„Jedes Stück hat sein eigenes Universum“: Drei Fragen an … Smadar Goshen (Choreografin und Tänzerin)
Die israelische Choreografin und Tänzerin Smadar Goshen vereint auf der Bühne kraftvolle Körperlichkeit mit emotionaler Tiefe, oft inspiriert durch
Die israelische Choreografin und Tänzerin Smadar Goshen vereint auf der Bühne kraftvolle Körperlichkeit mit emotionaler Tiefe, oft inspiriert durch die Gaga-Bewegungssprache. In ihren Werken sucht sie die unmittelbare Nähe zum Publikum und thematisiert Transformation sowie die Flüchtigkeit des Moments – so auch in ihrer aktuellen Arbeit „Body that Stands“, mit der sie am 7. Februar auf der Bühne des Freiburger E-Werks steht. Zuvor befragte Elisabeth Jockers die Tänzerin zu magischen Augenblicken auf der Bühne und dem Gefühl, wenn das Licht angeht und die Musik beginnt.
Kultur Joker: Was geht dir auf der Bühne in den wenigen Sekunden der Stille durch den Kopf, bevor die Musik beginnt und das Licht angeht?
Smadar Goshen: Jedes Stück hat sein eigenes Universum, das mich und/oder die Performer in einen spezifischen Zustand versetzt, wenn wir die Bühne betreten. Der Moment, bevor das Licht angeht, ist ein Moment, um sich mit einem Charakter, einem Sein-Zustand oder einer physisch-mental-emotionalen Situation zu verbinden und die Verkörperung dessen zu verfeinern.
Wenn das Bühnenlicht auf einen sich bewegenden Körper trifft, entfaltet der Flow seine Magie. Wenn das Licht jedoch auf einen stillen Körper trifft, erfordert es vom Performer, einen Sein-Zustand „heraufzubeschwören“, sich an Empfindungen, Gefühle und Konzepte zu erinnern und diese ständig durch den Körper neu zu beleben. Das ist die fortlaufende Arbeit auf der Bühne – und sie beginnt schon, bevor wir das Licht einschalten.
Kultur Joker: Welche Eigenschaft, die du durch den Tanz gewonnen hast, hilft dir im Alltag?
Smadar Goshen: Das Verständnis und die Akzeptanz der Vergänglichkeit aller Dinge, was wiederum Transformation ermöglicht. Bewegung existiert im Moment; im nächsten Moment ist sie weg, und doch fühlen wir uns nicht mehr so wie vor ihrer Existenz. Das Tanzen hat mich gelehrt, in welchem Maße wir flüchtig sind. Sobald man das akzeptiert, kann man sich genauso gut bewegen – die Dinge mit und durch sich hindurchfließen lassen, anstatt zu versuchen, an dem festzuhalten, was sich bereits gewandelt hat.
Kultur Joker: Kannst du einen Moment auf der Bühne beschreiben, in dem du eine fast „magische“ Verbindung zum Publikum oder einem Partner gespürt hast? Wie hat sich das angefühlt?
Smadar Goshen: Ich hatte solche Momente in verschiedenen Stücken:
In „Peninsule Flora“ ist es der Moment, in dem wir unsere maskierten Augen enthüllen und jemandem aus dem Publikum direkt in die Augen schauen.
In „Grand Noir“ ist es der Moment, in dem wir jemanden aus dem Publikum bitten, unsere Hände zu halten, während wir eine Menschenkette bilden und diese zur Mitte ziehen, bis wir aus ihrem Griff zusammenbrechen.
In „Hoomans“ ist es der Moment, in dem wir uns gegen die Fensterscheibe lehnen und unsere Körper vor den Augen der Zuschauer (an der Scheibe) verreiben.
In „Ken“ ist es der Moment, in dem ich mitten im Publikum stehe und man auf der Bühne eine Projektion der Zuschauer sieht – und mein Bild, wie ich mitten unter ihnen stehe, den Mund weit offen, unfähig, einen Laut von mir zu geben…
In meinen Stücken suche ich nach diesen magischen Verbindungen mit der Öffentlichkeit. Die Zuschauer sind für das performative Ereignis genauso wichtig wie das Produktionsteam. Ich freue mich schon sehr darauf, vom Publikum in Freiburg zu hören, was für sie dieser magische Moment der Verbindung war, den sie in der Aufführung von „Body that Stands“ im E-Werk gespürt haben.
Kultur Joker: Liebe Smadar, vielen Dank für deine Antworten!
Weitere Infos und Tickets: ewerk-freiburg.de
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