Mut zum Wandel: Die Kunsthalle Messmer zeigt eine Ausstellung zum Werk von Hermann Hesse
Die Hermann Hesse gewidmete Ausstellung in Riegel in der Kunsthalle Messmer trifft einen Nerv der Zeit. Bereits seit hundert
Die Hermann Hesse gewidmete Ausstellung in Riegel in der Kunsthalle Messmer trifft einen Nerv der Zeit. Bereits seit hundert Jahren schafft es Hesses Literatur die Herzen der Menschen zu berühren. Sie kommt nicht aus der Mode, aktuell ist wieder ein regelrechter Hesse-Trend unter jungen Menschen zu beobachten. Seine Offenheit für Neues, seine stete Suche nach sich selbst, sein intensiv gelebter Pazifismus und die Toleranz von Fremdem, das Interesse an neuen Lebensformen, all das macht Hesse für jede Generation wieder so spannend.
Seine Bücher und Gedichte und die eng damit verbundene Malerei ist zeitlos. An die 3000 Aquarelle umfasst Hesses malerisches Schaffen. Die Ausstellung zeigt die 127 Aquarelle, die sich in der Sammlung der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim/Calw befinden. Ergänzt werden die kleinen Kunstwerke mit Briefen, Gedichten und Erstausgaben der Bücher. Es wird sichtbar wie eng Schreiben und Malen für Hermann Hesse verbunden waren.
Die Anfänge für seine Malerei liegen in einer großen Lebenskrise. Hesse, der sein Leben lang ein Suchender war, befand sich in den 1910 Jahren in einer Phase tiefer Erschütterung. Die Welt war im Umbruch, das Drama des 1. Weltkriegs und persönliche Schicksalsschläge, ließen ihn in Depression und Orientierungslosigkeit versinken. Mitten im Krieg begab er sich 1916 in psychoanalytische Behandlung. Sein Arzt empfahl ihm, mit dem Malen zu beginnen und so durch ein anderes Medium als das Schreiben, neue Wege für sich zu erkunden.
Hesse begann mit der Aquarellmalerei, er sollte für den Rest seines Lebens nicht mehr damit aufhören. Es entstanden Selbstbildnisse und Traum-Tagebücher. Die Malerei, die zunächst als Therapieform gedacht war, wurde zunehmend zu einer unverzichtbaren zweiten Sprache, einer Sprache, in der er Erfüllung und Glück finden konnte. Als Hesse im Jahr 1919 ins Tessin, nach Montagnola bei Lugano umgezogen war, entdeckte er dort den Zauber der südlichen Landschaft. Er geriet in einen Schaffenstaumel und malte die ihn umgebende Natur. Die Berge, die Ortschaften mit ihren verschachtelten Häusern, der See und die Blicke in die Ferne faszinierten ihn zunehmend. Auch die Pflanzenwelt, die Gärten, die Bäume wurden ihm zu Bildmotiven.
Hesse als Gärtner ist eine eigene Abteilung in der Riegeler Ausstellung gewidmet. Überall, wo er sich niederließ, legte er einen Garten an. Der Garten ist ein Konzept, der so wie der Baum für Hesse eine metaphorische, eine existenzielle Bedeutung hatte. Vor allem in den 1930er Jahren widmete er sich der Gartenarbeit als meditativem Ausgleich zu seinem hochkomplexen Alterswerk dem „Glasperlenspiel“, an dem er über ein Jahrzehnt lang geschrieben hat.
Oft nahm der Dichter auf seinen Wanderungen die Malutensilien mit und stellte den Malschemel in die Landschaft. Die Aquarelle entstanden vor Ort im Freien. An manchen Tagen war er so produktiv, dass gleich mehrere Blätter fertig wurden.
Hesse war auch ein intensiver Briefschreiber. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg – Hermann Hesse hatte 1946 den Literaturnobelpreis erhalten – erfragten viele Menschen schriftlich seinen Rat – und er nahm diese Aufgabe sehr ernst. Die unglaubliche Anzahl von circa 40.000 Briefen ist auf diese Weise zusammengekommen. Bei Freunden legte er seinen Briefen immer wieder ein kleines Aquarell bei oder begann einen Brief mit einem gemalten Bildchen. In seiner Selbstdefinition war er jedoch immer ein malender Dichter und nicht umgekehrt. Die Prämisse war für ihn klar. Die Malerei gehörte zu seinem Leben, aber seine Profession war die Schriftstellerei.
Die Ausstellung wird über Hesses eigene Werke hinaus erweitert mit einem Bereich, der auf seine Wirkung in den Jahrzenten nach seinem Tod 1962 eingeht. Dort findet sich ein von Andy Warhol geschaffenes Porträt und auch auf den großen Hesse-Bewunderer Udo Lindenberg wird aufmerksam gemacht, ebenso wie auf die Rockband Steppenwolf mit ihrem Erfolgssong „Born to be wild“.
Sie alle schlagen den Bogen zur Gegenwart und zu der Botschaft dieser Ausstellung. Sie besteht aus Hermann Hesses eigenem Credo: Das Bekenntnis zu Pazifismus, Menschlichkeit und dem Mut zu Wandel und Selbstfindung.
Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch: Dichter, Maler, Nobelpreisträger. Kunsthalle Messmer, Grossherzog-Leopold-Platz 1, Riegel. Bis 11.10.26
Foto: Hermann Hesse: „Häuser am Hang“, Aquarell, 1927 © Kunststiftung Sparkasse Pforzheim Calw




