Zwei Ikonen werden 100: Das Kommunale Kino Freiburg eint Ingeborg Bachmann und Marilyn Monroe
Mit dem Start der neuen Spielzeit am 12. September widmet das Kommunale Kino Freiburg zwei außergewöhnlichen Frauen eine eigene
Mit dem Start der neuen Spielzeit am 12. September widmet das Kommunale Kino Freiburg zwei außergewöhnlichen Frauen eine eigene Filmreihe: Ingeborg Bachmann und Marilyn Monroe wären 2026 beide 100 Jahre alt geworden. Auf den ersten Blick könnten die österreichische Schriftstellerin und die Hollywood-Ikone kaum unterschiedlicher sein. Die eine prägte die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit, die andere wurde zum vielleicht berühmtesten Gesicht der Filmgeschichte. Beide ein ein Leben zwischen künstlerischem Anspruch, öffentlicher Projektion und dem Kampf um Selbstbestimmung.
Ihre öffentliche Wahrnehmung entstand dabei auch im Kontext der tief patriarchal geprägten Kultur der 1950er- und 1960er-Jahre. Beide Frauen standen auf unterschiedliche Weise im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, künstlerischem Anspruch und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Ihr Leben fasziniert, wird verklärt und immer wieder neu interpretiert. Ihr tragisches Ende machte beide zu Ikonen und Projektionsflächen gesellschaftlicher Sehnsüchte.
Ingeborg Bachmann setzte sich in ihrem literarischen Werk mit zerstörerischen gesellschaftlichen Strukturen und den Beziehungen zwischen Mann und Frau auseinander. Sie vertrat die Auffassung, dass Faschismus nicht mit dem Jahr 1945 geendet habe, sondern auch in den Beziehungen zwischen Mann und Frau fortwirke. Ihr einziger Roman „Malina“ kann als gnadenlose Auseinandersetzung mit eben diesen Strukturen und dem Kampf um weibliche Selbstbestimmung gelesen werden.

Das Kommunale Kino zeigt am 13. September, 19:30 Uhr sowie am 17. September, 21:30 Uhr „Die Geträumten“ von Ruth Beckermann. Der Film widmet sich der intensiven und widersprüchlichen Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan und lässt ihre Briefe zwischen Liebe, Leidenschaft, Zweifel und Verletzung lebendig werden. Am 27. September, 19:30 Uhr folgt Werner Schroeters Verfilmung von „Malina“ mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle und einem Drehbuch von Elfriede Jelinek.
Auch Marilyn Monroe war mehr als die Projektionsfläche männlicher Fantasien. Hinter der Figur „Marilyn“ stand Norma Jeane Baker, eine Schauspielerin, die ihr Leben lang für künstlerische Anerkennung kämpfte. Sie verließ Hollywood zeitweise, um am renommierten Actors Studio zu lernen, und gründete schließlich eine eigene Produktionsfirma. Damit stellte sie sich gegen ein starres und ausbeuterisches Studiosystem und gegen die Rollenbilder, die Hollywood für Frauen vorsah.
Mit der Reihe „Forever Marilyn Monroe“ lädt das Kommunale Kino dazu ein, Monroes filmisches Werk neu zu betrachten. Den Auftakt macht am 12. September, 19 Uhr Billy Wilders Komödienklassiker „Some Like It Hot – Manche mögen’s heiß“, mit einer Einführung von Julie Elbert. Eine weitere Vorstellung findet am 13. September, 17:30 Uhr statt. Am 19. September, 21:30 Uhr sowie 23. September, 19:30 Uhr wird „Gentlemen Prefer Blondes – Blondinen bevorzugt“ gezeigt mit Einführung von Ida Kaever. In dem Musical zeigt Monroe nicht nur ihr komödiantisches Talent, sondern auch ihre Fähigkeiten als Sängerin und Tänzerin. Der Film setzt sich zugleich auf satirische Weise mit Geschlechterrollen, Machtverhältnissen und weiblicher Freundschaft auseinander. Am 24. September, 19:30 Uhr folgt „The Seven Year Itch – Das verflixte 7. Jahr“, erneut mit einer Einführung von Ida Kaever. Marilyn Monroe spielt die namenlose „The Girl“ und prägte mit dem weißen Kleid über einem Lüftungsschacht der New Yorker U-Bahn eines der bekanntesten Bilder der Filmgeschichte. Den Abschluss der Reihe bildet am 30. September, 19 Uhr „The Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“, mit einer Einführung von Julie Elbert. An der Seite von Clark Gable spielt Monroe in ihrem letzten vollendeten Film eine frisch geschiedene Frau, die in der Wüste Nevadas drei Mustangjägern begegnet. Das von ihrem damaligen Ehemann Arthur Miller geschriebene Drama über Liebe, Einsamkeit und Vergänglichkeit wirkt heute auch wie ein Abschied von einer untergehenden Hollywood-Ära.
Die beiden Reihen verbinden damit nicht nur zwei 100. Geburtstage. Sie laden auch dazu ein, Leben und Werk der Künstlerinnen besser zu begreifen: Bachmanns Auseinandersetzung mit Gewalt, Macht und weiblicher Selbstbestimmung sowie Monroes Kampf um künstlerische Freiheit und Unabhängigkeit verweisen auf gesellschaftliche Strukturen, die bis in die Gegenwart nachwirken.
Weitere Infos: koki-freiburg.de
Foto: Szene aus „Manche mögen’s heiß“ © Billy Wilder




