Interview Nachhaltig Stadtleben

Möbel für ein ganzes Leben: Im Gespräch: Peter Gerhardt und Lukas Kessler, Freie Holzwerkstatt in der Fabrik

Generationswechsel im Handwerk: Mit Lukas Kessler (26) und Peter Gerhardt (26) hat die Freie Holzwerkstatt in der Fabrik endlich

Möbel für ein ganzes Leben: Im Gespräch: Peter Gerhardt und Lukas Kessler, Freie Holzwerkstatt in der Fabrik

Generationswechsel im Handwerk: Mit Lukas Kessler (26) und Peter Gerhardt (26) hat die Freie Holzwerkstatt in der Fabrik endlich eine Nachfolge gefunden. Die zwei Schreiner kommen mit frischem Wind und eigenen Ideen in die traditionsreiche Werkstatt. Wie sich der Sprung in die Selbstständigkeit anfühlt, welche Rolle die Firmenphilosophie bei ihrer Entscheidung gespielt hat und welche Projekte sie zukünftig besonders interessieren, erzählten sie Elisabeth Jockers.

Kultur Joker: Wie fühlt es sich für euch an, Inhaber dieser traditionsreichen Freiburger Werkstatt zu sein, und was hat euch dazu bewegt, genau diesen Betrieb in die Zukunft zu führen?

Lukas: Die Freie Holzwerkstatt gibt es seit 1978, uns beide erst seit 1999. Die Firma, damals als Kollektivbetrieb gegründet, ist 21 Jahre älter als wir selbst. Wir stehen mit unseren Vorgängern in Kontakt und können viel von ihnen für die Zukunft mitnehmen. Die Philosophie und die Grundsätze der Freien Holzwerkstatt haben uns beide angesprochen und die FABRIK als Lebens- und Arbeitsort ist wirklich schön. Wir hatten von Anfang an das Gefühl, die Firma und den Ort, an dem wir täglich arbeiten werden, aktiv mitgestalten zu können.

Kultur Joker: Die Freie Holzwerkstatt steht für Massivholz und eine gelebte ökologische Philosophie. Was bedeutet dieser Ansatz für eure Arbeit?

Peter: Massivholz ist ein wunderbarer Werkstoff. Schon seit Jahrhunderten bauen die Menschen Möbel aus Holz, früher ganz ohne Maschinen. Jeder kennt Möbel, welche damals zum Beispiel als Aussteuer Familien über viele Jahrzehnte begleitet haben. Der Trend zu Fast Furnitur ist in unseren Augen absurd und verbraucht unfassbar viele Rohstoffe, die unwiederbringlich verloren sind. Wir haben den Anspruch, dass unsere Möbel ein Leben überdauern. Das fängt bereits bei der Planung an. Ist ein Möbel umzugsfähig und kann es sich an neue Gegebenheiten oder Anforderungen anpassen, hat man keinen Grund es wegzuwerfen. Außerdem gibt es Werkstoffe, die sehen nach einigen Jahren abgenutzt aus. Holz dagegen bekommt Patina, es altert natürlich und die Möbel erzählen mit der Zeit eine Geschichte. Bei uns werden die Oberflächen geölt, was mit wenig Aufwand erneuert werden kann, sodass ein Möbel wieder strahlt wie am ersten Tag!

Kultur Joker: Welche Schwerpunkte wollt ihr in den kommenden Jahren setzen?


Lukas: Unser Schwerpunkt beim Schreinern liegt auf Vollholzküchen. Wir haben viele Ideen für moderne und zeitlose Designs zu fairen Preisen. Wir wollen ein Premiumprodukt verkaufen, was sich die Menschen leisten können, sodass mehr von ihnen in den Genuss hochwertiger Möbel kommen. Klassische Techniken der Holzverarbeitung faszinieren uns ebenfalls sehr. Leider sieht man die meistens nur an Gesellen- oder Meisterstücken, weil es im „normalen Leben“ einfach nicht wirtschaftlich ist. Eine Möglichkeit zu finden, wie man alte Techniken in der heutigen Zeit wirtschaftlich umsetzen kann, ist eines unserer Ziele für die Zukunft.

Kultur Joker: Was macht für euch ein wirklich ‚gutes‘ Schreinerhandwerk aus, und auf welche Projekte freut ihr euch?

Peter: Ein gutes Möbel ist schön, erfüllt seinen Zweck und passt zu den Menschen, die es täglich nutzen. Ein Möbel kann perfekt gebaut sein, wenn es seine Anforderungen nicht erfüllt, wird es wertlos. Eine Designsprache zu finden, die den Menschen auch noch in vielen Jahren gefällt, ist ein spannender Prozess.

Kultur Joker: Herzlichen Dank für die Antworten und viel Erfolg!

Lukas, Peter, Thomas und Hartmut laden am 11. Juli, 13-18 Uhr, herzlich zum Übergabefest mit einem Tag der offenen Werkstatt in die Habsburgerstraße 9 ein.

Foto: Lukas (links) und Peter (rechts) bringen frischen Wind in die Werkstatt und laden am 11. Juli zum Übergabefest ein © MiNZ&KUNST

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