Interview Musik

Jeder Abend ist anders: Drei Fragen an … Artem Lonhinov, 1. Kapellmeister Theater Freiburg

Im Alter von vier Jahren begann Artem Lonhinov, geboren in Dnipro (Ukraine), das Geigespielen. Nach seinem Abschluss mit Auszeichnung

Jeder Abend ist anders: Drei Fragen an … Artem Lonhinov, 1. Kapellmeister Theater Freiburg

Im Alter von vier Jahren begann Artem Lonhinov, geboren in Dnipro (Ukraine), das Geigespielen. Nach seinem Abschluss mit Auszeichnung an der Musikfachschule in Dnipro als Geiger, Komponist und Dirigent zog er 2014 nach Deutschland, um an der Hochschule für Musik und Theater in München weiterzustudieren, wo er im Februar 2022 sein Violinstudium abschloss. Seit Juni 2022 hält er einen Masterabschluss im Orchesterdirigieren. An der Oper Bern überzeugte er von 2023 bis 2025 als 1. Kapellmeister. Seit 2025 ist er 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD am Theater Freiburg, wo er aktuell die Musiktheater-Produktionen „Rigoletto“ und „Europa“ im Großen Haus dirigiert.

Kultur Joker: Welche Aufgabe hältst Du für die am meisten unterschätzte im Theaterbetrieb?

Artem Lonhinov: Für mich sind es die Inspizient*innen. Man nimmt sie kaum wahr, aber sie sind eigentlich die Schaltzentrale eines Abends. Bei ihnen laufen alle Informationen zusammen – Bühne, Technik, Umbauten, Einsätze. Während man selbst im eigenen Bereich ist, haben sie immer das große Ganze im Blick. Und vor allem: Sie müssen im richtigen Moment entscheiden und reagieren. Wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft – und das tut es ja im Theater regelmäßig –, sind sie die, die den Laden zusammenhalten, oft innerhalb von Sekunden. Ohne sie würde ein Theaterabend ziemlich schnell auseinanderfallen.

Kultur Joker: Was war der Schlüsselmoment, in dem Du wusstest, dass Du im Kulturbetrieb/Theater arbeiten möchtest?

Artem Lonhinov: Der Schlüsselmoment kam für mich bei den Opernfestspielen in Heidenheim. Noch als Student von Prof. Marcus Bosch an der Hochschule für Musik und Theater München war ich dort mehrere Sommer als Assistent dabei. Ich habe mit Sänger*innen gearbeitet, den Chor hinter der Bühne dirigiert und zum ersten Mal wirklich alle Abläufe einer Opernproduktion kennengelernt.

2019 wurde ich dann nach einem Auswahlverfahren der Stuttgarter Philharmoniker ausgewählt, eine Vorstellung von „Pique Dame“ zu dirigieren – meine erste Oper überhaupt im Orchestergraben. In dem Moment wusste ich: Das ist es.

Was mich bis heute an der Oper begeistert, sind vor allem drei Dinge: Erstens die Teamarbeit – man schafft gemeinsam mit vielen Menschen etwas. Zweitens dieser Prozess: In wenigen Wochen entsteht aus dem Nichts eine komplette, neue Produktion. Und drittens der Adrenalinmoment im Graben – man weiß nie genau, was passiert. Es gibt immer wieder unerwartete Situationen, Einspringer*innen ohne Proben, spontane Entscheidungen auf der Bühne. Jeder Abend ist anders, vieles ist nicht wirklich planbar – und genau das macht es für mich so spannend.

Kultur Joker: Wie findest Du nach einem langen, intensiven Arbeitstag im Theater wieder zur Ruhe? Hast Du ein Ritual?

Artem Lonhinov: Nach einem langen, intensiven Arbeitstag im Theater – gerade nach Premieren oder in den heißen Phasen großer Produktionen – liebe ich vor allem eins: die Umgebung zu wechseln. Einfach raus, in eine andere Stadt oder sogar ein anderes Land fahren, den Kopf frei bekommen, den Alltag hinter sich lassen. Solche Momente geben mir Abstand, neue Eindrücke und Inspiration. Für mich ist das die schönste Art, nach intensiver Arbeit wieder Ruhe zu finden, bevor der nächste kreative Abschnitt beginnt.

Kultur Joker: Lieber Artem, herzlichen Dank für die Antworten!

Weitere Infos & Tickets: theater.freiburg.de

Foto: Theater Freiburg

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Elisabeth Jockers