Wut zur Veränderung: 25-jähriges Jubiläum des Jugend- und Bürgerforum Haus 197
Schon von der Dreisam aus beim Aufgang auf die Nepomuk-Brücke hört man Musik und diesen gewissen Radau, den Kinder
Schon von der Dreisam aus beim Aufgang auf die Nepomuk-Brücke hört man Musik und diesen gewissen Radau, den Kinder machen, wenn sie sich freuen. Am 13.6. übertönt die offene Freizeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche, Haus 197, zum 25-jährigen Jubiläumsfest sogar noch das danebenliegende Strandbad. Seit einem Vierteljahrhundert bietet das Haus Kindern und Jugendlichen im Freiburger Osten einen Ort zum Verweilen, wobei das Altersspektrum variiert. „Im Prinzip sind wir ein Ort von 12 bis 27 Jahren. Wobei aktuell sehr viele Jüngere zu uns kommen“, erklärt Christian Pal, der die Hausleitung seit Januar dieses Jahres innehat. Neben Verweilmöglichkeiten mit Billardtisch, Playstation, Skateboardrampe und einigem mehr, gibt es auch Gruppenangebote. Donnerstag ist Sporttag, Freitag Kochgruppe. Ein Highlight scheint das Boxtraining am Mittwochabend mit den Betreuer:innen Lauren Wellhäuser und Sergej Falck zu sein. Die zwölfjährige Hejin ist angetan: „Da kann man mal die Wut rauslassen, danach bin ich gechillter.“ Larissa, ebenfalls 12, nickt zustimmend, bevor sie doch etwas das Gesicht verzieht: „Naja, außer die Geschwister nerven dich danach noch mal.“
Das ist das Ziel des Angebots, wie Lauren verrät. „Boxen ist ein gutes Ventil, sie sollen ihre Wut rauslassen können. Wut ist nicht nur schlecht, denn wer wütend ist, der will Veränderung. Boxen selbst ist ja auch nicht einfach nur draufhauen.“ Themengruppen gibt es im Haus 197 eher nicht. „Wir wollen den Jugendlichen einen Raum geben, dass sie mit ihren Themen kommen können. Und nicht: Heute Abend um 19 Uhr reden wir über den Israel-Palästina-Konflikt.“ Die Themen ergäben sich in den Gesprächen mit den Jugendlichen, so sei es natürlicher und niedrigschwelliger. Impliziter Baustein ist die Hilfe zur Selbsthilfe, wie sie auch in der hauseigenen Fahrradwerkstatt praktiziert wird.
Das gesamte Team hat im Januar neu begonnen, mit frischen Ideen. Ein Ziel ist es, zu den Jugendlichen hinzufahren. Dafür gibt es die „JuZe“, den mobilen Tischkicker, mit dem man zum „Auswärtsspiel“ an die Dreisam fahren kann. „Wir nehmen noch weitere Spiele mit und werden die Jugendlichen aktiv ansprechen“, erklärt Lauren.
Einzig der Raummangel stört ein wenig, aufgrund von Schimmel ist nicht das komplette Haus nutzbar. Seit Jahren versucht der hinter Haus 197 stehende Verein für einen Anbau in den nächsten kommunalen Haushalt zu kommen. „Dieses Jahr hat es wieder nicht funktioniert, wir versuchen es nächstes Jahr wieder“, so die Vorsitzende Daniela Boulanger. Zurzeit sei man in einem Dilemma, man würde gerne, dass noch mehr Jugendliche kämen, aber eigentlich gäbe es nicht genug Platz in den Zeiten des Jugendtreffs, wochentags bis 20 Uhr. Danach stünden die Räumlichkeiten für die ganze Stadtbevölkerung offen. Bis zur Pandemie hat es im Haus 197 Geburtsvorbereitungskurse oder Mantrasinggruppen gegeben. „Es ist jeder und jede herzlich eingeladen. Solange es Menschen zusammenbringt und nicht kommerziell ist, sind wir für alles offen.“ Boulanger überlegt kurz und ergänzt: „Also die AfD ist damit hier nicht willkommen.“
Manche wachsen mit dem Haus auf, wie Luka, 19, und Aronas, 18, die seit Jahren kommen. Luka war schon vor der Pandemie hier. In dieser Zeit habe er gemerkt, wie sehr ihm das Haus fehlt. „Ich bin wirklich fast jeden Tag hier.“ Schon verwunderlich, dass es ein derart wertvoller Ort nicht ausreichend im kommunalen Haushalt berücksichtigt wird. Darüber könnte die Stadtbevölkerung wütend werden – um es zu verändern.
Weitere Infos: haus197.de
Bild: Hinter dem Haus 197 steht ein engagiertes Team, das zum Jubiläum ein buntes Fest organisierte Foto: Werner Roth





