Interview Musik Oper

Paris der 1860er Jahre: Drei Fragen an… Lusine Arakelyan, Violoncellistin im Philharmonischen Orchester Freiburg

Den Geist der Belle Epoque erahnend, prägte Jacques Offenbach das Paris der 1860er Jahre als Urvater der Operette. Seine satirischen Spektakel

Paris der 1860er Jahre: Drei Fragen an… Lusine Arakelyan, Violoncellistin im Philharmonischen Orchester Freiburg

Den Geist der Belle Epoque erahnend, prägte Jacques Offenbach das Paris der 1860er Jahre als Urvater der Operette. Seine satirischen Spektakel waren legendär und hielten dem Publikum allzu gern den Spiegel vor. Am 4. Oktober feiert das Theater Freiburg mit der Operetten-Revue „Amusez-vous: Jacques Offenbach“ Premiere. Als Mitglied des Philharmonischen Orchester Freiburg wird auch die Cellistin Lusine Arakelyan (geboren in Jerewan, Armenien) diesen Abend prägen – das Violoncello war übrigens das Instrument, das auch der Komponist Jacques Offenbach gespielt hat.

Bereits als Teenager spielte Lusine Arakelyan als Solistin mit dem Staatl. Philharmonischen Orchester von Armenien unter Loris Tjeknavorian sowie mit dem Kammerorchester von Eriwan mit. Mit 17 Jahren kam sie zum Studium nach Deutschland, wo sie Cello bei Julius Berger, Christoph Henkel sowie Jean-Guihen Queyrasstudierte. Kammermusikalisch prägten sie regelmäßigen Meisterkurse bei Menahem Pressler mit ihrem Klaviertrio sowie ein Stipendium bei Villa Musica, welches ihr Kammermusikkurse und Konzerte mit vielen namhaften Künstlern ermöglichte. Seit der Spielzeit 2024/25 ist sie Mitglied des Philharmonischen Orchester Freiburg. Elisabeth Jockers stellte Lusine Arakelyan im Vorfeld der Premiere drei Fragen.

Kultur Joker: Welche Rolle/Aufgabe halten Sie für die am meisten unterschätzte im gesamten Theaterbetrieb?

Lusine Arakelyan: Das ist eine tolle Frage! Tatsächlich habe ich schon oft daran gedacht, wie viele Menschen hinter der Bühne hart arbeiten, damit unsere Konzerte und Vorstellungen optimal laufen oder überhaupt so möglich sind, wie sie sind! Ein Großteil dieser Menschen bekommt ganz selten oder nie Applaus oder überschwängliche Anerkennung und tritt selten oder nie vor unser Publikum. 

Als Cellistin und Orchestermitglied möchte ich hier die Rolle unserer tollen Orchesterwarte benennen. Sie ermöglichen für uns Musiker*innen jede Orchesterprobe, jedes Konzert und jede Opernvorstellung. Sie bauen alles (Stühle, Notenpulte, etc.) auf und hinterher wieder ab, egal wo die Probe oder das Konzert stattfindet. Dabei sind sie für alle möglichen Aufstellungen und Konzepte offen und versuchen auf die persönlichen Wünsche von uns Musiker*innen einzugehen. Auch müssen sie die unterschiedlichen Anforderungen von Regie und Musikalischer Leitung erfüllen und sind für das gesamte Notenmaterial verantwortlich. Ihre Arbeit ist nicht selten körperlich hart, komplex, stressig und erhält vielleicht nicht immer die Anerkennung, die sie verdient. Wir wenden uns oft an sie, wenn wir irgendwelche Wünsche haben, wenn etwas fehlt oder wenn wir mehr Platz brauchen – aber viel zu selten dann, wenn alles gut ist und wir mit allem zufrieden sind. Das könnte bei unseren lieben Orchesterwarten einen undankbaren Eindruck erwecken. Das stimmt aber so nicht. Eigentlich wissen wir ganz genau, dass wir unsere Musik auf der Bühne vor allem dank ihnen so bequem und sorglos machen können, weil sie uns jeden Tag helfen. Deswegen: Herzlichen Dank an euch, lieber Georg und Valentin! Ihr helft uns unglaublich viel!

Kultur Joker: Haben Sie, neben dem Theater, einen Lieblingsort in der Stadt, den Sie uns verraten möchten?

Lusine Arakelyan: Freiburg ist eine tolle Stadt, in der ich mich sofort wohl und heimisch gefühlt habe. Aber in letzter Zeit empfinde ich unseren Stadtwald als eine riesige Bereicherung und ein großes Privileg. Hier erhole ich mich sofort von den stressigen Tagen und Projekten und diese tolle Natur hilft mir persönlich am besten dabei, einen gewissen Tunnelblick, der manchmal im Alltag entsteht, abzulegen, wieder Energie zu schöpfen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Kultur Joker: Was war der Schlüsselmoment, in dem Sie wussten, dass Sie im Kulturbetrieb/Theater arbeiten möchten?

Lusine Arakelyan: Schon im Musikstudium (vielleicht sogar etwas früher) habe ich verstanden, dass Kammermusik für mich das schönste und interessanteste Format des musikalischen Ausdrucks ist. Der ist auch im Auftritt auf der Bühne für mich viel schöner und komfortabler als der solistische, wo man ganz alleine mit seinem Instrument auf der Bühne sitzt, ja, meistens nur mit einem*r Pianist*in. In der Kammermusik ist man so intensiv in die Interaktion und Kommunikation mit den Kolleg*innen vertieft, dass die Musik einen gedanklich völlig ausfüllt. Der Umstand, vor Publikum auf der Bühne zu stehen und beobachtet zu werden, wird irgendwann nebensächlich und spielt kaum noch eine Rolle.

Ein Schlüsselmoment war, als ich realisiert habe, dass eine Orchester- oder Opernaufführung im Idealfall nichts anderes ist als Kammermusik. Natürlich viel größer angelegt, mit mehr Personen und Instrumenten, und deswegen oft komplexer in ihrer Interaktion. Auch aus diesem Grund braucht es insbesondere in der Oper die Hilfe der Dirigent*innen.

Kultur Joker: Herzlichen Dank für die Antworten!

Weitere Infos und Tickets für die Operetten-Revue „Amusez-vous: Jacques Offenbach“: theater.freiburg.de/#

Foto: Theater Freiburg

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Elisabeth Jockers