Kunst Nachhaltig

Was eine Diktatur den Einzelnen abverlangt: „Julius Leber – Ein Leben für Freiheit und Demokratie. Vom Elsass zum deutschen Widerstand“ im Centre Culturel Français Freiburg

Am 5. Januar 1945 wurde der Widerstandskämpfer Julius Leber im NS-Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet; der ehemalige Reichstagsabgeordnete gehörte zu einer

Was eine Diktatur den Einzelnen abverlangt: „Julius Leber – Ein Leben für Freiheit und Demokratie. Vom Elsass zum deutschen Widerstand“ im Centre Culturel Français Freiburg

Am 5. Januar 1945 wurde der Widerstandskämpfer Julius Leber im NS-Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet; der ehemalige Reichstagsabgeordnete gehörte zu einer Minderheit, die sich der NS-Ideologie aktiv widersetzte. Ihre wichtigste Waffe war das Wort. Eine Ausstellung, 2025 im Kulturzentrum ART‘Rhena gezeigt, als die Rheinbrücke bei Breisach auf seinen Namen getauft wurde, ist nun im CCFF Freiburg zu sehen. Anschaulich beleuchtet die Schau Lebers Laufbahn, durch Fotos, Dokumente, Texte sowie Elemente einer Graphic Novel.
In seiner Geburtsstadt Biesheim erinnert eine Messingtafel an ihn, geboren 1891. Die Familie war im Ort bekannt, etwa Großvater Jerôme Schubetzer sowie Lebers Mutter „Kathi“, verheiratet mit Jean-Baptiste Leber. Damals lag die Stadt im „Reichsland Elsass-Lothringen“; so wird Leber vorwiegend in deutscher Sprache sozialisiert, besucht ab 1902 die höhere Bürgerschule, dann die Oberrealschule Freiburg bis zum Abitur 1912, tritt der SPD bei und studiert Nationalökonomie. Im Ersten Weltkrieg kämpft er auf deutscher Seite, bleibt 1918 bei der Reichswehr und verteidigt beim Kapp-Putsch die Republik. Seit 1921 Chefredakteur des Lübecker Volksboten wird er 1924 für die SPD in den Reichstag gewählt, gerät als Demokrat ins Visier der Nazis und wird 1933 von einem SA-Trupp überfallen; es folgen Gefängnis- und KZ-Aufenthalte bis 1937. In der Not betreibt er eine Kohlehandlung in Berlin-Schöneberg (heute ein Lern- und Gedenkort!). Sein Versuch, politischen Widerstand aufzubauen, endet mit Verhaftung am 5. Juli 1944, kurz vor Scheitern des „20. Juli“: Gefängnis, Folter in der Gestapo-Zentrale Berlin und schließlich Prozess vor dem „Volksgerichtshof“. Am 20. Oktober zum Tode verurteilt, schrieb Leber noch an Freunde: „Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis. Wir haben getan, was in unserer Macht gestanden hat.“ Zurück blieben zwei Kinder und seine Frau Annedore, die nach dem Krieg über die historischen Ereignisse aufklärte, auch mit Unterstützung von Willy Brandt.
Die Julius-Leber-Kaserne in Berlin würdigt ihn als überzeugten Europäer, der staatsbürgerliche Verantwortung über ideologische Konflikte gestellt hat. Der Werdegang von Julius Leber hält auch Widersprüche bereit, da er das Elsass, statt als „Zankapfel“ zwischen Deutschland und Frankreich, als unabhängige Brücke sehen wollte; Autonomiegedanken konnten im annektierten Elsass-Lothringen der NS-Zeit indes problematisch werden. Eine Broschüre ergänzt die Schau; sie erinnert an die Verheerungen der NS-Justiz in der korrumpierten „Volksgemeinschaft“ und daran, was eine Diktatur den Einzelnen abverlangen kann.

Julius Leber. Vom Elsass zum deutschen Widerstand: Ein Leben für Freiheit und Demokratie. Centre Culturel Français Freiburg. Kornhaus Münsterplatz. Mo-Do 9-17.15. Fr 9-13.45. Bis 24.04.26

Bild: Julius Leber im Volksgerichtshof (vermutlich am 20. Oktober 1944) Foto: Bundesarchiv, Bild 151-50-45A / CC-BY-SA 3.0

About Author

Cornelia Frenkel