Interview Musik

Musik war immer eine Form des Widerstands: Drei Fragen an … Alma Naidu, Sängerin, Komponistin und Songwriterin

Alma Naidu gehört zu den vielversprechendsten Stimmen der deutschen (Jazz)Szene und wurde als Sängerin, Komponistin und Songwriterin preisgekrönt. Alma

Musik war immer eine Form des Widerstands: Drei Fragen an … Alma Naidu, Sängerin, Komponistin und Songwriterin

Alma Naidu gehört zu den vielversprechendsten Stimmen der deutschen (Jazz)Szene und wurde als Sängerin, Komponistin und Songwriterin preisgekrönt. Alma studierte Jazzgesang und Jazzkomposition in München, Köln und London. Wer schon einmal auf einem ihrer Konzerte war, weiß: Alma schafft scheinbar mühelos den Spagat zwischen technischer Präzision und emotionalem Feingefühl. Eine Mischung, die ihre Konzerte zu einem besonders berührenden Erlebnis machen.

Auf ihrem Debütalbum „Alma“ (2022) präsentierte sie ihren persönlichen, im Jazz und der Singer-Songwriter- Tradition verwurzelten Sound und sicherte sich einen einen Platz in den Top 10 der deutschen Jazzcharts. Nun ist sie mit ihrem neuen, selbstproduzierten Album „REDEFINE“ (2025) auf Tour, mit dem sie direkt auf Platz 3 der deutschen Jazzcharts einstieg. Mit einer Mischung aus Jazz, klassischer Musik, cineastischen Klanglandschaften und Songwriting verbindet Naidu reiche Harmonik, akustische Texturen und poetische Lyrik. Am 4. Oktober, 20 Uhr steht sie auf der Bühne des Jazzhaus in Freiburg. Vorab stellte Elisabeth Jockers ihr drei Fragen.

Kultur Joker: Alma, du hast dein aktuelles Album selbst produziert. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt und wie hat das die Arbeit am Sound und an den Arrangements im Vergleich zum Debüt verändert?


Alma Naidu: Bei den Stücken für „REDEFINE“ hatte ich schon beim Schreiben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie sie am Ende klingen sollen. Ich habe in meiner Rolle als Komponistin immer mehr gemerkt, dass nicht nur die Komposition an sich, sondern auch der Sound und Mix ein wichtiger Teil des Gesamtwerks sind und für mich immer stärker zusammengehören.

Nachdem ich die große Ehre hatte, dass Wolfgang Haffner mein Debütalbum produziert hat, wollte ich mich beim zweiten Album selbst an diese Rolle wagen. Das fing schon bei der Planung der Aufnahmen an, mit welcher Besetzung welches Stück aufgenommen wird, wo und wie wir aufnehmen und welche Instrumente wir dafür brauchen. Für ein paar Stücke haben wir zum Beispiel extra ein gebrauchtes Klavier mit Felt-Pedal bei eBay gekauft, weil ich dafür diesen bestimmten weichen, gedämpften Klaviersound im Kopf hatte.
Anders als bei meinem ersten Album haben wir mal hier, mal dort aufgenommen. Ich habe Takes ausgewählt und editiert, und anschließend haben Flo Stierstorfer, der das Album gemischt hat, und ich viele, viele Stunden im Studio vorm Computer verbracht. Wir haben hier noch ein Instrument, da noch eine Backingstimme ergänzt und den Sound der Stücke über Wochen und Monate entwickelt. Jeder Song hatte seine eigene Reise.
Ich habe bei dem Prozess wirklich viel gelernt und hatte große Freude daran, viel auszuprobieren und mit so viel künstlerischer Freiheit an den Stücken zu arbeiten.

Kultur Joker: Deine Texte setzen sich intensiv mit Identität, Selbstbestimmung und dem Aufbrechen von Stereotypen auseinander. Ist Musik eine Art von Widerstand? Und wenn ja, wie wichtig ist das in unserer Gegenwart?

Alma Naidu: Als ich anfing, mich intensiver mit diesen Themen auseinanderzusetzen, war es für mich ein ganz natürlicher Prozess, sie auch in meine Musik zu bringen. Ich schreibe eigentlich immer über Dinge, die mich gerade beschäftigen oder bewegen und sehe Musik auch als Möglichkeit, Themen anzusprechen, die über einen selbst hinausgehen.

Bei meinen Konzerten adressiere ich diese Themen, an denen man vor allem als Frau nicht vorbeikommt, bewusst auch in meinen Moderationen. Ich versuche, Denkanstöße zu geben und vor allem den Männern im Publikum mitzugeben, dass Gleichberechtigung uns alle etwas angeht und es Männer als Verbündete braucht. Bisher war die Resonanz dazu größtenteils sehr positiv; vor allem Frauen kommen immer wieder nach Konzerten zu mir, bedanken sich dafür, dass ich über diese Dinge spreche und erzählen mir von ihren Erfahrungen.

Musik war immer wieder auch eine Form von Widerstand und kann das auch heute noch sein. Dass ich als Frau arbeiten und auf der Bühne stehen kann, meine eigene Musik schreiben, komponieren und produzieren kann, ist nur möglich, weil Frauen vor mir für diese Freiheiten und Rechte gekämpft haben. Und in vielen Teilen der Welt sind diese Möglichkeiten bis heute nicht selbstverständlich.

Kultur Joker: Wie gelingt dir live der Spagat zwischen technischer Präzision und emotionaler Nahbarkeit, die deine Konzerte auszeichnen?

Alma Naidu: Technisch versuche ich auf der Bühne eigentlich nicht mehr zu denken. Natürlich ist man konzentriert, aber ich versuche nicht darüber nachzudenken, wie ich einen Ton spiele oder singe, sondern einfach nur im Moment und in der Emotion zu sein.
Auch wenn wir das gleiche Programm spielen, ist jedes Konzert anders. In allen Stücken gibt es improvisierte Teile, und da muss man immer wach sein und aufeinander reagieren können. Vor allem genieße ich es jeden Abend, meiner großartigen Band zuzuhören und mit ihnen zusammen Musik zu machen.
Gerade beim Singen zeigt man immer einen Teil von sich selbst. Und da wir meine eigene Musik spielen, ist es für mich eigentlich gar nicht anders möglich, als authentisch und offen zu sein.
Und natürlich spielt auch das Publikum dabei eine große Rolle. Ich bin jedes Mal dankbar, dass Menschen kommen, um meine Musik zu hören, und freue mich, sie mit ihnen zu teilen. Und wer schon mal bei einem meiner Konzerte war, weiß, dass das Publikum gesanglich immer auch mal ran muss! (lacht)

Kultur Joker: Liebe Alma, vielen Dank für deine Antworten!

Foto: Tom Schneider

About Author

Elisabeth Jockers