Freiburg als Treffpunkt der Reanimationsmedizin: Fachkongress macht die Stärke der Gesundheitsregion Freiburg sichtbar
Bei einem Herz-Kreislaufstillstand entscheidet oft jede Minute über Leben und Tod. Damit Betroffene möglichst schnell die richtige Hilfe erhalten,
Bei einem Herz-Kreislaufstillstand entscheidet oft jede Minute über Leben und Tod. Damit Betroffene möglichst schnell die richtige Hilfe erhalten, arbeiten in Freiburg Krankenhäuser, Rettungsdienste, Wissenschaft und ehrenamtliche Ersthelfer seit vielen Jahren eng zusammen. Freiburg hat sich damit in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standort der Reanimationsmedizin in Deutschland entwickelt. Dass der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) seinen Reanimationsdialog 2026 am 25. und 26. September im Europa-Park Stadion in Freiburg veranstaltet, ist Ausdruck dieser Entwicklung.
Einer der prägenden Köpfe dieser Entwicklung ist Prof. Dr. Michael Müller, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am St. Josefskrankenhaus Freiburg. Als Mitglied des Exekutivkomitees des Deutschen Rates für Wiederbelebung trägt er gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen die wissenschaftliche Leitung und Organisation des Reanimationsdialogs. Bereits 2017 gelang es ihm, den weltweit größten Reanimationskongress „Resuscitation 2017“ des Europäischen Rates für Wiederbelebung (ERC) gemeinsam mit dem deutschsprachigen Vorkongress des GRC nach Freiburg zu holen. Dass Freiburg nun erneut Gastgeber einer bedeutenden Fachveranstaltung der Reanimationsmedizin ist, unterstreicht die hohe fachliche Anerkennung des Standorts. „Reanimationsmedizin lebt vom Zusammenspiel vieler Akteure. Fortschritt entsteht dort, wo Wissenschaft, klinische Versorgung, Rettungsdienst und Ausbildung eng zusammenarbeiten. Genau diese Vernetzung zeichnet Freiburg aus und macht den Standort für den Reanimationsdialog besonders geeignet“, erläutert Prof. Dr. Michael Müller.

Freiburg als Vorbild einer vernetzten Notfallmedizin
„Herausragende Notfallmedizin entsteht nicht im Alleingang. Sie entsteht dort, wo Krankenhäuser, Universitätsmedizin, Rettungsdienst und viele weitere Partner ihre Kompetenzen bündeln. Als Stadtkrankenhaus verstehen wir uns nicht nur als Ort medizinischer Versorgung. Wir wollen die Notfallmedizin gemeinsam mit unseren Partnern aktiv weiterentwickeln – zum Nutzen der Menschen in Freiburg und der gesamten Region. Genau dieses Miteinander zeichnet die Gesundheitsregion Freiburg aus“, sagt Tobias Haug, Klinikleiter des St. Josefskrankenhauses Freiburg. In diesem Netzwerk verbinden sich die unterschiedlichen Kompetenzen des Universitätsklinikums Freiburg und der Artemed Kliniken Freiburg. Das St. Josefskrankenhaus bringt dabei als Stadt- und Notfallkrankenhaus seine besondere Expertise in der präklinischen und klinischen Notfallmedizin ein. Gemeinsam mit Rettungsdienst, Integrierter Leitstelle, DRF Luftrettung, dem Verein Region der Lebensretter e. V. und zahlreichen weiteren Partnern ist über viele Jahre ein Netzwerk entstanden, das bundesweit Beachtung findet. Mit dem Kompetenzzentrum Notfallmedizin beheimatet das St. Josefskrankenhaus den größten Notarztstandort Baden-Württembergs. Als Stadtkrankenhaus übernimmt es damit Verantwortung weit über die unmittelbare Patientenversorgung hinaus – in Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie bei der Entwicklung innovativer Versorgungsmodelle.
Jede Minute zählt
Ein herausragendes Beispiel für diese Vernetzung ist der Verein Region der Lebensretter e. V., den Professor Müller mitgegründet hat und dessen Erster Vorsitzender er ist. Seit 2018 werden bei einem vermuteten Herz-Kreislaufstillstand über eine Smartphone-App zusätzlich zum Rettungsdienst ehrenamtliche professionelle Ersthelferinnen und Ersthelfer alarmiert. Mitarbeitende aus Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Feuerwehren und Hilfsorganisationen können dadurch häufig bereits wenige Minuten nach dem Notruf mit lebensrettenden Maßnahmen beginnen. Ziel ist es, die therapiefreie Zeit bis zum Beginn der Wiederbelebung entscheidend zu verkürzen – ein Faktor, der maßgeblich über die Überlebenschancen und die neurologische Prognose der Betroffenen entscheidet. Das in Freiburg 2018 gestartete System gilt heute als Vorbild für zahlreiche Regionen Deutschlands und wird mittlerweile in 105 Landkreisen und kreisfreien Städten in sieben Bundesländern eingesetzt.
