Wie verhalten sich Wildtiere bei einer Sonnenfinsternis?
Die nahende partielle Sonnenfinsternis verspricht ein seltenes Spektakel zu werden, das sich so voraussichtlich erst in 60 Jahren wiederholen
Die nahende partielle Sonnenfinsternis verspricht ein seltenes Spektakel zu werden, das sich so voraussichtlich erst in 60 Jahren wiederholen wird. In Freiburg soll sie am 12. August, um 20:17 Uhr ihren Höhepunkt erreichen. Für Wildtiere bedeutet eine Sonnenfinsternis vor allem eine plötzliche Veränderung von Lichtverhältnissen und Temperatur. Dennoch reagieren die Tiere meist gelassener auf das Phänomen als der Mensch, da sie auch im Alltag an schwankende Lichtmengen angepasst sind. Wie die Wildtierökologin Prof. Dr. Ilse Storch erklärt, wird eine Sonnenfinsternis „für Tiere daher weniger das ‚große Ding‘ sein als für uns“. Typische Verhaltensmuster lassen sich während der Verdunkelung natürlich dennoch beobachten: Der Gesang der Vögel drosselt sich, tagaktive Tiere zeigen abendliche Verhaltensweisen und nachtaktive Arten werden vereinzelt aktiv. Manch andere Tiere reagieren verunsichert oder gar nicht.
Für die Wissenschaft sind solche Ereignisse besonders wertvoll, da sie wie „natürliche Experimente“ wirken, mit denen sich Reaktionen auf Lichtreize auf großräumiger Ebene erforschen lassen. Eine US-Studie aus dem Jahr 2018 zeigt anhand von Radardaten, dass die Flugaktivität von Vögeln und Insekten während der Totalität zwar spürbar sank, die kurze Abdunkelung jedoch nicht ausreichte, um das Ausmaß der typischen Nachtaktivität bei einem echten Sonnenuntergang auszulösen. Bei einer partiellen Sonnenfinsternis fallen die Reaktionen deutlich geringer aus.
Über das reine Verhalten während der Dunkelphase hinaus liefert die Forschung auch faszinierende Einblicke in das Zeitgefühl und die innere Uhr von Tieren. Da biologische Rhythmen (die sogenannte zirkadiane Uhr) über Jahrmillionen an den stabilen 24-Stunden-Takt der Erde angepasst wurden, lösen solch abrupte Störungen oft ein bemerkenswert kurzes Durcheinander aus: Sobald das Sonnenlicht nach wenigen Minuten zurückkehrt, schalten viele Arten überraschend schnell wieder in ihren normalen Tagesmodus um. Vögel stimmen vereinzelt sogar kurz ihren morgendlichen Begrüßungsgesang an, da das rasche Wiederaufflammen des Lichtscheins für sie wie ein blitzartiger Sonnenaufgang wirkt. Diese Fähigkeit, trotz der Verwirrung binnen Augenblicken zur Routine zurückzukehren, zeigt eindrucksvoll, wie flexibel Wildtiere auf kurzfristige Umweltreize reagieren können.
Ein Interview mit Prof. Dr. Ilse Storch gibt es hier zu lesen: /uni-freiburg.de/wildtier-forscherin-erklaert-wie-verhalten-sich-wildtiere-bei-einer-sonnenfinsternis/
Bild: Piotr Kucharzewski/Pexels





