zehnjährigen Bestehen des ungewöhnlichen Projekts im Zeichen des Dialogs der Künste und der Kulturen zeigt die Bibliothek des Kunstmuseums Basel – das ist eine wirklich feine, auch architektonisch interessante Adresse – , die bisher im „deutsch-französischen Wechselspiel“ entstandenen Editionen. Es handelt sich naturgemäß um Konzeptalben. Das erste widmete sich dem Flüchtigen, le fugitif: Da darf und kann Baudelaires ikonisches Pariser Poem „A une passante“ nicht fehlen. Den Berliner Resonanzraum bildet Tucholskys Gedicht „Augen in der GroßstadtM“ mit der wiederkehrenden Memento-Mori-Zeile „vorbei, verweht, nie wieder“. Es gibt Alben zur Dämmerung (crépuscule), zur philosophischen Skepsis („Et–il vrai?“ – „So fragen wir“), zur Liebe (mit dem Gegenpart „Sensation“) mit einem wunderbaren Gedicht von Else Lasker-Schüler, zur Einsamkeit („ensemble“ – „allein“), bei der man auf Hermann Hesses berühmtes Gedicht „Im Nebel“ trifft („Kein Mensch kennt den andern / Jeder ist allein“).
Durchdacht ist das alles und während eines Jahres gereift. Die mit ästhetischem Fein- und künstlerischem Hintersinn gestalteten Alben sind auch das Ergebnis von Entschleunigung und Konzentration. Sie schöpfen aus dem Reichtum deutsch-französischer Kultur mit einem Schwerpunkt auf Moderne und Gegenwart. Man möchte ja sofort mal wieder nach Frankreich fahren, wenn man Verse von Rimbaud, Valéry und Houellebecq gelesen, Klaviermusik von Ravel oder Debussy gehört hat. Zur Ausstellung ist ein mit größter Sorgfalt und Liebe gestalteter Katalog erschienen.

Bibliothek des Kunstmuseums Basel. Mo bis Fr 10 – 18 Uhr. Bis 25.09.26

Foto: Linolschnitt von Alexander Schönfeld © Künstler


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Bettina Schulte