Miteinander hören, miteinander tanzen: Das Freiburger Barockorchester entwickelt ein inklusives Konzert fürs Freiburger Konzerthaus
Der Startschuss zum Projekt „Miteinander Hören“ erfolgte im letzten Frühjahr. In drei Konzerten im Ensemblehaus machte das Freiburger Barockorchester
Der Startschuss zum Projekt „Miteinander Hören“ erfolgte im letzten Frühjahr. In drei Konzerten im Ensemblehaus machte das Freiburger Barockorchester ein besonderes Angebot für Hörgeschädigte, indem es besondere Nähe schaffte, die Position des Orchesters während des Konzertes veränderte und auch den Zuhörerinnen und Zuhörern durch tragbare Hocker ermöglichte, den Platz zu wechseln. Das mit Bundesmitteln geförderte, vom Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM) begleitete Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Höreinschränkungen besser in das Konzertleben zu integrieren.
Nun steht am 21. März 2026 um 19 Uhr unter dem erweiterten Titel „Miteinander Hören – HEAR! we move“ das Abschlussprojekt im Freiburger Konzerthaus an. Dieses Konzert geht noch einen Schritt weiter. Insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler aus Stegen mit und ohne Höreinschränkung werden in der Choreographie von Ece Bodo-Cinar integrativer Teil der Aufführung. „Mit dem Konzertformat „Hear! we move“ am 21.3. wollen wir für hörbeeinträchtigte Jugendliche die Teilhabe an Musik zusätzlich durch Bewegung fördern. Die Kinder und Jugendlichen können sich zur Live-Musik vom Freiburger Barockorchester und Ensemble Recherche bewegen und in ihrer Eigenbewegung die Musik intensiver wahrnehmen,“ sagt Professorin Claudia Spahn, die gemeinsam mit Bernhard Richter das FIM leitet.
Neben barocken Werken von Jean-Philippe Rameau, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel erklingen auch zeitgenössische Kompositionen von Rebecca Saunders, Katherine Balch und Carola Bauckholt. Vor allem aber wurde vom Freiburger Barockorchester ein Werk bei der Komponistin Kathrin Denner in Auftrag gegeben, das die antike Sphärenmusik thematisiert (Dramaturgie: Anna Kaiser), die vier Elemente mit einbezieht und vom stark rhythmisch geprägten, reizüberfluteten Chaos zur flächigen, elektromagnetische Wellen mit einbeziehenden Harmonie gelangt. Dirigiert wird die für das Freiburger Barockorchester und des Ensemble Recherche geschriebene Komposition von Friederike Scheunchen. Sie freue sich darauf, die beiden Ensembles der Alten und Zeitgenössischen Musik miteinander zu verbinden, sagt sie beim Pressegespräch im Freiburger Ensemblehaus. Der PR-Text verspricht ein „gesamtsinnliches Konzerterlebnis für alle über Natur, Chaos und Zusammenklang.“
Eine Hörbeeinträchtigung hat rund 10 Prozent der Gesamtbevölkerung. Beim Publikum des Freiburger Barockorchesters seien es rund die Hälfte, wie Claudia Spahn nach der Auswertung der Befragungen von 500 FBO-Konzertbesucherinnen und -besucher in Freiburg, Stuttgart und Berlin berichtet. „Interessant für uns war jedoch, dass die Gruppe der Personen mit Hörbeeinträchtigung – ob mit oder ohne Hörgerät – keine maßgebliche Abnahme des Hörgenusses im Konzert durch ihr abnehmendes Gehör angegeben hat. Das ist sehr erfreulich und eine gute Botschaft an diejenigen, die sich wegen schlechteren Hörens bisher nicht ins Konzert trauen.“ Jetzt geht es aber darum, wie Musik, die man auch durch Schwingungen wahrnimmt, noch stärker erlebt werden kann. Auf Gebärdensprache wird auf der Bühne ganz bewusst verzichtet. Die Kommunikation der 120 Schülerinnen vom Bildungs- und Beratungszentrum Stegen (BBZ) und dem Kolleg St. Sebastian erfolgt über Klänge, Rhythmen und die gemeinsame Choreographie.
„Miteinander hören – HEAR! we move“, Sonderkonzert des Freiburger Barockorchesters und Ensembles Recherche mit dem BBZ und dem Kolleg St. Sebastian Stegen am Samstag, 21. März um 19 Uhr im Konzerthaus. (Konzerteinführung mit zusätzlicher Gebärdensprache um 18.15 Uhr).
Foto: Andreas Heideker





