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Gelebte Tradition als Kulturerbe: Die deutsche Schaustellerkultur wird von der UNESCO gewürdigt

Die Schaustellerkultur auf deutschen Volksfesten ist in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Mit der Entscheidung würdigt

Gelebte Tradition als Kulturerbe: Die deutsche Schaustellerkultur wird von der UNESCO gewürdigt

Die Schaustellerkultur auf deutschen Volksfesten ist in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Mit der Entscheidung würdigt die Deutsche UNESCO-Kommission eine Tradition, die nach eigenen Angaben seit rund 1200 Jahren gewachsen ist und bis heute aktiv gelebt wird. Im Zentrum der Auszeichnung stehen die rund 5.600 Schaustellerfamilien in Deutschland, die mit ihrer Arbeit maßgeblich zur Vielfalt und Kontinuität dieser Kultur beitragen. Ob Kirmes, Jahrmarkt, Kirchweih, Schützenfest oder Weihnachtsmarkt – Volksfeste gehören vielerorts zum gesellschaftlichen Leben und ziehen jährlich rund 200 Millionen Besucher:innen an.

Volksfeste schaffen Räume, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Prägung oder Weltanschauung zusammenkommen. Der Eintritt ist in der Regel frei und die Angebote richten sich bewusst an ein breites Publikum. Gleichzeitig tragen sie zur lokalen Identität bei, denn gerade in kleineren Städten und Gemeinden sind Volksfeste oft zentrale Ereignisse des Jahres.

Träger dieser Kultur sind die Schausteller:innen selbst. Sie verbinden handwerkliches Können mit organisatorischem Geschick und wirtschaftlicher Verantwortung. Viele Familienbetriebe geben ihr Wissen über Generationen hinweg weiter und sichern so die Kontinuität des Berufsstandes. Gleichzeitig entwickelt sich die Schaustellerkultur stetig weiter. Neue Fahrgeschäfte, kulinarische Angebote und technische Innovationen sorgen dafür, dass Volksfeste attraktiv bleiben und sich an veränderte Erwartungen anpassen.

Die Auszeichnung durch die UNESCO-Kommission wird von der Branche als wichtige Anerkennung wahrgenommen. Albert Ritter, Präsident des Deutscher Schaustellerbund e.V., spricht von einem starken Signal für den gesamten Berufsstand. Volksfeste und auch Weihnachtsmärkte seien weit mehr als ein Freizeitangebot, sie seien ein zentraler Bestandteil kultureller Identität. Gleichzeitig versteht die Branche die Auszeichnung auch als Auftrag an die Politik auf allen Ebenen verlässliche Rahmenbedingungen schafft, um diese Form der Kultur langfristig zu sichern.

Mit der Aufnahme in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes wird deutlich, welche Rolle Volksfeste im gesellschaftlichen Gefüge spielen. Sie sind Orte des Feierns und der Begegnung, aber auch Ausdruck kultureller Kontinuität. Die Schaustellerkultur zeigt dabei, wie sich Tradition in die Gegenwart übersetzen lässt und rückt Volksfeste als soziale Infrastruktur stärker in den Fokus.

Weitere Infos: dsbev.de

Bild: Riesenrad; Copyright: Ruben Da Costa/pexels

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Alisa Guschker