Theater

In einer stürmischen Nacht: Das Theater Melchior inszeniert „Die Leuchtturmwärter“ auf der Experimentalbühne

Da sitzen sie am groben Holztisch und langweilen sich zu Tode, während draußen der Sturm peitscht und meterhohe Monsterwellen

In einer stürmischen Nacht: Das Theater Melchior inszeniert „Die Leuchtturmwärter“ auf der Experimentalbühne

Da sitzen sie am groben Holztisch und langweilen sich zu Tode, während draußen der Sturm peitscht und meterhohe Monsterwellen an die Insel schlagen. Essen? Schon wieder Kabeljau und außerdem ist noch nicht Zeit, Disziplin muss sein, bei aller Monotonie des Wartens. Dann eben Kartenspielen, lustlos, gereizt. Bärte, Wollmützen, schwere Stiefel, tropfnass die Wachsmäntel an der Garderobe. Drei ganz unterschiedliche Männer auf einer Rockstation im Nirgendwo inmitten der rauen See, einsam und weit weg von jeglicher Zivilisation. „Im Fegefeuer“, wie sie es selbst nennen. Ob es das Paradies überhaupt irgendwo gibt – dazu hat jeder der Drei seine eigene Meinung.
„Die Leuchtturmwärter“, so der Titel des neuen Stückes von Finnegan Melchior, zu dem sich der 22-jährige Schauspielschüler von einer wahren Begebenheit inspirieren ließ: Am 15. Dezember 1900 verschwanden drei Leuchtturmwärter spurlos von Eilean Mòr, einer der Flannan-Inseln vor der Westküste Schottlands. Bis heute ist unklar, was damals genau passierte: Sind sie verrückt geworden, gab es Streit, einen Unfall? Oder war der Grund etwas ganz anderes? Melchior lässt nun auf der schwarz getünchten E-Werk-Experimentalbühne (Lennart Katz) seine Version als Mystery-Kammerspiel erzählen: Atmosphärisch dicht, unheimlich, packend. Es ist nach „Bielski“ sein zweites Stück, bei dem er auch Regie führte. Eine düstere Uraufführung,vielschichtig und nicht ohne Witz….
Schwierig die Inszenierung zu kommentieren, ohne zu spoilern: Eben noch philosophierten Jonas Müller, Samuel Schmollinger und Yann Cousquer fatalistische Sprüche wie „Am Fuße des Leuchtturms ist kein Licht“, da klopft es an er Tür. Beharrlich. Besuch? Wie kann das sein bei diesem Sturm? Schließlich ist Eilean Mòr „keine Insel, an der man anlegt, sondern eine, der man ausweicht.“ Dann kommt Daisy. Zoë Ava Reil gibt sie als freundliche Sphinx: Stoisch und doch zugewandt und aufmerksam. Ein Hexenweib? Eine Banshee-Geisterfrau und irische Todesfee? Oder nur eine “Jungfrau in Nöten“, die sich allein auf einem Boot gerettet hat? Kaum vorstellbar bei dieser See – die steigt und steigt, auch ohne Flut….
Bedrohliches Lichtflackern (Bo Niklas Müller), das Walöl verschwunden, der Leuchtturm erloschen, das Funkgerät tot… Evakuierung unmöglich, die Boote weg. Und Daisy? Ignoriert jedes Misstrauen, bricht Widerstände mit Sanftmut, lenkt mit Blicken aufs Wesentliche, schenkt Frieden. Und fordert, dass jeder der Leuchtturmwärter ihr ein Lied spielt… So gibt es drei sehr schön gesungene Bettina-Wegener-Songs. Ein spannendes Stück mit Nachhall, toll gespielt, vor allem Jonas Müller entwickelt seine Figur schillernd und sehr intensiv.

Weitere Termine: 8. und 15. März, jeweils um 18 Uhr. Am 7., 13. und 14. März, um 20 Uhr. Experimentalbühne im E-Werk, Freiburg. Infos und Tickets unter theater-melchior.de und experimentalbuehne.com

Foto: Theater Melchior

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Marion Klötzer