„Die Qualität einer Reanimationsversorgung entscheidet sich nicht erst im Schockraum. Sie entscheidet sich bereits in den ersten Minuten nach dem Notruf. Unser Ziel ist es deshalb, jede einzelne Minute besser zu nutzen – die digitale Vernetzung der Rettungskette spielt dabei eine Schlüsselrolle. Dafür steht Freiburg“, betont Professor Müller. Der Reanimationsdialog greift genau diese Themen auf. Seit 2019 bringt die Jahrestagung des Deutschen Rates für Wiederbelebung Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Rettungsdienst, Wissenschaft und weiteren Bereichen der Notfallversorgung zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, innovative Versorgungskonzepte und der interprofessionelle Austausch entlang der gesamten Rettungskette.
Universitätsmedizin als wichtiger Teil der Freiburger Rettungskette
Eine zentrale Rolle in diesem Netzwerk übernimmt das Universitätsklinikum Freiburg mit seinem Zentrum für Notfall- und Rettungsmedizin und dem Cardiac Arrest Center. Prof. Dr. Georg Trummer, Generalsekretär des Deutschen Rates für Wiederbelebung und Gastwissenschaftler am Universitätsklinikum Freiburg, gehört zur wissenschaftlichen Leitung und Organisation des Reanimationsdialogs. Auch Prof. Dr. Hans-Jörg Busch, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Notfall- und Rettungsmedizin, sowie weitere Expertinnen und Experten des Universitätsklinikums Freiburg gestalten das wissenschaftliche und praktische Programm des Kongresses mit. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz, klinischer Versorgung und praktischem Training.

Drei der vier Workshops des Reanimationsdialogs finden im Schulungszentrum für Notfall- und Rettungsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg statt. Dort trainieren die Teilnehmenden unter anderem die Integration erweiterter Maßnahmen in den Reanimationsalgorithmus, die sichere Versorgung bei Kinderreanimationen sowie die entscheidende Phase nach erfolgreicher Wiederbelebung – von der Stabilisierung und dem Transport bis zur Versorgung durch ein Cardiac Arrest Receiving Team. Wie eng die einzelnen Glieder der Rettungskette in Freiburg ineinandergreifen, zeigt am Freitagabend eine gemeinsame Live-Demonstration: Unter Leitung des Cardiac Arrest Centers des Universitätsklinikums wird der gesamte Ablauf einer Reanimation von der Ersthilfe über Rettungsdienst und Notfallmedizin bis zur spezialisierten klinischen Versorgung demonstriert. Beteiligt sind unter anderem DRK, Malteser, Region der Lebensretter sowie verschiedene Bereiche des Universitätsklinikums Freiburg. „Entscheidend für das Überleben nach einem Herz-Kreislaufstillstand ist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern eine lückenlos funktionierende Rettungskette. In Freiburg haben wir die große Stärke, präklinische Notfallmedizin, spezialisierte universitäre Versorgung, Forschung und Ausbildung sehr eng miteinander verbinden zu können“, sagt Prof. Dr. Hans-Jörg Busch, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Notfall- und Rettungsmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.
Der vierte Workshop findet an der DRF-Station Freiburg (Christoph 54) statt. In Kooperation mit der DRF Luftrettung und der DRF Akademie demonstrieren dort Dr. Daniel Herschel, Ärztliche Leitung des Kompetenzzentrums Notfallmedizin an der Artemed Akademie, und Dr. Andreas Jung, Projektleiter Telenotfallmedizin am St. Josefskrankenhaus Freiburg, die besonderen Herausforderungen einer Windenrettung unter laufender Reanimation. Der Workshop zeigt, welche Anforderungen lebensrettende Maßnahmen unter den Bedingungen einer Luftrettung stellen und wie moderne Notfallmedizin auch unter extremen Einsatzbedingungen funktioniert.
Dass der Reanimationsdialog 2026 in Freiburg stattfindet, ist deshalb weit mehr als eine Standortentscheidung. Er ist Ausdruck einer Gesundheitsregion, in der Universitätsmedizin, Stadtkrankenhaus, Rettungsdienst, Wissenschaft und ehrenamtliches Engagement seit Jahren eng zusammenarbeiten – mit einem gemeinsamen Ziel: die Überlebenschancen von Menschen mit Herz-Kreislaufstillstand kontinuierlich zu verbessern.
Foto: Stadt- und Notfallkrankenhaus © St. Josefskrankenhaus Freiburg




