Nur der Moment zählt: Drei Fragen an … Jonas Frey (Tänzer, Choreograf)
Der Choreograf und Tänzer Jonas Frey schlägt in seinem Werk eine Brücke zwischen Urban Dance und zeitgenössischem Tanz. Seine
Der Choreograf und Tänzer Jonas Frey schlägt in seinem Werk eine Brücke zwischen Urban Dance und zeitgenössischem Tanz. Seine Wurzeln liegen in der Heidelberger Breaking-Szene, verfeinert hat seinen Stil spätestens das Studium an der renommierten ArtEZ University of the Arts in den Niederlanden. Freys duale Ausbildung prägt seinen Stil merklich: So kombiniert er die rohe, intuitive Energie der Straße mit der strukturellen Klarheit des zeitgenössischen Tanzes.
Als freischaffender Künstler arbeitet er an der Schnittstelle von Physis und Forschung. Ein markantes Beispiel für seine Arbeit ist das Stück „DOISRI“, mit dem er am 28. Februar im E-Werk Freiburg auftritt. Darin dekonstruiert Frey die Interaktion zwischen zwei Körpern und stellt die Frage nach Nähe, Distanz und Abhängigkeit. Elisabeth Jockers stellte Jonas Frey vorweg drei Fragen.
Kultur Joker: Was war die größte mentale Hürde oder Angst, die du überwinden musstest, um dich künstlerisch frei zu fühlen?
Jonas Frey: Ich muss immer wieder meine eigenen Grenzen erkennen und sie verhandeln. Für mich ist ein choreografischer Prozess immer davon geprägt, Zwischenräume zu definieren, sie zu hinterfragen und neue zu setzen. Bei DOISRI war es für mich eine große Herausforderung, persönliche Geschichten so zu verarbeiten, dass sie auch für andere relevant werden – und dabei historische Kontexte mit Feingefühl zu navigieren.
Kultur Joker: Was geht in deinem Kopf vor, in den Sekunden bevor die Musik anfängt und das Licht angeht?
Jonas Frey: Ein Moment des Friedens, des Ankommens im Jetzt. Eine Leere, in der sich die Wahrnehmung öffnet. Es ist jedes Mal ein Geschenk, performen zu dürfen. Alles, woran man gearbeitet hat, alle Sorgen oder Schwierigkeiten und auch alle Momente des Glücks treten zurück und man macht den Schritt ins Jetzt. Nur der Moment zählt, das ist immer wieder schön.
Kultur Joker: Welche Eigenschaft, die du durch den Tanz gelernt hast, hilft dir am meisten in deinem Alltag außerhalb des Studios?
Jonas Frey: In der Bewegung liegt die Antwort auf die meisten Fragen. Oft steckt man irgendwie fest, oder man dreht sich im Kreis… es gibt so viele Bilder, die auf die ein oder andere Art Fortschritt beschreiben –oder Stillstand. Schon in den Worten steckt Du Bewegung. Immer, wenn ich große Fragen habe, gehe ich tanzen, meistens Breaking. Danach weiß ich immer weiter.
Kultur Joker: Lieber Jonas, vielen Dank für die Antworten!
Weitere Infos und Tickets zu „DOISRI“: https://ewerk-freiburg.de/veranstaltungen/doisri
Foto: Jonas Frey in „DOISRI“ ©Lys Y. Seng






