Farbe bewegt: In der Galerie Albert Baumgarten sind Arbeiten zu sehen, die mehr als nur koloristisch sind
„Farbe pur“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Freiburger Galerie Albert Baumgarten. Man könnte auch sagen: Malerei pur. Denn
„Farbe pur“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Freiburger Galerie Albert Baumgarten. Man könnte auch sagen: Malerei pur. Denn was macht Malerei aus, wenn nicht die Farbe? Sicher der Bildträger und das Licht sind essenziell, doch auch sie verbinden und verbünden sich ja mit der Farbe. Wobei Farbe pur nicht immer einen derart pastosen Farbauftrag meint wie bei den Arbeiten von Martin Wehmer. In „FGG“ aus dem Jahr 2024 ist das Faltenspiel des fließenden Kleidungsstücks der Frau reine Farbe, die auf der Leinwand bewegt wird. Man erkennt, wie das Malermesser die Farbflächen geformt hat, wie das Grau vom Magenta geschoben wurde, wie dieses aufgesetzt wurde. Wie hier Ocker, Schwarz, Magenta und Anthrazit aufeinandertreffen, mit Weiß Lichtflecke gesetzt werden, wirkt im Detail völlig abstrakt, stellt zugleich aber den Faltenwurf eines asiatisch wirkenden Kleidungsstücks dar. Farbe ist Material und Bedeutungsträger und in dieser Ausstellung oft auch Emotion. Wehmer, der mittlerweile in Berlin lebt, malt eine hoch-ästhetische Frauendarstellung vor einem ockerfarbenen Hintergrund, der in Gold übergeht. Einerseits ist das hoch dekorativ, andererseits erinnert es an die dynamischen Figurenzeichnungen von Mangas. Auch die beiden anderen Arbeiten verbinden klassische Motive der Malerei mit Pop Art. Das Sujet von „Sculpture“ könnte eine antike Statue sein.
Auch in zweien von Rudolf Dischingers Papierarbeiten erkennt man den liegenden Akt. Bei Dischinger greifen weiche, amorphe Formen in gedeckten Farben ineinander und bilden eine stark abstrakte Form. Dischinger, der 1904 in Freiburg geboren wurde und sich 1976 mit Peter Dreher den Reinhold-Schneider-Preis teilen sollte, studierte bei Georg Scholz und Karl Hubbuch. Bis in die 1930er Jahre galt er als profilierter Vertreter der Neuen Sachlichkeit, am Ende des Jahrzehnts wandte er sich dem Surrealismus zu, in den späten 1940er Jahren wird sein Werk zunehmend abstrakt. Die „Liegende“ und die „Horizontale Figur“, die bei Albert Baumgarten zu sehen sind, stammen aus den 1960er Jahren. Obgleich die beiden Sonnenuntergänge auf Malkarton von Peter Dreher aus den 1970er Jahren eine andere Farbigkeit haben – die Wolken im Abendlicht tendieren zum Neon – sind auch sie durch die Horizontale bestimmt. Über Bergsilhouetten am unteren Bildrand erheben sich sehr viel Himmel und mal mehr, mal minder dramatische Wolkenformationen. Bei den Malern Jürgen Jansen und Julio Rondo sind die Neonfarben nicht mehr Naturphänomen, sondern davon losgelöst. Bei Julio Rondo entstehen die Farbwerte durch Überlagerungen. Das Acrylglas ist neben dem Holz ein zweiter Farbträger, so dass das Mischen der Farben Teil des Bildes und der Wahrnehmung wird.
Dass sich zufällige Verbindungen und Übereinstimmungen ergeben, ist die Stärke einer solchen Ausstellung, die sich auf die Farbe konzentriert, es ist bereits die zweite Ausgabe. Das Dekorative kommt dabei nicht zu kurz – tatsächlich können Männer das auch ganz gut. Die Ausstellung zeigt ausschließlich Maler. Torsten Derk Römers zweiteilige Arbeit „Meer der Emotionen“ wirkt aus der Distanz wie verpixelt, je näher man sich den beiden schmalen hochformatigen Bildträger nähert, desto deutlicher tritt jeder Pinselstrich hervor. Farbe pur ist jedenfalls immer ein Original.
Farbe pur II. Galerie Albert Baumgarten, Kartäuserstr. 32, Freiburg. Dienstag bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr. Bis 31. Juli.
Foto: Rondo „gone,gone,gone“ Copyright: Julio Rondo




